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Regional Göttinger Friseure: Ab 2015 Mindestlohn von 8,50 Euro
Nachrichten Wirtschaft Regional Göttinger Friseure: Ab 2015 Mindestlohn von 8,50 Euro
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00:16 03.05.2013
Gute Mitarbeiter sind ihr Geld wert: Friseurmeister Heiko Holzapfel mit Friseurin Stefanie Krinke und einer Kundin. Quelle: Vetter
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Göttingen

Der Göttinger Friseurmeister, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hält das für richtig. „Wenn die Beschäftigten wenig verdienen, sind sie innerlich unzufrieden“, erläutert er. Darunter leide die Produktivität.

Aber wie kann jemand Mindestlohn zahlen und trotzdem Schnäppchenpreise bieten? Nach Darstellung des niedersächsischen Landesinnungsverbands zahlen viele Billiganbieter weniger als 7 Euro pro Stunde. Der Göttinger Handwerker sagt dazu: „Mir war von Anfang an klar, dass ich in dieser Branche kein Millionär werde.“

Er verdiene weniger als andere selbständige Friseure. Der Handwerker: „Ich will mein eigener Herr sein und in Frieden arbeiten können.“ Die Kosten halte er unter anderem dadurch niedrig, dass einige seiner in Teilzeit beschäftigten Friseurinnen auf Abruf arbeiteten. Wenn viele Kunden im Salon seien, rufe er sie an. Ein großer Teil seiner Kundschaft machten die Studenten aus. Die hätten oft nicht mehr Geld für den Friseur.

Billiganbieter bestehen häufig nicht lange, hat Heiko Holzapfel beobachtet, der einen alteingesessenen Salon in der Johannisstraße 7 betreibt. „Bei uns hat in unmittelbarer Nähe ein Friseur eröffnet, der Schnitte für 10 Euro anbot“, erinnert er sich. Erst seien dort vier Leute tätig gewesen, später nur noch einer.

Mittlerweile sei das Geschäft verschwunden. Der Friseurmeister erwartet, dass der Zoll in Zukunft häufiger bei Billiganbietern Kontrollen durchführen wird. „Der mediale Druck ist groß“, sagt er. Holzapfel selbst zahlt langjährigen, guten Mitarbeitern nach eigenen Angaben mehr als Tarif. „Ich will die guten Leute halten.“ Sie wüssten um ihren Wert und würden sich „nicht verschleudern“.

„Gute Leute verdienen in unserer Branche gut“, stellt auch Axel Müller, der stellvertretende Obermeister der Friseur-Innung Südniedersachsen, klar. Der Beruf sei zudem „trinkgeldintensiv“. Dieses Zusatzeinkommen müsse nicht versteuert werden. Er bedauert es daher, dass die Zahl der Auszubildenden in den vergangenen zehn Jahren um mehr als die Hälfte eingebrochen ist.

Müller gehört dem Tarifausschuss des Kammerbezirks an. „Wir begrüßen den Mindestlohn, weil er die Wettbewerbsverzerrungen am Markt korrigiert“, sagt er. Müller ist überzeugt, dass Schnäppchenpreise mit Niedriglöhnen erkauft werden. Ihn empört, wenn Friseure so wenig Geld verdienen, dass die Arbeitsagentur noch Geld zuschießen muss.

„Und wenn die Leute in Ruhestand gehen, kriegen sie Unterstützung, weil die Rente nicht reicht“, ärgert er sich. Die Gesellschaft subventioniere die Niedriglöhne also mehrfach, so Müller.

Von Michael Caspar

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