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Göttinger Hebammen fürchten um berufliche Existenz

Ohne Versicherung keine Hausgeburten mehr Göttinger Hebammen fürchten um berufliche Existenz

„Alle Frauen sind betroffen“ ist die Überzeugung von Claudia Ronsöhr. Sie ist eine der geschäftsführenden Hebammen im Geburtshaus Göttingen. Schon lange herrscht Unruhe in ihrem Berufsstand: Der Versicherungsmarkt dafür ist nicht sicher. Nun hat die Nürnberger Versicherung erklärt, dass auch sie sich zum 1. Juli 2015 aus der Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen zurückziehe.

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Versicherungsunternehmen steigen aus: Risiko für Hebammen bei Hausgeburten steigt.

Quelle: EF

Göttingen. Ohne Versicherung aber dürfen Hebammen keine Geburten mehr begleiten. Schwangere Frauen müssen in der Klink entbinden. Ohnehin sind die Versicherungskosten für Hebammen in den vergangenen 20 Jahren ins Unermessliche gestiegen.

Während eine Hebamme Anfang der 1990er Jahre laut Ronsöhr noch jährlich rund 120 Euro dafür zahlen musste, kostet sie die Versicherung jetzt mehr als 5000 Euro im Jahr – bei einem Stundenlohn um die 8 Euro, den Hebammen mit den aktuellen Sätzen der Krankenkassen erreichen.

C. Ronsöhr

C. Ronsöhr

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Die Kosten für Geburtsschäden seien massiv gestiegen, von 2003 bis 2012 um rund 80 Prozent, erklärt der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV). Dank der Fortschritte in der Medizin würden die Schäden immer teurer. Für Versicherer werde es immer schwerer, eine bezahlbare Haftpflichtversicherung anzubieten.

Kein Vergleich zur Hausgeburt

Unterläuft bei einer Geburt ein Fehler und das Kind ist schwer geschädigt, zahlen die Versicherer im Schnitt 2,6 Mio. Euro. In Einzelfällen kann die zu zahlende Summe bis zu 10 Mio. Euro betragen.

Trotz der schlechten Aussichten hat Ronsöhr Hoffnung. „Die Anfragen der Frauen und Paare sind da“, bekräftigt sie nach zehn Jahren Geburtshaus und 22 Jahren Berufserfahrung, sieben davon im Klinikum. Eine Geburt im Krankenhaus sei mit einer Hausgeburt nicht zu vergleichen, sagt sie, und denkt an die vielen innigen Momente bei der Betreuung einer Frau bis zur Geburt und danach.

Das empfindet auch Verena Gocksch so, sie hat fünf Kinder und ist eine der Frauen, die Ronsöhr betreut hat. Das erste Kind ist im Geburtshaus zur Welt gekommen, die anderen vier hat Gocksch zu Hause geboren. „Ich hoffe sehr, dass Familien auch in Zukunft bei der Wahl des Geburtsortes frei entscheiden dürfen“, sagt sie.

Bildung eines Haftungsfonds

Der Rückzug der Nürnberger Versicherung bedeute, „dass keine freiberufliche Hebamme mehr arbeiten kann“, sagt Haifa Rabah von der Hebammenpraxis Göttingen und Kreisdelegierte im Deutschen Hebammenverband. „Wenn wir tatsächlich nicht versichert werden, können wir uns alle einen neuen Beruf suchen.“

Das betreffe nicht allein die Hebammen, sagt sie. „Das betrifft alle, die vorhaben, ihr Kind mit einer freiberuflichen Hebamme zu bekommen.“ Für eine Lösung des Dilemmas werde zurzeit die Bildung eines Haftungsfonds diskutiert. Dann werde die Versicherungssumme gedeckelt: Sei mehr nötig, helfe der Fonds.

H. Rabah

H. Rabah

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Eine Lösung sei nicht nur für die Hebammen wichtig, sagt Rabah. Sie versteht Geburtshilfe auch als Prävention. Doch Hebammen müssten mit horrenden Kosten kämpfen, allein um ihren Beruf auszuüben. Schon jetzt gibt es in Göttingen laut Rabah nur fünf Frauen, die noch Hausgeburten begleiten. Vor fünf Jahren seien es doppelt so viele gewesen.

Von Ute Lawrenz

Die Göttinger Hebammen protestieren am Mittwoch, 5. März, um 16 Uhr am Nabel.
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