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Firmen sehen Frauenquote kritisch

Frauen in Vorständen Firmen sehen Frauenquote kritisch

Mehr Frauen in Unternehmensvorständen wünscht sich die Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD). Dafür will sie ein Gesetz schaffen. Bei Unternehmen aus der Region Göttingen stößt das Vorhaben auf Kritik.

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Mehr Frauen in Führungspositionen wünscht sich die Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD)

Quelle: dpa

Göttingen. Familienministerin Barley hatte sich am Mittwoch im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) darüber beklagt, dass Frauen in Vorständen von Unternehmen immer noch deutlich unterrepräsentiert seien und eine verpflichtende Frauenquote für Vorstände angedroht. „Gerade mal 6 Prozent der Vorstände sind weiblich. Das geht so nicht weiter“, so Barley. Vertreter aus der Wirtschaft reagieren mit Empörung. „Eine Quote für Vorstände wäre verfassungswidrig und würde einen massiven Eingriff in die unternehmerische Freiheit darstellen“, sagte Iris Plöger, Mitglied der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband der Deutschen Industrie, dem .

Der Göttinger Labor- und Pharmazulieferer Sartorius beschäftigt etwa 60 Prozent Männer und 40 Prozent Frauen. Aktuell sind rund 28 Prozent der Führungspositionen bei Sartorius mit Frauen besetzt. „Für ein Technologieunternehmen liegen wir damit deutlich über dem Durchschnitt“, sagt Unternehmenssprecherin Petra Kirchhoff. Für den Aufsichtsrat gelte bereits die gesetzliche 30-Prozent-Quote, die Sartorius erfülle. Aktuell liege der Frauenanteil im Sartorius-Aufsichtsrat sogar deutlich darüber, nämlich bei 45 Prozent, fünf von elf Aufsichtsratsmitgliedern sind Frauen. „In unserem dreiköpfigen Vorstand ist zurzeit keine Frau vertreten“, räumt Kirchhoff ein. In Aktiengesellschaften sei die Berufung von Vorständen Zuständigkeit des Aufsichtsrates. Dieser habe im jüngsten Geschäftsbericht kommuniziert, dass er es für problematisch halte, bei Vorstandsbestellungen mit einer starren Quote zu arbeiten, vor allem weil Vorstände in der Regel sehr kleine Gremien seien. Für die Ebenen unterhalb des Vorstandes wiederum habe sich der Sartorius-Vorstand das Ziel gesetzt, mindestens 30 Prozent der Führungspositionen mittelfristig mit Frauen zu besetzen. „Davon sind wir mit aktuell 28 Prozent nicht weit entfernt“, betont Kirchhoff.

„Derzeit sind unsere vier von der Hauptversammlung gewählten Aufsichtsratsmitglieder zu 50 Prozent weiblich“, sagt Mandy Schnell, Sprecherin der KWS Saat SE. Auch die zwei KWS-Arbeitnehmervertreter ) werden ab Dezember 2017 zur Hälfte weiblich sein, womit das Gesamtgremium dann insgesamt zur Hälfte mit Frauen besetzt sei. „Damit liegen wir deutlich über der vorgeschrieben Quote. In unserem Vorstand beträgt der Frauenanteil schon 25 Prozent, was zeigt, dass es auch ohne gesetzliche Regelung geht“, betont Schnell.

Auch bei der Duderstädter Ottobock-Gruppe hält man gesetzliche Vorgaben für wenig sinnvoll. „Ottobock fördert bereits Frauen auf allen beruflichen Ebenen und insbesondere in Führungspositionen. Wir sind überzeugt davon, dass mehr Frauen in Führungspositionen Unternehmen und Gesellschaft voranbringen. Dazu schaffen wir die nötigen Rahmenbedingen. Einer staatlichen Regulierung stehen wir skeptisch gegenüber“, sagt Mark C. Schneider, Leiter der Kommunikation bei Ottobock.

„Wir brauchen einen echten Kulturwandel im System“, sagt Prof. Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Universität Göttingen. Die Diskussionskultur in reinen Männerkreisen sei eine andere als unter Frauen. „Ich sehe das weder positiv noch negativ, es herrschen einfach andere Spielregeln und Kommunikationscodes“, erläutert Beisiegel. Diese gegenseitig zu erkennen und anzuerkennen sei wichtig. „Ob in der Forschung oder im Unternehmen – es sollte ein 50:50-Mischung aus Frauen und Männern angestrebt werden, die das Beste aus beiden Kulturen vereint“, so Beisiegel.

Auch Unternehmer wie Detlev Seidel von der Piller-Group GmbH (rund 1000 Mitarbeiter) sehen gesetzliche Regelungen Vorschriften zu einer Frauenquote kritisch, insbesondere je kleiner Unternehmen sind. „Ich würde gerne jedes Jahr wenigstens 30 Prozent oder mehr eines neuen Ausbildungsjahrgangs mit Mädchen besetzen. Wenn ich aber keine Bewerbungen bekomme?“, fragt Seidel. Ähnlich sei es im Bereich Engineering. „Wenn ich nur wenige oder gar keine weiblichen Elektroingenieure für das Unternehmen gewinnen kann wird die Wahrscheinlichkeit geringer einmal eine weibliche Führungskraft in diesem Bereich zu haben“, so Seidel. Die Gesellschaft müsse daran arbeiten, dass es Chancen gebe. „Aber bei der Wahl der Mitarbeiter müssen Unternehmen frei sein.  Und man kann und will schließlich nicht eine Frau zwingen, bei einer Firma oder in einem Bereich zu arbeiten wenn sie nicht will“, sagt Seidel .

Sein Fazit: „So ein Gesetz macht überhaupt keinen Sinn.“

Von Bernard Marks

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