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Regional DAK-Studie sieht zunehmendes Doping im Job
Nachrichten Wirtschaft Regional DAK-Studie sieht zunehmendes Doping im Job
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00:31 02.04.2015
Mehr Medikamenteneinsatz zur Leistungssteigerung? In der Universitätsmedizin ist ein solcher Trend nicht zu beobachten. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Demnach hätten bereits knapp drei Millionen Arbeitnehmer verschreibungspflichtige Medikamente eingenommen, um im Beruf leistungsfähiger oder widerstandsfähiger gegen Stress zu werden. Damit hätte sich die Quote der dopenden Beschäftigten von 4,7 Prozent (2008) auf 6,7 Prozent erhöht. Daneben geht die DAK von einer Dunkelziffer von bis zu zwölf Prozent aus, während etwa zehn Prozent der Erwerbstätigen dem Thema grundsätzlich aufgeschlossen gegenüberstehen. „Auch wenn Doping im Job in Deutschland noch kein Massenphänomen ist, sind diese Ergebnisse ein Alarmsignal“, warnt DAK-Vorstandschef Herbert Rebscher.

Schwierigkeiten in der Datenerhebung

Eine Entwicklung, die Prof. Borwin Bandelow, stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen, so jedoch nicht sieht. „Ich halte es generell für übertrieben zu sagen, dass sich die ganze Nation wegen des gestiegenen Drucks dopt. Ich verfolge das seit fast 30 Jahren und jedes Jahr wird behauptet, dass der Stress gerade im letzten Jahr zugenommen hat. In unserer Klinik werden jedes Jahr etwa 10 000 Patienten ambulant behandelt, aber wir werden nur sehr selten zum Thema Gehirndoping gefragt.“ Daher, so Bandelow, könne man nicht von einer Steigerung reden. „Vielleicht sieht das im Bereich der niedergelassenen Ärzte anders aus, aber es würde mich wundern, wenn sich das dann nicht auch bei uns zeigt.“

Eine der Schwierigkeiten liegt in der Datenerhebung. Die DAK hat für die Studie nach eigenen Angaben Arzneimitteldaten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten analysiert und mehr als 5000 Berufstätige im Alter von 20 bis 50 Jahren befragt. Ziel war es herauszufinden, ob und wie Erwerbstätige ohne medizinische Notwendigkeit zu verschreibungspflichtigen Medikamenten greifen. Das daraus gewonnene Bild zeigt, dass es vor allem Arbeitnehmer in einfacheren und perspektivisch unsicheren Tätigkeiten sind, die zu entsprechenden Medikamenten greifen. Hier hätten bereits bis zu 8,5 Prozent der Beschäftigten gedopt, während es unter Hochqualifizierten nur 5,1 Prozent seien. Fast zwei Drittel der Betroffenen würden Medikamente gegen Angst, Unruhe und Nervosität einnehmen und etwa jeder Dritte gegen Depressionen. Die Hälfte der entsprechenden Medikamente würde über den Arzt bezogen, auch das soziale Umfeld oder Bestellungen im Internet sind Bezugsquellen.

Nur, wie trennt man klar zwischen Krankenfällen und Doping? „Schaut man sich in der Studie die genutzten Medikamente an, dann richten sich die meisten gegen Angst und Unruhe“, so Bandelow. „Angststörungen sind jedoch die häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt.

Trennung von Krankheit und Doping schwierig

Dass jemand ein Medikament verschrieben bekommt, sich besser fühlt und dann zur Arbeit geht, ist ein normaler Vorgang und auch gewünscht. Und das wird meines Erachtens fälschlich als Doping bezeichnet.“ Mit den zur Verfügung stehenden Daten sei eine Unterscheidung zwischen Menschen, die aufgrund von Angsterkrankungen und Depressionen behandelt werden, und Gesunden, die ihre Arbeitsleistung steigern wollen, jedenfalls nicht leicht möglich.

Die DAK bietet am Dienstag, 31. März, von 8 bis 20 Uhr unter der kostenlosen Rufnummer 08 00 / 1 11 18 41 für Interessierte eine Hotline an, in der Experten zum Thema beraten und Fragen beantworten.

Von Sven Grünewald

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