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00:19 23.10.2017
Ist die Stechuhr bald von gestern? Quelle: dpa
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Göttingen

Am Vormittag wird gearbeitet, am Nachmittag geht der Büroangestellte mit seinen Kindern in den Zoo. Die Zeit, die er am Nachmittag nicht im Büro war, wird am Abend nachgeholt - dafür kann auch der eigene Computer genutzt werden. Solche und ähnliche Beispiele aus der Praxis lieferte die Beraterin Christiane Lindecke, die mit ihrer Firma Aika Consulting Firmen bei der Einführung flexibler Arbeitszeiten unterstützt, den 50 Zuhörern. „Wenn Mitarbeiter morgens früher kommen und ihre später eintreffenden Kollegen dafür abends länger arbeiten, könnte ein Unternehmen seine Servicezeiten verlängern“, so Lindecke. Das sei unter anderem für Versicherungen und Banken interessant, deren Kunden oft erst abends Zeit hätten.

„Gleitende Arbeitszeiten nehmen Mitarbeitern, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, unter anderem die morgendliche Angst, nicht pünktlich im Unternehmen zu sein“, sagte Lindecke. In einer von ihr betreuten Logistikfirma habe das die Zahl der Abmahnungen verringert. Gleitende Arbeitszeiten ermöglichten Beschäftigten zudem Erledigungen, für die sie dafür freinehmen müssten. Das steigere die Motivation.

Herausforderung für das mittlere Management

Die Einführung solcher Angebote müsste jedoch in enger Absprache mit den Mitarbeitern erfolgen, mahnte die Unternehmensberaterin. Sie berichtete von einem Fall, bei dem nachmittags keiner länger arbeiten wollte. Auf Nachfragen habe sich herausgestellt, dass es keine Betreuung mehr im Kindergarten gab. Das Unternehmen habe in diesem Fall schnell für Abhilfe gesorgt. Zudem sei bei gleitenden Arbeitszeiten mehr Koordination durch das mittlere Management gefragt, denn es müsse sichergestellt sein, dass Maschinen ko„In Unternehmen, in denen es starke konjunkturelle oder saisonale Schwankungen gibt, machen Arbeitszeitkonten Sinn“, erklärte die Beraterin. Wenn wenig zu tun sei, könnten die Mitarbeiter dann früher nach Hause gehen. Anderenfalls würden sie die Zeit unproduktiv – etwa mit dem Fegen der Werkshalle – vertun.

Christine Krumm vom Göttinger Club der Business and Professional Women machte darauf aufmerksam, dass das Angebot von Teilzeit oder Homeoffice oft von Mitarbeitern nicht angenommen würde. Die Beschäftigten fürchteten – häufig zu recht – schlechtere Karrierechancen. Die Geschäftsleitung in vielen Unternehmen messe die Leistung in der Regel an der Präsenz im Betrieb und der permanenten Verfügbarkeit von Mitarbeitern. Ein anderes Hindernis bei Teilzeit: Das Arbeitsvolumen werde nicht an die kürzere Arbeitszeit angepasst.

Kritisch über Minijobs äußerte sich Bärbel Okatz, die bei der Volkshochschule Göttingen Osterode im Projekt „Perspektive Wiedereinstieg“ Berufsrückkehrerinnen betreut. Akademikerinnen nähmen nach der Familienphase häufig Minijobs an und würden dann über Jahre weit unter ihrer Qualifikation arbeiten. Okatz empfahl Unternehmen, Berufsrückkehrerinnen sozialversicherungspflichtige Teilzeitangebote zu unterbreiten, um in Zukunft wieder Vollzeit arbeiten zu können. Insbesondere in Göttingen gebe es zahlreiche Akademikerinnen, die nicht arbeitslos gemeldet seien, aber gerne arbeiten würden. Anstatt mit viel Aufwand Fachkräfte aus den Ballungszentren anzuwerben, gelte es, das vorhandene Potenzial zu nutzen.

Von Michael Caspar

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