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IHK Göttingen: Deutsche Wirtschaft und Geschäfte mit Indien

Informations-Veranstaltung IHK Göttingen: Deutsche Wirtschaft und Geschäfte mit Indien

„Ich kann nicht sagen, wie oft ich mich aus Indien zurückziehen wollte“, sagt Mathias Berner, Geschäftsführer der Accessu Fashion GmbH & Co. KG. Die Göttinger versorgen Mode-Filialisten mit Accessoires. „Das Geldverdienen in Indien ist so nervenaufreibend, dass viele deutsche Geschäftsleute nur noch raus wollen“, bestätigt Unternehmensberater Johannes Wamser bei einer Veranstaltung der IHK in Göttingen.

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Vor dem IHK-Gebäude in der Bürgerstraße: Johannes Wamser, Michael Seitz (IHK), Mathias Berner und Mitarbeiter Shrikant Patil (von links).

Quelle: Pförtner

Göttingen. Der Berater ist seit 2010 vor allem damit beschäftigt, seinen Kunden bei der Lösung von Problemen zu helfen: Indische Partner halten die Liefertermine und andere Absprachen nicht ein. Es kommt die falsche Ware in Deutschland an, oder sie ist beschädigt. Rechnungen werden nicht bezahlt. Die Euphorie des Jahres 2005, als deutsche Unternehmen Indien als Investitionsstandort entdeckten, sei verflogen.

Berner und der Bochumer Wamser sehen jedoch trotz aller Probleme weiterhin große Chancen.  In Indien leben 1,2 Milliarden Menschen . Anders als in China hat das Land keine alternde Bevölkerung. Die Inder sind ehrgeizig und bildungsorientiert. Sie sind fixiert auf westliche Marken und sparen lange, um sich solche Statussymbole leisten zu können.

Ständig präsent sein

Wie kommt ein Deutscher aber mit dem Land klar? „Erfolg hat nur, wer sich um ein Verständnis der Menschen bemüht und sich auf sie einstellt“, erklärt Berner. Das beginnt mit der überlasteten Infrastruktur. Weil die Bevölkerung rasch wächst und der Staat unterfinanziert ist, kommt es auf Straßen ständig zu Staus. Die Strom- und Wasserversorgung bricht regelmäßig für Stunden, manchmal für Tage zusammen. Unter solchen Bedingungen lassen sich Termine nur einhalten, wenn deutsche Manager dafür gesondert Vorkehrungen treffen, betont Berner. Sie müssen ständig präsent sein und ihre Leute und Zulieferer straff führen.

Eine große Herausforderung bestehe darin, dass 98 Prozent der Inder keinen Schimmer davon haben, unter welchen Bedingungen Europäer leben . Fast die Hälfte der Menschen muss mit einem Dollar am Tag auskommen. Die Mittelschicht verdient ein paar 100 Dollar im Monat . Nur zwei Prozent gehen mit mehr als 1000 Dollar monatlich nach Hause. „Die meisten Inder haben daher nicht den geringsten Bezug zu den Produkten, die sie herstellen“, führt Berner aus. So muss er seinen Arbeitern beibringen, dass sie sich die Hände zu waschen haben, bevor sie die Ware anfassen.

Es geht selten etwas kaputt

Gesonderte Vorkehrungen verlangt die Logistik. Berater Wamser: „In Deutschland geht beim Transport selten etwas kaputt, in Indien bleibt selten etwas heile.“ Der Manager muss daher für eine besonders widerstandsfähige Verpackung der Produkte sorgen, was die Kosten in die Höhe treibt. Gewöhnungsbedürftig ist nach Beobachtung von Wamser das Rechtssystem, das nur langsam arbeite und korrupt sei. Kurios: Bei staatlichen Straßenbauprojekten müssten die Privatfirmen die benötigten Grundstücke zum Teil selbst erwerben.

Internet: Industrie- und Handelskammer in Göttingen

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