Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Ein falscher Klick kann teuer werden
Nachrichten Wirtschaft Regional Ein falscher Klick kann teuer werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:47 14.10.2016
Symbolbild Quelle: dpa
Anzeige
Göttingen

„Unsere Stellenangebote sind zusammen mit meiner E-Mail-Adresse auf der Internetseite der Arbeitsagentur für alle einsehbar“, sagt die Göttingerin, die anonym bleiben möchte. Deshalb dachte sie sich nichts dabei, als ihr ein „Kevin Walter“ seine Bewerbungsunterlagen zusandte. Beim Klick auf den Anhang öffnete sich eine Textdatei, die größtenteils aus Sonderzeichen bestand.

„Ich habe dem Absender geschrieben, dass die Bewerbung unleserlich sei und er sie noch einmal schicken solle“, berichtet die Personalchefin. Zu ihrer Verwunderung kam die Mail als unzustellbar zurück. „Ein komischer Bewerber“, dachte sie und machte mit ihrer Arbeit weiter. Als sie sich am nächsten Tag an ihren Computer setzte, kam die böse Überraschung. Zahlreiche Dokumente, auch auf den fünf anderen an den Server angeschlossenen Rechnern, waren verschlüsselt. Dazu gab es die Mitteilung, dass die Firma Opfer der Mischa Ransomware geworden sei. Im Darknet, hieß es weiter, ließe sich für die digitale Währung Bitcoins ein Entschlüsselungsprogramm erwerben.

„Das kommt für uns nicht in Frage“, erklärt die Göttingerin. Sie wollen keine Kriminellen unterstützen. Stattdessen erstatteten sie Anzeige. Die Firma suchte die Hilfe eines IT-Unternehmens. „Bevor sich der Techniker an den Rechner setzte, legte er eine Rechnung über 5000 Euro auf den Tisch“, sagt die Personalchefin. Der Handwerksbetrieb stand unter Druck. Die Bank hatte bereits das Firmenkonto aus Sicherheitsgründen für Online-Überweisungen gesperrt. „Seither wickeln wir den gesamten Zahlungsverkehr über einen nicht mit der Software verseuchten Tablet-Rechner ab“, sagt sie. Sehr umständlich sei das.

„Wir müssen den Server auswechseln und in dem Zug auch neue Software-Lizenzen erwerben“, sagt die Göttingerin. Zudem erwirbt die Firma zwei neue externe Festplatten, um Daten abends abzuspeichern. Die letzten verfügbaren Sicherungskopien stammen aus dem Jahr 2009. Jüngere Kopien gibt es nicht, weil eine externe Festplatte kaputt ist und die andere nun ebenfalls verschlüsselte Dateien enthält.

„Bei Bewerbungen bedanke ich mich jetzt erst einmal per Mail“, sagt die Personalchefin. Erst wenn diese nicht zurückkommt, klickt sie auf angehängte Dateien.

Software für Erpresser

„Ransomware ist eine Schadsoftware, die Daten verschlüsselt und für die Entschlüsselung ein Lösegeld, englisch ransom, verlangt“, erläutert der Göttinger Polizeioberkommissar Jörg Gottschalk von der Task Force Cybercrime/Digitale Spuren. Bekannt seien solche Erpressungstrojaner sei 1989. Mittlerweile gebe es mehr als 100 verschiedene Arten. Sei die Software anfangs massenhaft als Spam versandt worden, so verschickten sie Kriminelle mittlerweile gezielt an die Geschäftsführer und Personalchefs von Unternehmen.

„Die Software, die sich auch von Personen ohne große Computerkenntnisse bedienen lässt, gibt es auf Untergrundplattformen zu kaufen“, weiß Gottschalk. Andererseits würden für einige Arten der Schadsoftware legal Entschlüsselungsprogramme angeboten. Die Polizei sei sehr daran interessiert, dass sich Opfer meldeten. Derzeit seien es bei der Polizeiinspektion Göttingen pro Monat fünf Fälle. Gottschalk rät, Mitarbeiter zu sensibilisieren, Notfallpläne aufzustellen, Virenscanner regelmäßig zu aktualisieren und wichtige Unterlagen auf separaten Datenträgern zu sichern.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Regional Göttinger Tischler entwickelt Esstisch - Rekordverdächtig dünn

Götz Ladendorf ist Verkaufsleiter bei Helten Einrichtungen in Göttingen. In seiner Freizeit wird der gelernte Tischler kreativ: ein Designstuhl, eine simple Selbstbaulampe oder aktuell der elegante T-Table. Für diesen rekordverdächtig dünnen Esstisch hat Ladendorf nun einen Hersteller gefunden.

16.10.2016
Regional Inhaber investiert 1,5 bis 2 Mio. Euro - Nesselröder Candle Factory will neu bauen

Ein 10.000 Quadratmeter großes Grundstück hat Dennis Gödeke (39) erworben. Noch 2016 will der Inhaber der Nesselröder Kerzenfabrik Candle Factory mit dem Bau eines anderthalb bis zwei Mio. Euro teuren Produktions- und Bürogebäudes beginnen. Es soll im Herbst 2017 in Betrieb gehen.

15.10.2016
Regional Kategorie „Absatzförderung“ - Innovationspreis für Thimm

Den dritten Platz in der Kategorie „Absatzförderung“ hat das Untenrhmen Thimm erhalten. Der Innovationspreis Wellpappe wurde dem Northeimer Unternehmen während der Messe „FachPack“ in Nürnberg verliehen. Wie die Firma mitteilt, habe sie den Preis für ihr neues Kühldisplay, das zu 100 Prozent aus Pappe bestehe, bekommen.

11.10.2016
Anzeige