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Regional Göttinger Thomas Bayer arbeitet an einem Wirkstoff gegen Alzheimer
Nachrichten Wirtschaft Regional Göttinger Thomas Bayer arbeitet an einem Wirkstoff gegen Alzheimer
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18:59 06.01.2015
Hat für seine Forschungsarbeiten den Sonderpreis Wissenschaft beim Innovatiosnpreis 2014 erhalten: Prof. Thomas Bayer. Quelle: Theodoro da Silva
Göttingen

Die Zahl der Alzheimer-Erkrankten wird sich in den kommenden Jahren, nicht zuletzt aufgrund der steigenden Lebenserwartung, mehr als verdoppeln. Derzeit gibt es 1,2 Millionen Patienten in Deutschland.

2050 sind es nach Hochrechnungen 3 Millionen Menschen. Für einen vielversprechenden Wirkstoff-Kandidaten zur Behandlung der bisher unheilbaren Krankheit hat Prof. Thomas Bayer von der Universitätsmedizin Göttingen den Sonderpreis Wissenschaft beim Innovationspreis-Wettbewerb bekommen.

Der Antikörper NT4X, wie sich der Wirkstoff nennt, soll sogenannte Abeta-Oligomere unschädlich machen. Diese Eiweiße verursachen die Krankheit. „Es handelt sich um Zusammenballungen eines Stoffs, der beim menschlichen Schlaf-Wach-Rhythmus eine wichtige Rolle spielt“, erläutert Bayer.

Geht ein Mensch ins Bett, schüttet der Körper zur Beruhigung der Nervenzellen sogenannte Beta-Amyloide aus. Nach dem Aufwachen bauen Enzyme diesen Stoff rasch ab. Bei Alzheimer-Patienten geschieht das nicht. Die Substanz reichert sich an und bildet die krankmachenden Abeta-Oligomere. Einen Teil dieser Eiweiße kann der Körper herausfischen und im Gehirn in sogenannten Plaques sicher verwahren.

„Früher galten die Plaques als Ursache von Alzheimer. Es wurde versucht, sie aufzulösen“, berichtet Bayer. Die Folge war, dass die Schadstoffe erneut freigesetzt wurden. Das führte zu Blutungen und Entzündungen.

Bayer hat sich bereits in seiner Doktorarbeit, die er in Köln schrieb, mit der Krankheit befasst. 2011 holte er in Göttingen zum ersten Mal den Sonderpreis Wissenschaft. Den damals prämierten Wirkstoff hat er sich zwischenzeitlich patentieren lassen. Die neue Substanz ist eine Weiterentwicklung.

Bayers Arbeitsgruppe Molekulare Psychiatrie, die ihre Laborräume in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in der von Siebold-Straße 5 hat, will nun den Antikörper charakterisieren und im Tiermodell erproben.

Für die teuren klinischen Tests am Menschen sucht der Wissenschaftler Partner aus der Pharmabranche.

Von Michael Caspar

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