Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional „Junge Unternehmer wollen auf den Arm“
Nachrichten Wirtschaft Regional „Junge Unternehmer wollen auf den Arm“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:33 15.04.2018
„How to be a Business Angel“: Johannes Loxen berichtete über seine Beteiligungen an Start-ups. Quelle: Foto:Pförtner
Göttingen

Wer ein junges Unternehmen an den Markt bringen will, braucht vor allem Kapital und Know-how. Beides können sogenannte Business-Engel (engl. Angels) liefern – private Investoren, die Gründungsunterstützung leisten. Eine Informationsveranstaltung ging jetzt der Frage nach „How to be a Business Angel“.

Noch ist der südniedersächsische Business-Angel-Markt überschaubar. Das Gründungspotenzial gelte es zu entwickeln und besser auszuschöpfen, so Jörg Lahner von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) zum Auftakt der Informationsveranstaltung des Südniedersachsen-Innovationscampus (SNIC). Gemeinsam mit dem Business Angels Netzwerk Deutschland (Band) wollte man über die Möglichkeit informieren, Privatinvestments in junge Unternehmen zu tätigen.

40 Angel-Netzwerke

Deutschlandweit gibt es heute 40 Angel-Netzwerke, berichtete Band-Vorstand Ute Günther am Donnerstag vor etwa 50 Interessierten. Diese Netze vermitteln den Kontakt zwischen Kapital suchenden Gründern und den geeigneten Unternehmensengeln. „Screening und Matching sind die zentralen Aufgaben.“ Nach aktuellen Schätzungen sind in Deutschland etwa 10 000 Angel mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 950 Millionen Euro am Markt. Konkrete Zahlen gibt es nicht, da längst nicht jeder private Investor mit seinen Finanztransaktionen an die Öffentlichkeit geht.

Doch was ist ein Business-Angel und was tut er? Es handelt sich in der Regel um Privatpersonen, die sich an jungen, innovativen Start-ups beteiligen. Ihr Geld wird vorwiegend in der Frühphase der Unternehmensgründung eingesetzt, wenn der Engpass am größten ist. Immer häufiger spiele das Kapital der Angel-Investoren aber auch bei der Folgefinanzierung eine Rolle, so Günther. Nicht zuletzt um die eigene Beteiligung zu schützen, würden Angel nachträglich nicht selten weiteres Geld in das Unternehmen stecken.

Business-Angel sind branchenoffen

Durchschnittlich liegt der Einsatz eines Business-Angels bei 50 000 Euro, selten weit darüber. Bei größerem Finanzbedarf schließen sich mehrere Angel-Investoren zusammen. Bevorzugte Branchen sind IT, Greentec oder Medizintechnik. „Aber grundsätzlich zeigen sich Business-Angel branchenoffen“, weiß das Vorstandsmitglied. Investitionen in Start-ups gelten als riskant. Entsprechend erwarten Business-Angel für ihr Engagement in der Regel einen hohen „Return of Investment“. Dass der Angel-Investor dennoch für viele Start-up-Unternehmer attraktiv ist, hängt auch damit zusammen, dass ihnen andere Kapitalquellen in der Gründungsphase nicht zugänglich sind. Außerdem bietet der Investor neben dem rein finanziellen Engagement eben auch den zweiten Flügel des Angel-Systems. Er bringe sein Wissen in die Entwicklung des Unternehmens ein.

Eine Aussage, die Business Angel Johannes Loxen bestätigen kann. Der Geschäftsführer der Göttinger SerNet GmbH hat sich in verschiedensten Unternehmen engagiert und weiß, dass es zu den vorrangigen Aufgaben gehört, den neuen Partnern Zeit zu schenken. Er stehe als Angel in zahlreichen Themenfeldern beratend zur Seite, stelle ein Netzwerk zur Verfügung und gebe eigene Erfahrungen weiter. Und manchmal „wollen junge Unternehmer einfach nur auf den Arm“, betonte Loxen und zeigte dem amüsierten Publikum das passende Foto seiner Präsentation.

20-jährige Geschichte

Das organisierte Angel-Investing blickt in Deutschland auf eine 20-jährige Geschichte zurück. Vielerorts haben sich die Netzwerke als Gründungsunterstützung bewehrt und erfolgreiche Unternehmungen hervorgebracht. Günther gab sich zuversichtlich: „Vielleicht steht ja nach dem heutigen Tag auch Göttingen vor der Gründung eines solchen Netzwerkes.“

Invest – der Bund bezuschusst Wagniskapital

Investoren in junge, innovative Kapitalgesellschaften, die „Kleine Unternehmen“ im Sinne der EU sind, werden vom Bund einen Zuschuss von 20 Prozent ihres Investitionsbetrages erhalten. Voraussetzungen sind unter anderem, dass die Anteile für mindestens drei Jahre gehalten werden müssen, es sich nicht um eine Kreditfinanzierung handelt, und dass es sich um eine innovative Unternehmung handelt. Seit 2017 gibt es außerdem einen Exit-Zuschuss, der 25 Prozent des Gewinns aus der Veräußerung einer Beteiligung beträgt. Der Bundestag hat vor einem Jahr die Steuerfreiheit für Invest-Zuschüsse beschlossen. Weitere Informationen unter business-angels.de

Von Markus Scharf

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Göttingen Einzelhandel in Göttingen - Willi Klie wird 70 Jahre alt

Der langjährige Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes, Kreisverband Göttingen, feiert am Freitag, 13. April, Geburtstag. Der Göttinger Willi Klie wird 70 Jahre alt.

15.04.2018

Klaus Jacobi, langjähriger geschäftsführende Gesellschafter der Jacobi-Firmengruppe, geht nach mehr als 35-jähriger erfolgreicher Tätigkeit für das Familienunternehmen in den Ruhestand. Neuer Geschäftsführer für den Bereich Vertrieb, Marketing und Produkte wird Günther Reese (52).

14.04.2018

Eine App, mit der sich Mathe-Stoff bis zum Abitur spielerisch erlernen lässt, haben drei Absolventen der Uni Göttingen entwickelt. In den kommenden vier Wochen wollen die Gründer der Firma Edutapps, die zurzeit Räume im GO-E-Lab der Privaten Hochschule Göttingen nutzen, ihr Angebot auf den Markt bringen.

14.04.2018