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Regional Geschick und Herzblut wichtiger als gute Noten
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13:54 27.09.2017
Blick in der neuen Sartorius-Azubiwerkstatt im Produktionsgebäude für Laborinstrumente. Quelle: r
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Göttingen

Bis zu 50 Auszubildende suche der Pharma- und Laborzulieferer jedes Jahr für seine Werke in Göttingen und im nordhessischen Guxhagen, berichtet Ausbilder Thomas Hilke (36). 1100 Bewerbungen seien in diesem Jahr eingegangen. Gute Noten spielten eine Rolle, seien aber nicht ausschlaggebend. „Wir fragen immer auch nach Hobbys“, betont der Ausbilder. Wer in seiner Freizeit Modellflugzeuge baue, an einem Trecker schraube oder in der Dorfschmiede stehe, erwerbe sich so das für die Ausbildung notwendige handwerkliche Geschick.

„Ich habe schon mit zehn Jahren mit meinem technikbegeisterten Vater zusammen Holzboote gebaut“, erzählt Tami Barth (25). Nach der Schule habe sie ein Maschinenbaustudium begonnen, aber daran die Lust verloren. Heute lerne sie bei Sartorius im dritten Jahr Zerspanerin, also die Metallbearbeitung mit Maschinen. Auch andere Quereinsteiger gebe es. So habe einer der Azubis zuvor als Physiotherapeut gearbeitet.

Ein paar Semester Wirtschaftsingenieurwesen hat der Northeimer Marcel Ecke (24) in Göttingen studiert. Weil ihm das zu theoretisch war, absolviert er jetzt bei Sartorius eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme. „Ich werde später im Service arbeiten“, weiß er bereits. Dafür brauche er neben guten Mathe- und Physikkenntnissen auch die Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen.

Für Jana Wünsch (20) aus Sachsen-Anhalt stand bereits in der neunten Klasse fest, dass sie Biotechnologin werden will. Eine Fernsehsendung hatte ihr Interesse geweckt. Über die Arbeitsagentur erfuhr die Einser-Abiturientin, dass sie bei Sartorius ein duales Studium in diesem Bereich absolvieren kann. Sie studiert also nicht nur, sondern arbeitet zudem im Unternehmen mit. Dass Sartorius sie genommen habe, liege nicht nur an ihren guten Noten, betont sie. Sie sei zudem „mit Herzblut“ bei der Sache.

Ein duales Biotechologie-Studium will auch Benjamin Haase (18) beginnen. Der Schüler, der im nächsten Jahr am Corvinianum in Northeim Abitur machen will, hat sich bereits bei Sartorius beworben. „Sie haben mich zur Azubiveranstaltung eingeladen“, erzählt er.

Die Vorteile eines dualen Studiums liegen für Ronja Korff (29), die nach einer Ausbildung bei Sartorius Produktionstechnik studiert, auf der Hand: „Ich sehe im Betrieb, wofür ich die Sachen brauche, die ich im Studium lerne.“ Durch den Bezug zur Praxis falle ihr das Lernen leichter. Außerdem verdiene sie bereits „gutes Geld“ und müsse nicht wie andere Studierende im Supermarkt jobben.

Mit seinen zwei Söhnen, die 15 und 18 Jahre alt sind, ist Michael Kuhlmann (53) zur Azubiveranstaltung gekommen. Seine Tochter lerne bereits bei Sartorius, berichtet der Vater von sechs Kindern. Junge Menschen hätten heute „viele Möglichkeiten“, Sartorius helfe ihnen, einen Überblick zu bekommen.

Die Firma Sartorius beschäftigt in Göttingen 2400 Mitarbeiter – gut 500 Menschen mehr als 2012. Viele davon haben im Unternehmen gelernt. Für die Azubiveranstaltung warb das Göttinger Unternehmen mit Plakaten und Postkarten in 27 Schulen im Raum Göttingen und in 14 Schulen im Raum Guxhagen. „Wir wollen die jungen Menschen, aber sie sollen auch Sartorius kennenlernen“, erklärt Pressesprecherin Inga Stucke.

Von Michael Caspar

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