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Regional Lünemann GmbH wird verkauft
Nachrichten Wirtschaft Regional Lünemann GmbH wird verkauft
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00:21 12.04.2019
Das Göttinger Traditionsunternehmen Lünemann, hier Geschäftsführer Torsten Sure, soll verkauft werden. Quelle: Heller
Göttingen

„Nach teilweise niederschlagenden Momenten im Februar können wir erste Erfolge bei der Sanierung in Eigenverwaltung vorweisen. Die Umstrukturierungen des bereits im Vorjahr erarbeiteten Maßnahmenplans greifen“, betont Lünemann-Geschäftsführer Torsten Sure. Vorbei seien die Zeiten leerer Regale und „negativer Überraschungseier“, als Lieferanten Waren im Bestellwert von etwa einer Millionen Euro nicht geliefert hätten.

Beraterfirma erarbeitet Konzept

Das Konzept, das die Zukunft des 236 Jahre alten Traditionsunternehmen sichern soll, sei mit einer externen Beraterfirma erarbeitet worden. Aus der „Hubschrauberperspektive“ sei so auf das Unternehmen geschaut und eine positive Fortführungsprognose erteilt worden. „Dieses externe Urteil hat maßgeblich dazu beigetragen, dass wir eine Sanierung in Eigenverantwortung durchführen und das Unternehmen so sanieren können“, unterstrich Sure.

Vertrauen zurückgewinnen

Für den Geschäftsführer ging es in den ersten Tagen und Wochen nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverantwortung am 6. Februar vornehmlich darum, teilweise verloren gegangenes Vertrauen bei Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern zurückzugewinnen. Während sich der geschäftsführende Gesellschafter Klaus Günther in erster Linie intern um die Mitarbeiter gekümmert habe, sei Sure extern aktiv gewesen. Nach und nach sei das Vertrauen wieder gewachsen. „Lediglich vier Angestellte haben gekündigt. Die Mitarbeiter sind das wertvollste im Unternehmen“, betont Sure.

Lünemann GmbH & Co. KG

Das Unternehmen ist seit mehr als 230 Jahren ein Partner des regionalen Handwerks, der Industrie sowie der Endverbraucher. Lünemann betreibt an Standorten in Göttingen und Kassel vier Fachhandelsbetriebe für Stahl und Werkstoffe, Sanitär und Heizung, Werkzeug und Werkstattbedarf sowie Baubeschlag und Bauelemente. Das Unternehmen beschäftigt derzeit etwa 80 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Umsatz von rund 16 Millionen Euro. Zu den Kunden gehören u.a. Industrieunternehmen, Stahl- und Metallbauer, Sanitär- und Heizungsinstallateure, Bauunternehmen sowie Kommunen, Universitäten und mehrere Max-Planck-Institute.

„Gezielte Fehlinformationen von außen“

42 Kunden habe er nach eigenen Aussagen besucht, die Gespräche dauerten zwischen 20 Minuten und drei Stunden. „Einige von unseren Kunden waren schon in ähnlichen Situationen und erinnerten sich an unsere Treue in der Vergangenheit. Diese Gespräche waren einfach. Oftmals gab es allerdings auch gezielte Fehlinformationen von außen, die ich widerlegen musste“, sagt Sure.

„Leistungsfähigkeit wiederhergestellt“

Seit sechs Jahren ist er nun im Unternehmen, und mit Blick auf die aktuelle Situation sagt er: „Wir haben unsere Leistungsfähigkeit wieder hergestellt, sind nun im Vergleich zur Zeit vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung bei etwa 97 Prozent.“ Die Liquidität sei gesichert und damit auch die Löhne nach Wegfall des Insolvenzgeldes im Mai, das belege die regelmäßige „13-Wochen-Vorschau“, so Sure. Allerdings betont er: „Klar ist auch, dass es Lünemann alleine nicht schafft, am Markt zu bestehen.“ Die Folge: Lünemann steht zum Verkauf.

Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung

Im Vergleichzum geläufigen Insolvenzverfahren unterscheidet sich das Verfahren in Eigenverwaltung in vier wesentlichen Punkten. Es wird ein vorläufiger Sachwalter eingesetzt, kein vorläufiger Insolvenzverwalter. Der Sachwalter beaufsichtigt die Geschäftsführung des Unternehmens lediglich. Dieser vorläufige Sachverwalter kann eingesetzt werden, wenn die Gläubiger keine Anhaltspunkte einer Benachteiligung haben. Zudem ist das Verfahren günstiger, weil ein Sachwalter weniger kostet als ein Insolvenzverwalter.

Drei unverbindliche Kaufangebote

Mithilfe eines „M&A-Spezialisten“ sei ein Exposé erstellt und potenzielle Käufer ausfindig gemacht worden. Die Abkürzung M&A steht für Mergers & Acquisitions, also für Fusionen und Zukäufe. „Zum 22. März haben drei Interessenten ein indikatives Angebot abgegeben“, sagt Sure. Allesamt seien es Familienunternehmen. Alle könnten Erfahrung mit der Sanierung von finanziell in Schieflage geratener Unternehmen vorweisen.

Frist endet am 25. April

Gewissheit wird aber erst am 26. April herrschen. Denn spätestens am 25. April müssen die Interessenten ein verbindliches Angebot abgeben. „Wir werden noch vor Ostern eine weitere Betriebsversammlung abhalten, damit alle Mitarbeiter bestmöglich informiert sind“, sagt Sure.

Verkauf soll noch vor der Sommerpause abgeschlossen werden

An wen verkauft wird, entscheiden der Gläubigerausschuss und der Sachwalter. Wie lange das dauern werde, wagte Sure nicht zu prognostizieren. „Der Verkauf soll aber unbedingt noch vor der Sommerpause vollzogen worden sein. Ich bin mir sicher, mit Lünemann geht es weiter“, gibt sich Sure weiter kämpferisch.

Von Mark Bambey

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