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Regional Bihunsuppe „Indonesia“ steht wieder im Regal
Nachrichten Wirtschaft Regional Bihunsuppe „Indonesia“ steht wieder im Regal
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00:21 28.10.2018
„Das Original“: Indonesia Bihunsuppe noch aus dem Produktionsstandort in Barterode. Quelle: Wenzel
Göttingen / Neuruppin

Das Aus für die „Indonesia“-Bihunsuppe made in Barterode kam im August. Der Hersteller „Athalevo Foods GmbH“ stellte nach einem Insolvenzverfahren die Produktion ein, 45 Mitarbeitern wurde gekündigt.

Der Aufschrei der echten Suppen-Fans war groß. „Beste Suppe“, „Ich habe zum Glück noch drei Dosen“, „Noch mal schnell eindecken“, „Wir müssen bunkern“ kommentierten die Leser nach Bekanntwerden auf der Facebook-Seite des Göttinger Tageblattes.

Bundesweiter Vertrieb

Inzwischen ist die Suppe wieder im Lebensmittelhandel. „Es geht weiter“, sagt Klaus Petersen. Wenn auch nicht in Barterode. Die Dreistern Konserven GmbH & Co KG aus Neuruppin, so der Neuruppiner Petersen, hat die Produktion der Bihunsuppen unter dem Titel „Indonesia“ aufgenommen und vertreibt sie seit September bundesweit im Lebensmittelhandel.

Suppenproduktion in Barterode Quelle: BEI

 

Rezept, Produktion und Vertrieb der „original indonesischen Kultsuppe“ wurde aus Barterode übernommen, heißt es in einer Pressemitteilung von Dreistern. Sie werde nach Original-Rezept aus Indonesien hergestellt und gelte „mit ihrer authentischen Historie als echte Marke unter den asiatischen Suppen und Gerichten“.

„Bihun“ sei indonesisch und bedeute Reisnudel oder Glasnudel, heißt es auf der Indonesia-Internetseite. So sei Bihunsuppe eine Suppe aus Glasnudeln, Gemüse, asiatischen Gewürzen, Hühnerfleisch und „vielen Geheimnissen“.

„Stark nachgefragt“

„Wir freuen uns, das Indonesia-Sortiment in guter und gleichbleibender Qualität weiterzuführen, da asiatische Suppen und Gerichte in Deutschland nachhaltig stark gefragt sind, gerade von jüngeren und jung gebliebenen Menschen“, erläutert die Dreistern-Geschäftsführung. Zum übernommenen Indonesia-Sortiment mit dem markanten gelb-grünen Erscheinungsbild gehören außer der Bihunsuppe, das Nasi Goreng, die Thai-Suppe und der Hot Pot.

Neues Design für die Indonesia Bihunsuppe Quelle: R

Dreistern, so Petersen, habe die Produktion und den Vertrieb von Indonesia-Produkten übernommen. Das Markenrecht liege weiterhin in Göttinger bei der neugegründeten Cenabis GmbH mit dem Geschäftsführer Thomas Loibl, ehemals Geschäftsführer der insolventen „Athalevo Foods GmbH“. Auf der Internetseite von Cenabis heißt es: „Von uns entwickelte und langjährig geführte Marken wie Indonesia oder Barteroder Feinkost wurden von der Lebensmittelzeitung 2013 und 2014 zur Top Marke in der Kategorie Suppen und Eintöpfe ausgezeichnet. Mit dieser Expertise beraten und unterstützen wir in praktischer Alltagsarbeit kleine und mittelständische Lebensmittelhersteller in den Themen Markenaufbau, Marketing, Personalentwicklung und Vertrieb.“

„Die Markenrechte der Schuldnerin bei Dritten“

Athalevo-Insolvenzverwalter Jens Köke bestätigt, dass die Marke Indonesia nicht zur Insolvenzmasse von Athalevo gehört. Im August hatte Köke im Zuge des Insolvenzverfahrens betont, dass Athalevo selbst nahezu über keine eigenen Vermögenswerte verfüge. „So liegen die Markenrechte der Schuldnerin bei Dritten. Sämtliche Maschinen sind mit Aus- und Absonderungsrechten belastet. Ebenfalls steht die Betriebsimmobilie im Eigentum Dritter“.

Eine Suppe mit Geschichte

Die Geschichte der Indonesia-Bihunsuppe reicht bis 1958 zurück, als die Brüder Seekts aus Sachsen als Schiffskoch und Steward auf einem ostdeutschen Frachter anheuerten. Zwei Jahre verbrachten sie auf Java und verdienten sie sich dort in verschiedenen Hotels und Restaurants das Geld für die Rückreise und, so will es die Geschichte, die sich im Internet nachlesen lässt, verliebten sich dabei unsterblich in die fernöstliche Küche.

Zum Abschied drückte ihnen ihr letzter Chef 1960 ein handgeschriebenes Originalrezept der indonesischen Bihunsuppe in die Hand. In Westdeutschland angekommen, eröffneten die Brüder Seekts 1962 in einer ehemaligen Göttinger Studentenkneipe ihr Restaurant: die „Indonesia-Bar“. Die Bihunsuppe aus Java war der Renner. Stammgäste lieferten in dieser Zeit den Markenslogan: „Dafür stehen Sie sogar nachts auf“. Er steht bis heute auf jeder Bihunsuppen-Verpackung.

Göttingen, Deutschland und die Welt

In der Folgezeit orderten auch andere Restaurants Bihunsuppe für ihre Gäste bei den Seekts. Die Großproduktion der Suppe lief in einer ehemaligen Schlachterei. Zweimal in der Woche wurde dort nur für andere Gasthäuser Bihunsuppe gekocht. Bald gaben die Brüder das Restaurant auf und konzentrierten auf die Suppenproduktion. 1971 bestellte ein großes Göttinger Warenhaus die Original Bihunsuppe „Indonesia“ tiefgekühlt für seine Feinkostabteilung. Deutschland und das Ausland folgten.

Die Produktion zog dann in die alte Molkerei nach Barterode. Mit einem Tag der offenen Tür wurde 1976 das neue Firmengelände gefeiert – das erste „Bihunfest“.

Bihunfest in Barterode Quelle: Peter Heller

Verkauf in Barterode

Während Dreistern derzeit die großen Supermarktketten mit neuer Indonesia-Bihunsuppe aus Neuruppin beliefert, gibt es in Barterode auf dem ehemaligen Produktionsstandort noch Restbestände, die verkauft werden sollen. „50 Cent pro Dose“, sagt Köke.

Von Michael Brakemeier

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