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Regional Wirtschaftsminister spricht vor 300 Gästen
Nachrichten Wirtschaft Regional Wirtschaftsminister spricht vor 300 Gästen
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20:21 24.09.2018
Dr. Bernd Althusmann, stellv. Ministerpräsident Niedersachsens und Wirtschaftsminister spricht im Alten Rathaus. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Es gebe wohl keinen Politiker, der nicht für Bürokratieabbau eintrete, erklärte der Minister im Alten Rathaus vor 300 Gästen aus Handwerk, Handel, Wirtschaft und Verwaltung. Die Probleme würden allerdings in der Praxis beginnen. So hätten mehrere seiner Amtsvorgänger den Handwerkern die Abschaffung der Parkplatzverordnung verspochen. Er verstehe auch nicht, warum die Halle, in der Fahrzeuge geparkt würden, nicht in die Stellplatzberechnung einbezogen würden. Schließlich mache es ja durchaus Sinn, Fahrzeuge, die oft mit teuren Maschinen und wertvollem Material beladen seien, in einem geschützten Raum abzustellen. Er wolle am Ball bleiben, versprach der Minister. Eine Stabstelle im Wirtschafsministerium arbeite ihm zu, prüfe, welche Vorgaben aufgehoben werden könnten. Viel sei schon gewonnen, wenn die Politik Vorgaben aus Brüssel nur eins zu eins und nicht eins zu 150 übersetzen würde. Der Minister: „Deutschland darf sich nicht in einem unüberschaubaren Dickicht von Auflagen verheddern.“

Die Gildenwahl in der Bildergalerie

Bei der 521 Gildewahl war unter anderem Wirtschaftsminister Bernd Althusmann anwesend.

In seiner „Morgenansprache“ warb Althusmann für „Lust auf Infrastruktur“. Das Verkehrsnetz sei auszubauen. Jeder Stau koste die Wirtschaft wertvolle Arbeitsstunden und damit Geld. Als „Unding“ bezeichnete der Minister Planungszeiträume „von zehn, 15 und noch mehr Jahren“ bei Bundesstraßen. Die rot-schwarze Landesregierung wolle in dieser Legislaturperiode eine Milliarde Euro in die Verkehrsinfrasturktur investieren.

Glasfaser- und Mobilfunknetze

Auch zusätzliche Anstrengungen im Bereich der Glasfaser- und Mobilfunknetze insbesondere im ländlichen Raum kündigte der Minister an. Der Mobilfunk müsse funktionieren, um die Erreichbarkeit sicherzustellen und damit sich Prozesse steuern ließen. Wie groß das Problem im Flächenland Niedersachsen sei, werde ihm beim Telefonieren im Auto bewusst. Immer wieder reiße das Gespräch unterwegs ab.

Verkostung mit Speckkuchens. Quelle: CHH

Der Transport großer Datenmengen müsse problemlos möglich sein, so Althusmann. Anderenfalls ließe sich zum Beispiel das automatische Fahren etwa einer Lkw-Kolonne nicht umsetzen. Reiße der Datenfluss ab, blieben die Fahrzeuge stehen.

Auf den Datentransport ging Kreishandwerksmeister Christian Frölich in der Begrüßung ein. Die von Unternehmen verschickten Datenmengen würden immer größer. Schnelles Internet sei unumgänglich. Fehle es im ländlichen Raum, dürfe sich die Politik nicht wundern, wenn Handwerker und andere Unternehmer ihren Firmensitz in die Städte verlagerten.

Meisterausbildung in Handwerk und Industrie

Applaus bekam der Minister für Niedersachsens Bundesratsinitiative, wonach der Bund die Kosten für die Meisterausbildung in Handwerk und Industrie zu 100 Prozent übernehmen soll. Das sei „angemessen“, weil die Abschlüsse des Meisters und des universitären Bachelors gleichwertig seien, erläuterte Althusmann. Der Minister forderte die Unterstützung des Handwerks in Berlin ein. Nicht alle Bundesländer unterstützten die Initiative Niedersachsens.

Für das Handwerk, die „Wirtschaftsmacht nebenan“, fand Althusmann lobende Worte. Mit 81.000 Betrieben, 500 000 Mitarbeitern und 52,9 Milliarden Euro Umsatz sei das Handwerk in Niedersachsen „eine tragende Säule“ der Gesellschaft und ein „Stabilitätsanker“ der Wirtschaft.

Derzeit wachse das Handwerk robust, berichtete der Minister. Die Auftragsbücher seien voll. Dazu trage auch die Innovationsbereitschaft des Handwerks bei. Dachdecker untersuchten Dächer heute oft mit Drohnen. Zahntechniker arbeiteten mit 3D-Druckern.

