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Regional Unternehmensberater Peter Holzer spricht Klartext
Nachrichten Wirtschaft Regional Unternehmensberater Peter Holzer spricht Klartext
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00:20 16.06.2018
Peter Holzer (r.) mit Bernt Sierke von der PFH. Quelle: Christoph Mischke
Göttingen

Als „Vorzeige-Consultant“ bezeichnete Prof. Bernt Sierke von der PFH Holzer. Der war früh von Schilddrüsenkrebs ausgebremst worden und hatte sich anschließend als Berater selbstständig gemacht. Vor allem familiengeführte mittelständische Unternehmen zählten zu seinen Kunden, erklärt Holzer. Er schilderte eines der Problem von Firmen in Zeiten grassierender Digitalisierung. In Unternehmen würden oft „zu viele Bälle aufs Spielfeld geworfen und vergessen, sie ins Tor zu schießen“ – Holzers Plädoyer für eine Fokussierung aufs Wesentliche. Zudem prangerte er den „Instant-Virus“ an – „lieber schnell als sinnvoll“ werde oft gearbeitet, ein Fehler, meint Holzer.

„Weichspüler statt Wahrheit“

Warum aber sage niemand etwas dagegen?, fragte er in die Runde der etwa 60 Besucher der Veranstaltung und gab selbst die Antwort. Das liege an dem „Gemocht werden wollen“-Virus, sagte Holzer und machte „Weichspüler statt Wahrheit“ dafür verantwortlich. Doch warum eigentlich? „Alles, was wir wollen, liegt außerhalb der Komfortzone“, sagte Holzer und zählte auf: Geld, Macht, Einfluss und ähnliches. Holzer Lösungsansatz für das Problem: Wer das erreichen wolle müsse die Komfortzone verlassen und „durch den Schmerz gehen. Ein Tipp Holzers: „Wir müssen laut werden.“

Doch der Berater hatte noch weitere Ratschläge parat, beispielsweise den Einsatz von Emotionalität. Ein großer Mittelständler habe seinen leitenden Mitarbeitern ankündigen wollen, dass die Firma mehr Umsatz machen müsse. Er habe ihn gefragt, warum das sein müsse. Nach anfänglichem Zögern habe der Chef ihm erklärt, dass er die Firma als Weltmarktführer von seinem Vater übernommen habe. Inzwischen sei sie auf Platz drei abgerutscht. Bevor er sie an seinen Nachfolger übergebe, wolle er sie wieder auf Platz eins führen, eine Frage der Ehre. Holzer habe ihm geraten, dass seinen Mitarbeitern zu erzählen. „Man braucht eine einfache, emotionale Geschichte“, lautet die schlichte Erkenntnis.

Katzenmenschen, Hundemenschen

Ähnlich gewichtig Holzers Klassifizierung in Katzenmenschen und Hundemenschen, illustriert mit einem Video, das einen verängstigten Hund zeigt, der sich nicht an einer Katze vorbei traut. Die Katze als Alpha-Tier, geboren um zu führen. Körpersprache und Stimme, die dafür notwendig seien, beschrieb er an einem Flugzeug-Beispiel. Der Kapitän spreche als Chef mit tiefer Stimme und wenig Modulation – „auf der letzten Silbe geht das Kinn nach unten“ –, die Stewardess rede mit großer Modulation in der Stimme.

Ganz zum Schluss dann Holzers Empfehlung für Firmenchefs: Angst zu verbreiten sei nicht angeraten, aber auch nicht, das Unternehmen als Ponyhof zu führen. Sein letzter Rat: „Hart in der Sachse sein und fair zum Menschen.“

Von Peter Krüger-Lenz

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