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Regional „Das ist schon fast existenzbedrohend“
Nachrichten Wirtschaft Regional „Das ist schon fast existenzbedrohend“
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00:18 13.10.2017
Leere Flaschen in der Abfüllerei bei Beckers Bester in Lütgenrode. Quelle: BEI
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Lütgenrode

Der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK) befürchtet Versorgungsengpässe bei den wichtigsten Fruchtarten für die Verarbeitungsindustrie. Allein bei Sauerkirschen sei mit einer um 60 Prozent bis 70 Prozent verringerten Produktion zu rechnen. Die Erdbeerernte falle voraussichtlich um 30 Prozent und die Himbeererzeugung um 20 Prozent geringer aus als 2016.

Bei Pflaumen sei ein Rückgang um 65 Prozent bei Heidelbeeren sogar um bis zu 85 Prozent sowie bei Rhabarber und Johannisbeeren jeweils um die Hälfte zu erwarten, berichtete der Verband. Enorme Verluste gebe es voraussichtlich auch bei Äpfeln. Die Apfelernte 2017 sei die schlechteste seit über 20 Jahren. Die Erntemenge liege in vielen Regionen bei weniger als einem Drittel des Durchschnitts. Genaue Zahlen hierzu lägen noch nicht vor, teilte der Verband mit.

Besonders hart trifft die schlechte Ernte kleine Mostereien in der Region aber auch Saftproduzenten wie das Lütgenroder Familienunternehmen Beckers Bester. „Die Missernte ist für uns fast existenzbedrohend“, sagt dazu Sebastian Koeppel, Urenkel von Bertha Becker und geschäftsführender Gesellschafter von Beckers Bester. Mit bis zu acht Prozent Mehrkosten auf den Umsatz rechne Koeppel allein durch höhere Preise für den Einkauf von Obst in diesem Jahr. Zwar wachse Beckers Bester seit einigen Jahren wieder konstant, doch die aktuelle Missernte verhagele die gute Entwicklung leider dramatisch. „Das frist unsere Reserven der vergangenen Jahre fast auf“, betont Koeppel.

Was bleibt? Die Kosten müssen runter. Beim Personal lasse laut sich Koeppel kaum sparen. „Wir brauchen unsere Mitarbeiter, weil die Aufträge da sind“, erklärt Koeppel. Entsprechend bleibe nur noch das Mittel einer Preiserhöhung. Koeppel rechnet mit 20 Cent pro Liter. Bei Bio-Säften fallen die Erhöhungen mit bis zu 40 Cent pro Liter saftiger aus. Die Preiserhöhung betreffen die Produkte klarer und trüber Apfel, Apfelschorle, die Apfel-Mischprodukte und Kirsche. Zudem werde es Preiserhöhung für die Produkte klarer und trüber Apfel, Kirsche, Frühstückssaft und Multi geben. Da vor allem Rohwaren aus Deutschland betroffen sind, werde Beckers Bester die heimischen Säfte diese Saison als Apfel-Birne, Apfel-Rhabarber und Apfel-Johannisbeere aus Rohwaren europäischen Ursprungs anbieten und dabei auf die Bezeichnung „heimische Früchte“ verzichten. „Dieses Ernte-Desaster bleibt hoffentlich eine Ausnahme. Sobald sich die Rohwarensituation entschärft, werden wir diese Maßnahmen wieder zurücknehmen, wenn wir die Missernte dieses Jahres kompensiert haben“, sagt Koeppel. Ob der Verbraucher am Ende die Zeche zahlt, bleibt offen. Anzunehmen ist, dass der Handel die höheren Einkaufspreise an Kunden weitergeben wird. Ob diese dann wieder sinken, wenn Beckers Bester die Preise wieder zurücknehmen wird, ist zu hoffen.

Von Bernard Marks

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