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Regional Frischmilch-Trend kommt im Supermarkt an
Nachrichten Wirtschaft Regional Frischmilch-Trend kommt im Supermarkt an
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00:17 08.01.2017
Milchtankstelle im Rewe-Markt. Quelle: Markus Hartwig
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Göttingen/Hofgeismar

Mitte Mai eröffnete in Güntersen die erste Milchtankstellen der Region auf dem Hof von Jens Timmermann: Die unbehandelte Frischmilch, nicht homogenisiert und pasteurisiert, erfreut sich wachsender Nachfrage. Nun haben einige Rewe-Märkte mit eigenen Milchtankstellen nachgezogen. Beliefert werden sie von Elmar Möcklinghoff, dessen Hof nahe Hofgeismar steht. Dort wird die Milch für 28 Sekunden auf 74 Grad Celsius erhitzt, um Keime abzutöten, bevor sie ausgeliefert wird.

Einen Milchbauern in der Nähe zu finden, der die gesetzlichen Vorgaben für den Verkauf der Frischmilch jenseits des Hofes erfüllt, sei nicht leicht gewesen, so Sven Gippert vom Rewe-Markt in Bovenden. Rund um Göttingen sei man nicht fündig geworden. Die Kunden fragten verstärkt regionale Waren nach, gleichzeitig spiele der Nachhaltigkeitsgedanke eine wichtige Rolle, so Gippert: geringe Transportkosten, wiederverwendbare Glasflaschen und eine faire Bezahlung des Milchbauern. Während die Molkereien gegenwärtig knapp über 20 Cent bezahlen, erhält der Milchbauer beim Rewe-Direktvertrieb etwa das Dreifache. 1,20 Euro kostete der Liter für den Kunden.

Bundesweit steht diese Form des Direktvertriebs von frischer Milch in Supermärkten noch am Anfang. Das musste auch Elmar Möcklinghoff erfahren. Zusammen mit einem Gerätehersteller wurde ein Prototyp entworfen, dessen Genehmigung sich jedoch über ein Jahr hingezogen habe - für das zuständige Veterinäramt war das Neuland. Seit Herbst 2016 beliefert Möcklinghoff insgesamt fünf Milchtankstellen, demnächst kommt ein verbesserter Milchautomat zum Einsatz, in den die bisherigen Erfahrungen eingeflossen sind. „Wenn mit dem alles gut läuft, soll das Milchtankstellennetz erweitert werden.“ An Anfragen mangele es nicht.

Die Kosten für einen der Rewe-Märkte beziffert André Riethmüller vom Rewe an der Reinhäuser Landstraße in Göttingen auf 18000 bis 20000 Euro. Für den Milchbauern hingegen seien es schnell 60000 Euro, so Möcklinghoff - für den Pasteur, entsprechende Räumlichkeiten, die Spülmaschine für die Milchkannen in den Automaten oder einen speziellen Kühlanhänger. „Ob es sich rechnet, werde ich sehen. Auf jeden Fall müssen es mehr Milchtankstellen werden.“ Den Vorteil der Direktvermarktung sieht er, neben ökologischen Aspekten, in einer besseren Kalkulation. „Ich nehme mir dadurch die Hochs und Tiefs der Milchpreisschwankungen.“

Die Kunden der Rewe-Märkte nehmen das Angebot jedenfalls gut an und bringen vermehrt auch ihre eigenen Behältnisse mit - abgezapft werden individuelle Mengen, der Absatz steigt. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht, weil der Griff zum Tetrapak so einfach ist“, sagt Sven Gippert. Einen Grund dafür sieht er im Charme der kaum behandelten, frischen Milch: „Sie schmeckt anders und hat einen leicht schwankenden natürlichen Fettgehalt um die vier Prozent.“ Inzwischen verkauften die Märkte in Bovenden, Göttingen und Uslar zusammen in der Woche etwa 1000 Liter - seine über 100 Kühe gäben täglich hingegen etwa 3800 Liter Milch, so Möcklinghoff.

Milchbehandlung

Milch lässt sich auf vielfältige Art und Weise behandeln. Besonders verbreitet sind Pasteurisierung und Homogenisierung.

Pasteurisierung: Durch verschiedene Möglichkeiten der Erhitzung kann die Milch haltbar gemacht werden. Durch Ultrahocherhitzung entsteht die H-Milch, die bei Zimmertemperatur bis zu drei Monate haltbar bleiben soll. Je höhertemperaturiger und länger die Erhitzung, desto stärker ist auch der Vitaminverlust.

Homogenisierung: Die Fettkügelchen in der Milch werden stark verkleinert, um zu verhindern, dass sich das Fett als Rahm an der Oberfläche absetzt. Dadurch soll die Milch leichter verdaulich werden.

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