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„Ich bin angekommen“

180 Jahre Betten Heller „Ich bin angekommen“

Betten Heller wird 180 Jahre alt. Inhaberin Susanne Heller (54) spricht im Interview über die Geschichte des Göttinger Fachgeschäftes, über das Gefühl zu Hause zu sein und wie sie ihre Firma für die Zukunft fit machen will.

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Susanne Heller im Stammhaus der Firma in der Göttinger Innenstadt.

Quelle: Heller

Göttingen. Susanne Heller (54), Inhaberin von Betten Heller, spricht im Interview über die 180-jährige Geschichte des Göttinger Fachgeschäftes und wie sie dieses für die Zukunft aufstellen will.

180 Jahre Jubiläum, das ist eine Geschichte, die seines Gleichen sucht.

Susanne Heller: Ja, es gibt in Göttingen nur noch sehr wenige inhabergeführte Unternehmen, die so alt oder gar älter sind als wir. Das ist schon etwas Besonderes.

Sie haben vor einigen Jahren ihren Mädchennamen Heller wieder angenommen.

Ja, ich fand das wichtig. Menschen identifizieren sich mit Personen. Deshalb ist es für viele schön zu wissen, welches Gesicht hinter Betten Heller steht.

Immerhin tragen Sie damit die lange Familientradition weiter.

Ja, ich bin tatsächlich die sechste Heller-Generation, die das Geschäft führt - und die erste Frau (lacht). Es ist eine sehr reizvolle Aufgabe.

Warum ?

Es sind doch die individuellen, inhabergeführten Geschäfte, die in einer Stadt den Unterschied machen. Viele Einkaufsstraßen, gerade in den 1a-Lagen, sind aufgrund der vielen Filialisten austauschbar geworden. Die Individualität macht den Reiz aus.

Wie lange ist der Laden in dem Haus in der Göttinger Innenstadt?

In diesem Haus sind wir schon seit über 100 Jahren. Mein Urgroßvater hat hier sogar noch mit seiner Familie gewohnt. Oben im Lager sind noch alte Tapeten aus der Zeit zu sehen. Aber schon meine Großeltern sind weggezogen. Der Komfort entspricht in diesem alten Haus doch nicht mehr dem Wohnstandards von heute. Außerdem ist das Haus sehr schmal, so dass es keinen getrennten Eingang zum Geschäft und zur Wohnung geben könnte. Ich persönlich schätze eine räumliche Trennung von Beruf und Privatleben.

Nach 180 Jahren haben Sie da nicht ein wenig Druck, dass Ihr Fachgeschäft weiter in der Familie bleiben wird?

Nein, ich empfinde da keinen Druck, auch wenn es im Moment nicht so aussieht, als ob eins meiner Kinder einmal hier einsteigen wird. Sie haben andere Wege eingeschlagen. Für die Tradition des Geschäfts wäre das natürlich schade, doch die Zukunft von Betten Heller ist ja nicht nur von der Berufsentscheidung meiner Kinder abhängig. Ich werde die beiden jedenfalls nicht drängen, denn ich bin der Überzeugung, dass man nur erfolgreich und glücklich sein kann, wenn man seine Sache mit Herzblut macht - das gilt besonders im Einzelhandel heutzutage. Doch ich bin für Überraschungen offen. Bei mir war das ja auch so.

Sie haben internationale Betriebswirtschaft studiert und sind dafür aus Göttingen weggezogen. Sie haben dann bei internationalen Großkonzernen wie Jacobs Suchard und Procter & Gamble gearbeitet. Nach so viel „weite Welt“, warum der Schritt nach Göttingen?

Wissen Sie, mit der Zeit sinkt im Großkonzern die Lernkurve. Zudem wurde meine Tochter Sophie geboren. Das hat meine Perspektive total verändert. Zeitgleich hat sich mein Vater um eine Nachfolgelösung für das Geschäft bemüht. Da haben wir uns entschieden hierher zurückzukommen.

War die Entscheidung im Nachhinein betrachtet richtig für Sie?

Ja, ich bin angekommen und lebe unglaublich gerne in Göttingen. Ich finde, es ist die ideale Stadt um Kinder großzuziehen. Ich fühle mich hier total wohl und es ist schön zu wissen, wo man wirklich hingehört.

