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Regional Göttinger Lehrmittelmittelhersteller Phywe wird 100
Nachrichten Wirtschaft Regional Göttinger Lehrmittelmittelhersteller Phywe wird 100
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15:57 07.06.2013
In der Phywe-Fertigung in der Robert-Bosch-Breite:  Dirk Thees bei der Montage des Röntgengerätes XR 4.0. Quelle: EF
Göttingen

Phywe gehört zu den weltweit führenden Lieferanten für Experimente und didaktische Systeme in der naturwissenschaftlichen Lehre und Ausbildung an Universitäten und Schulen. 

„Gesellschaft zur Erforschung des Erdinnern mbH"

Mit Gotthelf Leimbach beginnt die Geschichte der Phywe. Er gründet 1913 in der Baurat-Gerber-Straße 15 die „Gesellschaft zur Erforschung des Erdinnern mbH“. Instrumente für die geologische Forschung werden gefertigt, später kommen Instrumente für den experimentellen Physikunterricht dazu.

In den darauf folgenden Jahren wird das Programm um Lehrmittel für die Fachbereiche Chemie und Biologie erweitert. Ab 1920 heißt das Unternehmen „Physikalische Werkstätten AG“, das Warenzeichen Phywe wird offiziell eingeführt.

„Phywe Aktiengesellschaft“

Bereits 1925 sind die Göttinger mit 300 Beschäftigten Marktführer im Bereich der experimentellen Darstellung von naturwissenschaftlichen Phänomenen für schulische und universitäre Belange. Ab 1940 firmieren die Göttinger unter „Phywe Aktiengesellschaft“.

Am 1. Januar 1945, bei einem der schwersten Bombenangriffe auf Göttingen, werden wesentliche Teile der damaligen Werksanlagen am Salinenweg zerstört. Ab 1946 beginnt der Wiederaufbau. 1960 wird das 100 000 Quadratmeter große Firmengelände in der Robert-Bosch-Breite gekauft und ein neues Firmengebäude errichtet.

Lob von Neil Armstrong

Das Unternehmen entwickelt sich zu alter Stärke zurück und wird 1966 von Otto Hahn besucht. Der Nobelpreisträger ehrt Phywe für das Engagement „Jugend forscht“, einer bundesweiten Initiative des Magazins Stern. 1972 wird das Produktprogramm um die vorschulische Erziehung erweitert.

In diesem Jahr überreicht US-Astronaut Neil Armstrong auf dem Europa-Treffen von „Jugend forscht“ die von Phywe gestifteten Schnelltrafos und würdigt das Engagement des Unternehmens.

Goldmedaille

Ein pädagogisch-naturwissenschaftliches Zentrum für Seminare wird 1974 eröffnet, und im selben Jahr erhalten die Göttinger auf der Leipziger Herbstmesse für das Elektrofeldmeter eine hohe Auszeichnung. Damit gewinnt zum ersten Mal ein deutsches Unternehmen im Themengebiet Lehr- und Lernmittel für das naturwissenschaftliche Studium eine Goldmedaille.

Anfang der 1980er Jahre wächst die Mitarbeiterzahl auf über 1000. Produkte wie die Großraum-Diffusions-Nebelkammer oder das Präzisionsmessgerät zur Prüfung von Bremsflüssigkeiten (mit dem Technologiepreis für innovative Verfahren und Produktentwicklungen ausgezeichnet) werden in Göttingen entwickelt und produziert.

Wirtschaftliche Turbulenzen

Ende der 1980er Jahre gerät das Unternehmen in wirtschaftliche Turbulenzen. Ausbleibende Fördergelder im Inland und sinkende Exportnachfrage zwingen den Lehrmittelhersteller,  1987 Vergleich anzumelden. Anschließend geht die Phywe in Konkurs.

Am 1. Januar 1988 wird das Unternehmen von Diplom-Ingenieur Rolf Lucas-Nülle gekauft und als Phywe Systeme GmbH umgewandelt. 360 Beschäftigte werden von dem Kerpener Unternehmer übernommen. 1988 macht die Phywe rund 66 Mio. DM Umsatz.

Neue Maßstäbe

Ein neues Geräte- und Laboreinrichtungsprogramm für Schulen und Universitäten wird entwickelt. 1997 setzt das Magnetsystem Naturwissenschaften an der Tafel „neue Maßstäbe und wird zum Verkaufsschlager in Deutschland“, berichtet die Firmenleitung.

Ein Jahr später setzt das modulare, multifunktionale Mess-System Cobra 3 den aktuellen Standard für computerunterstütztes Experimentieren.

2009 entwickeln die Göttinger in dem neuen Fachbereich „Applied Sciences“ Experimente und Lösungen für die medizinische- und Ingenieursausbildung an Universitäten. Der Anteil des internationalen Geschäftes wächst auf über 60 Prozent des Gesamtumsatzes.

Weltpremiere eines Röntgengeräts

Mit Cobra 4 wird das erste „Wireless Computerbased Measurement System“ weltweit vorgestellt, das neue Wege für e-learning-Plattformen eröffnen soll.

2011 erfolgt die Weltpremiere des neuen Röntgengerätes XR 4.0, und 2013 sorgt CurricuLAB als Lehr- und Contentplattform für naturwissenschaftliches Experimentieren in innovativen Learning Management Systemen (LMS) für weltweite Beachtung.

Zahlreiche Patente, Auszeichnungen und Ehrungen begleiten die 100-jährige Firmengeschichte. Das Unternehmen mit 130 Mitarbeitern zählt heute nach eigenen Angaben 150000 Kunden auf allen Kontinenten.

soz/eb

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