Brexit wird Niedersachsen treffen

Althusmann warnte jedoch vor Selbstzufriedenheit. Probleme drohten. Der Brexit werde Niedersachsen treffen, das intensive Wirtschaftskontakte mit Großbritannien pflege. Populisten, die sich ausschließlich mit Flüchtlingen beschäftigten, würden die eigentlichen Probleme – etwa bei der Rente oder der Pflege – aus dem Blick verlieren. Die USA setzten auf Protektionismus und drohten mit Handelskriegen.

Kreishandwerksmeister Frölich:Schnelle Hardware-Nachrüstungen bei Dieselfahrzeugen

Bevor die Regierung in Hannover für viel Geld Schulen mit digitaler Technik ausstattet, sollte sie zunächst einmal dafür sorgen, dass Schüler lesen, schreiben und rechnen lernten. Das hat der Kreishandwerksmeister erklärt.

Mancher Auszubildende, so Christian Frölich während seiner Begrüßung der Gildentag-Gäste im Alten Rathaus, tue sich schwer damit, Produktbeschreibungen zu verstehen, Texte ohne Rechtschreibkorrektur zu schreiben oder einfache Rechenaufgaben in der Backstube zu lösen. Das sei ein Problem für das Handwerk, denn Qualität komme von Qualifikation.

Bei Dieselfahrzeugen, die die versprochenen Abgasgrenzwerte nicht einhalten, müssten die Autohersteller die Kosten für Hardware-Nachrüstungen tragen, forderte der Kreishandwerksmeister. Einen Austausch der Flotte, wie ihn die Automobilindustrie angeregt habe, lehnte er ab. Im Handwerk würden Diesel-Fahrzeuge nicht drei, sondern fünf bis zehn Jahre lang gefahren.

Bei der Diskussion um bezahlbare Mieten, so Frölich, fehle ihm der Hinweis, dass die Politik mit ihren vielen Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien die Baukosten in die Höhe treibe. Unternehmen würden die Zusatzkosten umlegen. Daher sei ein Abbau an Auflagen ein „starkes Signal“.

Jedes Bundesland hat seine eigene Bauordnung

In diesem Punkt gab Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) Frölich recht. Es sei nicht nachzuvollziehen, warum im Drei-Länder-Eck in einem Radius von 50 Kilomentern drei verschiedene Bauordnungen gelten würden. In alle drei müssten sich die Firmen einarbeiten. Die – mittlerweile widerrufene – Idee, den einzigen ausgewiesenen Bauexperten unter den Staatssekretären des Bundesinnenministeriums abzuberufen, kritisierte Frölich gemeinsam mit Köhler und Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann.

Christian Frölich. Quelle: CHH

Die Universität wolle gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft Studienabbrechern helfen, im Handwerk eine neue Perspektive zu finden, erklärte die Präsidentin der Universität Göttingen, Ulrike Beisiegel. So würden aus Abbrechern Unsteiger. Sie ermutigte die Kreishandwerkerschaft, sich beim neuen Göttinger Wissenschaftsmuseum „Forum Wissen“ mit Sonderausstellungen einzubringen. Ausdruck der intensiver werdenden Beziehungen zwischen Handwerk und Universität sei ein gemeinsamer Ball in der Lokhalle.

Auszeichnungen

Seine Urkunde als Obermeister der Bäckerinnung Südniedersachsen erhielt Joachim Friehe. Zum Ehrenobermeister der Sanitär-Heizung-Klima-Innung Südniedersachsen wurde Wolfgang Regenhardt gewählt.

Ausrichter des Gildentags ist die Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen. Ihre 21 Innungen haben 800 Mitglieder, die 2500 Mitarbeiter beschäftigen. Die Gildenwahl ist eine mittelalterliche Tradition. Einst wurden am Gildentag die Gildemeister, die Vorstände der Handwerksgilden, gewählt und vom Bürgermeister, dem Regiment der Stadt, auf ihre Amtspflichten vereidigt. Heute sucht das Handwerk am Gildentag das Gespräch mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Eröffnet wird der Tag mit einem Gottesdienst in der Kirche St. Johannis.

Eindrücke von den Gildenwahlen der Vorjahre:

Qualität fällt nicht vom Himmel

Die 515. Göttinger Gildenwahl –eine Bildergalerie

518. Gildenwahl der Kreishandwerkerschaft in Göttingen

Die Wirtschaft von nebenan

Der 517. Gildentag in Göttingen

Von Michael Caspar

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