180 Jahre Geschichte

Georg Heinrich Heller (1800 – 1869) hat das Unternehmen 1837 in Gandersheim gegründet, zog aber schon nach kurzer Zeit mit seiner Frau und sieben Kindern über Landesgrenzen nach Göttingen um, weil er sich in der Universitätsstadt als Leinenfabrikant größeren wirtschaftlichen Erfolg versprach. Damals hatte Göttingen rund 10000 Einwohner. In der Folge hatten die Hellers ihre Geschäftshäuser in der Groner Straße. Im Jahr 1906 kaufte August Heller (1867-1945) das Haus am Kornmarkt, das heutige Stammhaus. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen 20 Näherinnen. Im zweiten Weltkrieg war Betten Heller für fast zwei Jahre geschlossen. Im Geschäft waren in dieser Zeit Requisiten vom Deutschen Theater eingelagert. Nach dem Krieg wurde das Haus wieder eröffnet. Genäht wurden unter der Leitung von Georg Heller (1904 – 1998) Hemden, Nachtwäsche, Kittel, und natürlich Bettwäsche. In den 60er Jahren kam die konfektionierte Bettwäsche und Matratzen sowie Lattenroste auf, die sein Sohn Peter Heller einführte. 1992 eröffnete er auch das Ladengeschäft an der Geismar Landstraße. 1999 konnte Peter Heller das Fachgeschäft an die sechste Generation der Familie übergeben. Susanne Heller führt seitdem das Göttinger Traditionsunternehmen.

Stimmt bei Ihrer Arbeit der Ertrag im Vergleich zum Aufwand?

Ich würde es sicherlich nicht machen, wenn ich nicht gut davon leben könnte. Der große Einsatz, die Verantwortung und das Risiko müssen fair entlohnt werden. Doch der Ertrag ist ja nicht nur monetär. Ich würde sicherlich auch anderswo gut verdienen. Doch die Selbstständigkeit, dass ich selbst gestalten und entscheiden kann, welchen Weg Betten Heller in diesen dynamischen und anspruchsvollen Zeiten geht, hat für mich einen besonderen Reiz und einen großen Wert. Mir macht es Spaß, die Herausforderung anzunehmen und die Zukunft zu gestalten.

Betten Heller beschäftigt sich mit den Themen Schlafen und Wohlfühlen. Was sind denn Ihre Stärke im Vergleich zum Internetshop?

Orientierung, persönliche Beratung, rundum-sorglos-Service und unsere Verwurzelung in der Stadt sind unsere Stärken, mit denen das Internet nicht mithalten kann. Dank unserer langjährigen Marktkenntnisse und verlässlichen Beziehungen zu unseren Lieferanten, haben wir ein hochwertiges und preiswürdiges Sortiment. Meine Mitarbeiter sind top-ausgebildet und können in ihrer Beratung auf die Besonderheiten jedes einzelnen Kunden eingehen. Außerdem wird Service vor und nach dem Kauf bei uns groß geschrieben: Beratung zum Wunschtermin - im Laden oder beim Kunden zuhause, Bettencheck, Federnreinigung, Kissen zur Probe sind nur einige Beispiele. Wo finden Sie das im Internet?

Liefern Sie die Produkte auch nach Hause und das Gekaufte zurückgeben wie im Internet?

Natürlich! Und wir liefern nicht nur, sondern wir bauen auf, passen das Bett des Kunden ggf. an, nehmen die Verpackung mit und entsorgen auf Wunsch auch gleich das alte Bett. Und das alles zum Wunschtermin. Unser Ziel ist es, unsere Kunden vollkommen zufrieden zu stellen. Dazu gehört ganz selbstverständlich, dass wir unseren Kunden auch nach dem Kauf rundum zur Verfügung stehen - jenseits von irgendwelchen Fristen.

Wo sehen Sie ihr Geschäft in zehn Jahren? Haben Sie dann auch einen Online-Shop?

Nein, wir haben bereits eine schöne Internetseite, wie ich finde. Aber unser Geschäfts soll auch weiterhin ihren Mittelpunkt in der Fußgängerzone in Göttingen haben. Vielleicht ist unser Sortiment etwas spezieller als heute. Aber Beratung werden auch unsere Kunde in zehn Jahren benötigen. Unser Ziel wird es auch in Zukunft sein, dass unsere Kunden erholsam schlafen. Um dies zu erreichen, nutzen wir selbstverständlich auch digitale Instrumente: wir haben eine attraktive Betten Heller Website, die wir regelmäßig mit neuen Blogbeiträgen aktualisieren und über die Kunden direkt Beratungstermine buchen können; wir sind aktiver Partner der Nachtmanufaktur, ein Web-Portal, auf dem sieben Bettenfachhändler regelmäßig Tipps rund um den erholsamen Schlaf veröffentlichen; in unseren Geschäften präsentieren wir mit Hilfe von Tabletts das komplette Sortiment unserer Lieferanten und konfigurieren Betten. Die Digitalisierung hilft uns, unsere Kunden noch umfassender zu bedienen.

Von Bernard Marks

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