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Hanseat mit preußischer Tugend und protestantischer Strenge

Interview mit Ralf O. H. Kähler Hanseat mit preußischer Tugend und protestantischer Strenge

Nach 20 Jahren im Vorstand der Volksbank Göttingen tritt Ralf O. H. Kähler am 31. Dezember 2012 in den Ruhestand. Mit dem 63-jährigen Banker aus Leidenschaft sprach Hanne-Dore Schumacher.

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Zieht Bilanz: Ralf O. H. Kähler, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Göttingen.

Quelle: Vetter

Bei Ihrem Amtsantritt  am 1. Oktober 1992 hatten Sie einen klaren Auftrag: das Schiff Volksbank aus rauher See wieder in ruhige Gewässer zu bringen. Haben Sie das geschafft?

Ich glaube, ja. Das haben wir geschafft. Das Eigenkapital ist eine gute Größe. Im Vergleich: 1992 betrug es 12 Mio. Euro, heute 60 Mio. Euro. Das gelang durch organisches Wachstum, ohne Fusionen.

Sie haben seinerzeit einen Sanierungsfall übernommen. Wie ist der Turn around geglückt?

Ja, wir hatten richtige Probleme. Meine Strategie damals wie heute: Ertrag vor Wachstum und Qualität vor Quantität. Zur Strategie gehört auch: weniger Kunden mit mehr Ertrag. Aus der Bank wurde eine Privatbank im genossenschaftlichen Rechtskleid. Nach zwei Jahren war die Sanierung erledigt. Schon für 1993 haben wir eine Dividende in Höhe von 8 Prozent gezahlt. Es galt, die Teilhaber der Bank zu motivieren, aufgrund der damals dünnen Eigenkapitaldecke ihre Geschäftsguthaben zu erhöhen.

Sie haben sich damals nicht nur Freunde gemacht.

Das ist richtig. In den ersten fünf Jahren war ich sicher auch mal bärbeisig. Aus Bitburg kommend, konnte ich als Neuer vernunftgesteuert handeln und Emotionen zurückstellen. Von meinem Naturell aus kann ich auch aggressiv rangehen, wenn es sein muss. Wir haben eine Effizienzsteigerung erzielt, die ist grandios. 1992 wurden mit 250 Köpfen 2,4 Mio. Euro Bilanzsumme pro Mitarbeiter erzielt.

Heute sind es mit 164 Köpfen 4,8 Mio. Euro. Um die Belegschaft zu verkleinern, haben wir natürliche Fluktuation genutzt. Auch Umbesetzungen innerhalb des Hauses sind erfolgt. Es galt, mittels einer Fitnesskur das Haus wettbewerbsfähiger zu machen. Heute sind die Arbeitsplätze sicher, die Bank ist wettbewerbsfähig. Das ist wichtig an einem knallharten Markt wie Göttingen mit zwölf Kreditinstituten.

Unter Ihrer Regie wurde die Bank auch optisch aufgepeppt.

Ja. Wir haben aus dem Bankhaus einen Leuchtturm gemacht, haben 1994 bis 1995 rund 10 Mio. Euro in den Umbau der Zentrale in der Kurze-Geismar-Straße 2 investiert.

Sie verlassen das Schiff eher als Sie es ursprünglich geplant haben. Was ist der Grund?

Als der junge Kollege HansChristian Reuß, den ich vor acht Jahren als Kreditprokurist ins Göttinger Bankhaus geholt habe, mir sein Jobangebot einer anderen Bank vorlegte, wollte ich ihn unbedingt halten und habe meinen Vorstandsplatz ein Jahr früher als geplant geräumt.

Mussten Sie lange überlegen?

Keine fünf Minuten. Nach fast 30 Jahren Arbeit auf Vorstandsebene sollten persönliche Befindlichkeiten hinter das Wohl der Bank treten. Außerdem wollte ich nie, dass man mich aus dem Sattel zerren muss. Es ist gut, wie es gekommen ist.

Was geben Sie dem Vorstandsduo Markus Bludau und Hans Christian Reuß mit auf den Weg?

Gar nichts. Das sind zwei Gute, die werden das machen. Ich gehe davon aus, dass sie keine Revolution planen und die Bank weiterführen wie bisher, nicht produkt-, sondern kundenorientiert.

Kommen Sie weiterhin in die Bank?

Aber sicher. Kähler bleibt ein sehr guter Kunde des Hauses, und meine Konten sind hier sehr gut aufgehoben.

Sie sind in Bremerhaven geboren. Gehen Sie zurück in den hohen Norden?

Nein. Wir leben hier seit 20 Jahren und fühlen uns in Göttingen und Umgebung sehr wohl. Das ist unsere neue Heimat geworden.

Was sagen Ihre Kinder dazu?

Die kommen gern nach Bovenden, wo wir leben. Weihnachten zum Beispiel trifft sich die ganze Familie bei uns. Das ist Tradition bei Kählers.

Sind Ihre Kinder Kaufleute, Kapitäne oder Banker?

Sowohl Nina (35) als auch Florian (33) haben eine Banklehre absolviert. Nina ist nach dem Studium ins Marketing nach Wiesbaden gegangen, Florian hat es nach dem Studium nach Frankfurt gezogen. Er ist mit einer Göttingerin verheiratet und erfolgreicher Investmentbanker. Ich habe aber auch noch einen Dackel.

Mit dem werden Sie künftig häufiger auf die Jagd gehen?

Ich werde mit Felix (ein Schwarz-rot-Kurzhaardackel) viel in der Natur sein, ja, aber mit dem Schießen hab ich es nicht mehr so.

Wie sehen Ihre Pläne für den Ruhestand aus?

Ich habe mir noch keine Gedanken über das Rentnerdasein gemacht. Dafür habe ich noch viel Zeit. Aber ich werde meiner Frau Annette zu Hause nicht ins Gehege kommen. Ich habe als gebürtiger Hanseat diszipliniert ein Bankhaus geführt, nach preußischen Tugenden und protestantischer Strenge. Ich nehme das erste Jahr, um zu mir selbst und einen Rhythmus zu finden. Ich träume davon, nicht mehr auf die Uhr zu schauen.

Wann ist Ihr letzter Arbeitstag bei der Volksbank Göttingen?

Am Montag. Am 17. Dezember  werde ich offiziell vom Aufsichtsrat der Volksbank Göttingen verabschiedet.

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Kählers Abschied

Bevor sich Ralf O. H. Kähler am Montagabend im Best Western Parkhotel Ropeter mit den Worten „It‘s time to say goodbye“ in den Ruhestand verabschiedete, konnte er im Kreis von Geschäftsfreunden, Genossenschaftlern, Kunden, Mitarbeitern und Familie Worte des Lobes genießen.

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Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

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