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15:40 02.08.2018
Über einen Mangel an psychotherapeutischer Versorgung kann man sich in der Region nicht beklagen. Quelle: dpa
Göttingen

Über einen Mangel an psychotherapeutischer Versorgung kann sich der Altkreis Göttingen nicht beklagen. Der Versorgungsgrad mit privaten und kassenärztlich zugelassenen Therapeuten lag Anfang 2018 bei 420,8 Prozent. Das ist in Niedersachsen einsame Spitze und doch nur ein theoretischer Wert. Die Wartezeiten auf einen Therapieplatz betragen mehrere Monate.

Dennoch: Sich mit einer Praxis selbstständig zu machen, hat nach wie vor einen hohen Reiz. Dafür, aber in zunehmendem Maße auch für eine Tätigkeit als Psychotherapeut in einer Klinik oder Reha-Einrichtung reicht das Psychologie-Studium alleine jedoch nicht aus.

In der Praxis braucht man vier bis fünf Jahre

Die Weiterbildung zum Verhaltenstherapeuten, die in Göttingen nur vom Therapie- und Beratungszentrum (TBZ) der Universität Göttingen angeboten wird, ist eigentlich auf eine Dauer von drei bis vier Jahren angelegt. Eigentlich, denn „in der Praxis braucht man vier bis fünf Jahre, um die Weiterbildung abzuschließen“, so Alexandra Klich vom TBZ. Einer der Hauptgründe dafür ist die Frage der Finanzierung.

Die Ausbildung ist kostenpflichtig, die Höhe der Beträge ist je nach Ausbildungsinstitution unterschiedlich. Am TBZ sind es derzeit 290 Euro monatlich auf drei Jahre, hinzu kommen die regulären Semesterbeiträge für die Uni. „Bafög gibt es meistens nicht und einen Kredit aufzunehmen, ist schwierig. Also braucht man eine gute Klinikstelle“, sagt Alexandra Klich. In der Klinik sind die Praxisteile der Ausbildung abzuleisten.

Situation „noch nicht wirklich gut“

In den Kliniken habe sich die Situation in den vergangenen Jahren zwar deutlich verbessert, so Klich, „aber sie ist noch nicht wirklich gut. Die meisten Kollegen kennen die Situation, dass sie für eine Klinik arbeiten, aber das nicht vergütet bekommen. Das ist vor allem in den Großstädten ein Problem.“ Und das trotz einer hohen Qualität des Studiums. In Göttingen sei die Lage deutlich besser. „Wir haben einige Kliniken in der Region und die achten schon darauf, dass ihre Stellen bezahlt werden.“ In den Großstädten hingegen sei einfach die Nachfrage durch die angehenden Psychotherapeuten zu groß.

Estela Blohm, Psychologie-Masterstudentin, ist sich nicht zuletzt nach einem Praktikum in einer Reha-Einrichtung „sehr sicher“, dass sie die Weiterbildung machen will. „Ich finde es faszinierend, was man mit Gesprächen bei teils schweren Störungen, die genauso schwer sind wie physische Störungen, erreichen kann.“ Das Interesse ist auch im Kommilitonenkreis da, einige haben schon mit der Weiterbildung angefangen und machen gerade Bekanntschaft mit der willkürlichen Bezahlungssituation. „In Berlin gibt es die Fälle, dass kein Gehalt bezahlt wird. Aber in Göttingen ist die Erfahrungen positiv. Die Leute, die ich kenne, kommen mit der Bezahlung über die Runden.“

Anteil an überregionalen Bewerbern steigt

Dass man in Göttingen finanziell eigentlich ganz gut durch die Weiterbildung kommt, habe sich inzwischen herumgesprochen, und so steige der Anteil an überregionalen Bewerbern auf die jährlich 20 Weiterbildungsplätze am TBZ, sagt Klich. Auch am TBZ selbst gibt es Stellen, die dann an eine Promotion gekoppelt sind und damit ebenfalls länger dauern – aber immerhin ein Auskommen ermöglichen.

Seit einigen Jahren bereits wird mit den Gesundheitsministerien der Länder und des Bundes eine Reform der Psychotherapeutenausbildung vorangetrieben, erklärt Roman Rudyk, Präsident der niedersächsischen Psychotherapeutenkammer. „Das Ziel ist ein Direktstudium der Psychotherapie, das mit einer Approbation abschließt, sowie eine anschließende Weiterbildung. Dies entspricht weitgehend der Struktur der gegenwärtigen ärztlichen Aus- und Weiterbildung. Nach den Reformplänen wird zukünftig während der Weiterbildung ein akademisches Gehalt gezahlt.“ Allerdings, die Mühlen mahlen langsam. Wann hier die konkrete Umsetzung erfolgt, ist gegenwärtig offen.

Von Sven Grünewald

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