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Regional Göttinger Marktforschungsinstitut erhält Großauftrag
Nachrichten Wirtschaft Regional Göttinger Marktforschungsinstitut erhält Großauftrag
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00:26 29.03.2015
O-Saft ist nicht gleich O-Saft: Das Isi ist ein Spezialist für objektive Geschmacksanalysen. Quelle: CH
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Rosdorf

 Das Institut in der alten Ziegelei in Rosdorf führt Produkttests für namhafte Unternehmen aus der ganzen Welt durch – weiteres Wachstum beschert den 50 Mitarbeitern jetzt ein Auftrag eines Global Players unter den Verbrauchsgüterherstellern: Für sensorische Analysen von Tee und Eistee-Getränken werden derzeit vier neue Expertenpanels gegründet, weitere Mitarbeiter eingestellt und ein neues Labor gebaut.

Den neuen Großkunden, der bestimmte Produkttests künftig nicht mehr selbst durchführen will, darf Möslein nicht nennen. Ein Auftrag dieser Größenordnung ist für das Isi allerdings keine Premiere: „Nur wenige Menschen wissen, dass hier in Göttingen schon lange Produkttests aus der ganzen Welt durchgeführt werden“, sagt Möslein. Und vielen Menschen dürfte nicht bekannt sein, wie genau im Backsteingebäude in der Nähe des Rosdorfer Kreisels gearbeitet wird.

Das Institut rekrutiert aus der Bevölkerung sogenannte „super-taster“; Menschen, die aufgrund ihrer genetischen Veranlagung sehr empfindlich für Geschmack sind. Der Anteil dieser Menschen in der europäischen Bevölkerung liegt bei gut 25 Prozent und ist unter Frauen deutlich höher. In speziellen Trainings werden die Personen nach dem Einstellungstest mehrere Monate lang auf eine bestimmte Produktklasse geschult, beispielsweise Kaffee. „Unsere Experten holen aus einer Tasse rund 30 Aromen heraus“, sagt Möslein und stellt klar: „Es geht aber gar nicht um ihren persönlichen Geschmack. Unsere Tester werden in den Trainings geeicht wie Thermometer und sind in der Lage, Geschmäcker zu identifizieren und ihre Intensität zu quantifizieren.“

Die Expertise des Isi auf diesem Gebiet sei weltweit einzigartig. Der so entstehende Aufwand hat allerdings auch seinen Preis: Firmen, die eine Studie beim Isi in Auftrag geben, zahlen dafür bis zu eine halbe Mio. Euro. Eine Investition, die sich für große Hersteller lohnt: „Die Floprate für neue Produkte liegt bei 70 Prozent. Die meisten Produkte sind nach einem Jahr also wieder aus den Geschäften verschwunden.“   

Das Isi wurde 1995 von Bernd Schubert und Andreas Scharf als Spin-off des Instituts für Marketing und Handel der Universität Göttingen gegründet. In der Anfangszeit waren drei Mitarbeiter ausschließlich für regionale Firmen tätig, mittlerweile unterhält Isi zusätzliche Labore in Hamburg, Köln sowie München und erhält Aufträge aus der ganzen Welt. „Wir sind sehr dynamisch gewachsen“, sagt Möslein. Der Umsatz liege mittlerweile in den Top 20 der deutschen Marktforschungsinstitute.

Pro Jahr werden 1200 Expertenrunden durchgeführt, durch den neuen Großauftrag wird diese Zahl auf 1800 wachsen. Eine Herausforderung, denn in einer kleinen Stadt wie Göttingen gestaltet es sich mitunter schwierig, weitere geeignete Produkttester zu finden. Aus 100 Kandidaten werden für jede Expertengruppe nur 12 bis 15 Menschen ausgewählt. Ein Wegzug kommt für Robert Möslein aber nicht in Frage: „Wir sehen unsere Wurzeln trotzdem hier in Göttingen.“

Von Jonas Rohde

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