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Regional Schlecker-Opfer tragen die Last
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00:16 21.04.2017
Ein ehemaliger Schlecker-Markt in Katlenburg.  Quelle: Archiv
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Göttingen

Vor rund fünf Jahren hat die Drogeriemarktkette Schlecker Insolvenz angemeldet. Während Tausende Mitarbeiter  ihre Arbeitsplätze verloren und der Insolvenzverwalter und die Gewerkschaften um eine Rettung rangen, letztlich vergebens, prüfte die Staatsanwaltschaft mögliche strafrechtliche Verstöße des Drogerie-Unternehmers Anton Schlecker und seiner Familie. Seit dem 6. März steht der Patriarch, seine Frau und seine beiden Kinder vor dem Stuttgarter Landgericht.

 

Hoffen auf Aufklärung und Zahlung noch offener Gehälter

Leidtragende sind nach wie vor die ehemaligen Mitarbeiter. Neun Filialen hatte die Schlecker-Gruppe in der Region Göttingen. Entsprechend viele Mitarbeiter standen nach der Insolvenz 2012 fast schlagartig ohne Arbeit da. Der Weg aus der Arbeitslosigkeit war für  ehemaligen Schlecker-Mitarbeiter schwierig. „Die Auflösung der Schlecker-Filialen belastet viele ehemaligen Mitarbeiter heute noch“, erzählt  Frauke Ebbeke ehemals Betriebsrätin bei Schlecker. Durch den Prozess gegen Anton Schlecker hoffen viele auf späte Aufklärung, Gerechtigkeit und auf Zahlung der offenen Gehälter.

Frauke Ebbeke ist eine von ihnen. Zwölf Jahre hatte die gelernte Krankenschwester bei Schlecker in Dasseln gearbeitet. Neun Monate habe sie nach einer neuen Arbeitsstelle gesucht. Anfangs im Einzelhandel, „aber dort war es schwierig, eine Vollzeitstelle zu bekommen“, berichtet Ebbeke. Deshalb sei sie, wie ein Großteil ihrer ehemaligen Kollegen und Kolleginnen, wieder in die Pflege gewechselt. Besonders schwer hatten es ältere Mitarbeiter. „Viele waren über 50, viele haben erst nach mehreren Jahre einen neuen Job gefunden, einige sind in Rente oder Frührente gegangen“, erzählt Ebbeke.

Mit der Auflösung der Filialen sei für viele ein Teil ihrer Identität verloren gegangen. „Für viele Mitarbeiter waren die Schlecker-Filialen wie ein eigener kleiner Laden. Sie haben sich deshalb mit der Firma sehr verbunden gefühlt“, sagt Ebbeke.

Anders berichtet Sina Heidrich. Sie hat über drei Jahre in Nörten-Hardenberg ein Praktikum absolviert. „Für ein geringes Azubi-Gehalt trug ich meist die volle Verantwortung für das Geschäft“, erzählt sie. Dabei  stand Heidrich oft allein im Laden, musste selbst auf - und zuschließen. Urlaub hatte sie praktisch keinen, den durfte sie nur nehmen, wenn sie ohnehin in die Schule musste.

 

Ehemalige Mitarbeiter haben nichts zu verlieren

So offen wie Heidrich wollen sich andere Betroffene in der Region nicht äußern - aus Angst, sich strafbar zu machen. Diese Sorge kann Ebbeke nicht verstehen. „Wir haben nichts mehr zu verlieren“, sagt sie. Die Betriebsrätin, die für die Rechte der ehemaligen Angestellten auch bei Kundgebungen am 1.Mai gesprochen hatte, findet heute klare Worte. „Ich will, dass im Prozess alles aufgedeckt wird, was da gelaufen ist“, sagt sie. „Ich hoffe, dass die Mitarbeiter wenigstens noch einen Abfindung bekommen“, so Sina Heidrich.

 von Katharina Meyer

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