Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional IHK fordert Klarheit für Dieselfahrer
Nachrichten Wirtschaft Regional IHK fordert Klarheit für Dieselfahrer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 24.09.2017
Debatte um Abgaswerte von Dieselfahrzeugen in Städten. Quelle: Foto: dpa
Anzeige
Göttingen/Hannover

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) macht in einem Positionspapier gegen ein pauschales Fahrverbot für Dieselfahrzeuge mobil. Grund: „Viele Betriebe in der Region Göttingen setzen auf den Dieselantrieb, wenn es darum geht den Fuhrpark zu bestücken“, sagt Christian Bebek, zuständig für Industrie und Verkehr bei der IHK-Hannover. Dabei habe der Dieselantrieb dem Benziner einiges voraus. Diesel ist günstiger und gleichzeitig verbrauchen die Motoren weniger Kraftstoff.

Bei Messungen der Luftqualität in niedersächsischen Städten steht die Stadt Göttingen passabel da. In rund 50 deutschen Städten werden die Grenzwerte für Stickstoffdioxid im Jahresmittel aber überschritten. Als Hauptursache gelten Abgase aus Dieselmotoren. „Die Luftqualität in Göttingen, Hildesheim und Hameln liegt bei Stickstoffdioxid nur leicht über den Grenzwerten“, betont Bebek. Im vergangenen Jahr hatte die Niedersächsische Luftüberwachung an ihrer Messstation an der viel befahrenen Bürgerstraße im Jahresmittel 41 Mikrogramm NO2 je Kubikmeter Luft registriert - der EU-weite Grenzwert beträgt 40 Mikrogramm. Die Stadt musste daraufhin ihren Luftreinhalteplan erneut aktualisieren. Dieser besteht seit 2011. Damals hatte Göttingen die Grenzmarke für Feinstaub in der Luft überschritten.

Die sehr problematische gesundheitliche Wirkung von Feinstäuben sei laut Bebek unbestritten, das Problem habe die moderne Motorentechnik weitgehend im Griff. Nur in Stuttgart gebe es noch Grenzwertverletzungen. „Die Stickoxide haben sich hingegen zu einem neuen Problem entwickelt“, betont Bebek. Nach Auffassung der IHK laufe die Diskussion um Dieselantriebe, die allein auf diesen Grenzwert fokussiert, allerdings in eine falsche Richtung.

„Die Debatte über Senkung der Luftschadstoffimmissionen wird vielfach sehr emotional geführt. Dabei liegt das Augenmerk fast nur auf der Immissionsreduzierung. Eine sorgfältige Abwägung von Kosten und Nutzen der möglichen Maßnahmen erfolgt hingegen kaum“, betont Bebek. Diesel-Nutzfahrzeuge, aber auch Diesel-Pkw, seien aber für die Ver- und Entsorgung der Städte, für die Aufrechterhaltung der Dienstleistungsfunktionen, aber auch für die Beförderung der Mitarbeiter und Kunden unverzichtbar.

Ein Austausch der Diesel-Fahrzeuge durch Benzin-Fahrzeuge (oder andere Antriebsformen) wäre kurzfristig nicht möglich. Folglich würden Fahrverbote zu massiven wirtschaftlichen Schäden in den Städten führen und einen enormen Wertverlust am Fuhrpark bedeuten. Laut Berechnungen der IHK liege dieser Schaden bei rund fünf Milliarden Euro für das Gewerbe. „Rechnet man den Schaden für private Autofahrer hinzu summiert sich der Betrag schnell auf über 20 Milliarden Euro“, erläutert Bebek. Da in der aktuellen Diskussion teilweise auch Fahrverbote für Fahrzeuge schlechter als Euro 6d eingeschlossen werden, könnte die Belastung sogar noch deutlich höher liegen. Zudem erhöhe sich damit außerdem der Anteil an dem Treibhausgas Kohlendioxid. „Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Umweltproblematik des Dieselantriebes nicht wesentlich differenzierter betrachtet werden muss als es in der tagtäglichen Diskussion aktuell geschieht“, sagt Bebek.

Im Vergleich zu den hohen NO2 – Emissionen der Diesel-Pkw stehen laut IHK-Positionspapier niedrige Emissionen beim Klimagas CO2 gegenüber. Dies habe technische Gründe: Durch effiziente Verbrennungsprozesse sei der CO2-Ausstoß sowie die Emission von Kohlenmonoxid (CO) und Kohlenwasserstoff (HC) beim Diesel niedriger. Durch die hohen Verbrennungstemperaturen werde allerdings relativ viel Luftstickstoff zu NO2 oxidiert.

„Eine Abkehr von der Dieseltechnologie zugunsten von Benzin-Pkw hätte den gravierenden Nachteil, dass die Einhaltung der Klimaschutzziele wesentlich erschwert werden würde“, schätzt Bebek. Fahrverbote führten zudem großen finanziellen Belastungen der Wirtschaft und von Privaten. Gerade bei temporären Fahrverboten würden zudem Logistikprozesse behindert und schwer kalkulierbar. Sperrungen einzelner Straßen wiederum führten zu erheblichen Standortnachteilen. Brebek setzt auf Flottenerneuerung. „Natürlichen Flottenerneuerung aller Fahrzeuge hätten laut IHK den positiven Effekt, dass die Jahresmittelwerte für NO2-Werte je nach Szenario in Städten wie Göttingen im Jahr 2020 deutlich sinken würden“, so Brebek.

Von Bernard Marks

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Wilvorst Herrenmoden GmbH erweitert zum 1. Oktober ihre Geschäftsführung. Zu neuen Geschäftsführern werden für die Bereiche Marketing, Vertrieb und Einkauf Andreas Wolf sowie für die Verwaltung, Produktion, Finanzen und Personal Stefan Kohlmann berufen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

23.09.2017

Zur 25-Jahr-Feier des Beratungsunternehmens M3team hatte sich viel Prominenz angekündigt. Neben Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) kam auch der Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion Thomas Oppermann (SPD) ins Hotel Rodetal.

22.09.2017

Geschäftsführer Michael Tillner scheidet zum 22. September 2017 auf eigenen Wunsch bei der Zufall Logistics Group aus, um sich einer neuen beruflichen Herausforderung zu widmen, das teilte der Göttinger Logistik-Gruppe am Dienstag mit.

22.09.2017
Anzeige