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Regional Erste Ausgründung wirbt 1,7 Mio. Euro ein
Nachrichten Wirtschaft Regional Erste Ausgründung wirbt 1,7 Mio. Euro ein
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00:29 17.05.2018
Koppeln grünes Laserlicht in eine Glasfaser ein: Jan Koch (sitzend) mit Philip Gühlke, Christian Waltermann und Wolfgang Schippers (v. l.) Quelle: r
Göttingen

„Als zusätzliche Gesellschafter beteiligen sich die Münchner Extorel GmbH, die niedersächsische Landesförderbank, Nbank, sowie ein weiterer privater Investor“, berichtet Christian Waltermann. Der promovierte Physiker führt das Unternehmen gemeinsam mit Philip Gühlke, der sich um das Kaufmännische kümmert. „Die Kontakte zu Extorel und dem privaten Investor habe ich hergestellt“, sagt Prof. Gerd Marowsky, der den Photonik Inkubator nach Göttingen geholt hat und zudem Waltermanns Doktorarbeit betreute.

„Plattformtechnologie“

„Die beiden Gründer konnten unter mehreren Investoren auswählen“, hebt Josef Staub, Standortleiter des Photonik Inkubators, hervor. „FiSens ist es gelungen, ein kostengünstiges Herstellungsverfahren für Glasfasersensoren zu entwickeln“, erklärt Falk Strascheg vom Hauptinvestor Extorel. Bisher seien die Sensoren, eine seit 30 Jahren bekannte „Plattformtechnologie“, der Industrie in der Regel zu teuer. Zu den wenigen Anwendungsfällen gehörten etwa Glasfasersensoren, die bei der Optimierung der Einstellwinkel von Windrädern helfen und dort Eisbildung erkennen würden. Sie überständen im Unterschied zu anderen Messsystemen unbeschadet Blitzschläge, die Windräder besonders häufig träfen. An der Firma, die solche Sensoren herstelle, sei Extorel ebenfalls beteiligt.

Bau von Produktionsanlagen

„Das eingeworbene Geld ermöglicht uns den Bau von Produktionsanlagen, um die nach Kundenwunsch designten Glasfasern in großen Stückzahlen herzustellen“, erläutert FiSens Geschäftsführer Waltermann. Sie erzeugten in gewöhnlichen Glasfasern, wie sie die Telekom über tausende von Kilometern verlege, mit einem speziellen Laserverfahren mikroskopisch kleine Strukturen. Diese sogenannten Faser-Bragg-Gitter funktionierten als Sensoren.

Navigation im menschlichen Körper

Unter Einsatz von Licht ließen sich mit ihnen nicht nur – wie bereits mit bekannten faseroptischen Sensoren – Dehnung und Temperatur messen, sondern auch Krümmungen und Verdrehungen. Zudem erfassten sie dreidimensionale Formen, was die Navigation im Raum erlaube. Einige in eine Roboterhand integrierte Glasfasersensoren – Nerven aus Glas – ermöglichten deren Steuerung in Echtzeit. Die Fasern ließen sich aber auch in Herzkatheter oder Geräte für eine Darmspiegelung integrieren“, erläutert Waltermann. Sie würden dann dem Arzt während der Operation oder der Untersuchung bei der Steuerung im menschlichen Körper helfen.

Phosphatgehalt im Boden

„Möglich macht dies eine von uns entwickelten Methode, die Lichtinformationen verschiedener Glasfasersensoren in digitale Daten übersetzt“, führt der Geschäftsführer aus. Über die Fasern seien zudem spektroskopische Untersuchungen möglich. So ließe sich etwa der Phosphatgehalt im Waldboden oder Gasgemische in der Lagerstättentechnik erkennen.

Hannover förderte die Gründung mit 1,32 Mio. Euro

„FiSens ist das erste Gründungsprojekt unseres Inkubators“, sagt Standortleiter Josef Staub. Das Projekt stamme aus dem Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut in Goslar und sei von Prof. Wolfgang Schade initiiert worden. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur habe das Gründungsprojekt über einen Zeitraum von zwei Jahren bis Ende 2016 mit 1,32 Mio. Euro gefördert. „So konnten wir die Forschung, mit der wir bereits zuvor mehr als fünf Jahre befasst waren, zur Anwendungsreife bringen“, ergänzt Gründer Waltermann. Bereits seit 2014 gibt es in Göttingen den Photonik-Inkubator. In ihm werden Forschungsergebnisse von Gründerteams aus den Bereichen Photonik, Optische Technologien und Plasma zu marktfähigen Produkten entwickelt.

Verlegung des Firmensitzes

„2018 haben wir den Firmensitz von Goslar nach Braunschweig verlegt“, sagt der Geschäftsführer. Es hätte auch Göttingen sein können. Braunschweig liege aber näher an Berlin, wo die Familie von Geschäftsführer Gühlke lebe. Hauptinvestor Strascheg, dessen Extorel 20 Firmenbeteiligungen hält, hätte FiSens gerne nach München geholt. Dort sei die Infrastruktur für Gründer besser, erklärt er. So gebe es zum Beispiel viele Notare, Steuer- und Wirtschaftsberater, die täglich mit Start-ups umgingen.

Von Michael Caspar

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