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Regional Geschenkboxen aus Plastikflaschen
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19:18 01.08.2018
Lynn Worsley aus Südafrika besucht Contigo. Die Gründerin von All-women-recacling in Kapstadt berichtet über ihre Arbeit, und zeigt unter anderem neue Produkte aus alten PET-Flaschen. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

„Leer getrunkene Plastikflaschen sind zu schade für die Mülldeponie“, meint die gebürtige Britin, die 1969 als damals 16-Jährige mit ihren Eltern nach Südafrika kam. Beim Herumspielen mit einer leeren Flasche sei ihr die Idee mit der Klickbox gekommen, erzählt sie. Sie habe den unteren Teil der Flasche abgetrennt, oben einige Einschnitte gemacht und die so entstanden Laschen – klickend – nach innen geklappt. 350 solcher Boxen, die noch beklebt und lackiert würden, fertige ihre 2009 gegründete Firma heute täglich.

Ein Müllsammler und Schulkinder beschaffen die leeren Flaschen

Aus den Flaschenmittelteilen, so Worsley, stelle sie mit ihren mittlerweile 13 Mitarbeiterinnen Grußkarten und Namensschilder her. Die Flaschenhälse und Deckel würden geschreddert und als Recyclingmaterial verkauft. Für steten Nachschub an Flaschen sorge ein Mann, der sie in den Straßen Kapstadts sammle. Er verdiene so genug, um seine Familie zu ernähren. Auch Kinder verschiedener Schulen der Stadt beteiligten sich an der Beschaffung.

Die ersten Boxen verkaufte Lynn Worsley auf dem Markt an Touristen

„Verkauft habe ich die Dosen zunächst auf dem Markt vor allem an Touristen“, erinnert sich die Unternehmerin. Später habe sie die Boxen auch übers Internet vertrieben. Seit 2010 arbeite sie mit dem Göttinger Fairtrade-Unternehmen Contigo zusammen, über den sie heute die Hälfte ihres Firmenumsatzes erwirtschafte.

Die Exportquote liegt bei 95 Prozent

„Weitere Handelspartner habe ich in anderen europäischen Ländern, Amerika und Australien“, erzählt die Geschäftsfrau. Der Exportanteil liege bei 95 Prozent. Produziert werde heute fast nur noch auf Bestellung. Bevorzugt arbeite sie mit Frauen zusammen. Eine Amerikanerin habe bei ihr zunächst alle drei Monate jeweils 180 Boxen gekauft. Mittlerweile vertreibe sie 5 000 Boxen pro Quartal. Auch in ihrer Firma seien ausschließlich Frauen, die meisten davon alleinerziehende Mütter, tätig.

Jede Mitarbeiterin hat ihr eigenes Bankkonto

„Ich weiß, wie schwer es ist, alleine klar zu kommen“, sagt Worsley. Nach ihrer Scheidung habe sie zunächst Hygieneartikel für Babys, später Mode verkauft. Ihr habe ihre solide Ausbildung geholfen. Viele schwarze Frauen hätten dagegen keinen Zugang zu Bildung. Sie betrachte es daher als ihre Pflicht, diesen weniger bevorzugt aufgewachsenen Menschen zu helfen. Jede ihrer Mitarbeiterinnen habe ein eigenes Bankkonto. Sich und die eigenen Kinder aus eigener Kraft zu ernähren, gebe ihren Beschäftigten Selbstvertrauen. Viele sparten auf ein eigenes kleines Haus in den Townships rund um Kapstadt.

Einige Beschäftigte sind Migrantinnen aus anderen afrikanischen Staaten

„Einige meiner Mitarbeiterinnen sind Migrantinnen, die auf der Suche nach Arbeit aus anderen afrikanischen Ländern zugewandert sind“, erzählt Worsley. Eine Mutter stamme zum Beispiel aus dem ostafrikanischen Tansania. Fünf Jahre lang habe sie ihren kleinen Sohn nicht gesehen, der bei ihren Eltern lebe. Sie habe als erstes für einen Heimaturlaub gespart. Eine andere Frau habe nach der Trennung von ihrem Partner mit ihren zwei Kleinkindern auf den Stufen einer Kirche campieren müssen. Heute könne sie sich eine eigene Wohnung leisten.

Das Sortiment des Unternehmens wächst

„Die Frauen haben die Kraft, Südafrika nach vorne zu bringen“, ist die Unternehmerin überzeugt. Von der Regierung erwarte sie dagegen wenig. Derzeit sei sie dabei ihr Sortiment zu erweitern. Ihre neueste Kreation: Ein Etui aus zwei Flaschenböden, die von einem Reißverschluss zusammengehalten werden. USB-Sticks ließen sich so sicher transportieren.

Von Michael Caspar

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