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Regional Insolvenz trotz voller Auftragsbücher
Nachrichten Wirtschaft Regional Insolvenz trotz voller Auftragsbücher
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16:03 22.01.2018
Symbolbild. Quelle: r

Das Göttinger Busunternehmen Rizor GmbH & Co. KG und die Buswerft GmbH & Co KG haben Insolvenz angemeldet. Doch die Auftragslage ist gut. Inhaber Rüdiger Otto sucht nun nach Investoren. Aber die Uhr tickt. Bis Ende Oktober muss die neue Finanzierung stehen.

„Es ist kaum zu verstehen, dass wir trotz der vielen Aufträge und vielen zufriedenen Kunden zahlungsunfähig sind“, betont der Geschäftsführer der Rizor Gruppe Rüdiger Otto. Der 51-Jährige Unternehmer spricht dabei von einem Paradoxon. Vor allem das Busunternehmen weise eine positive Leistungsbilanz auf. „Das Busunternehmen ist kerngesund und erwirtschaftet gute Renditen“, erklärt Otto. Der Fuhrpark, den Rizor unterhält, ist ansehnlich. Dabei sind im Landkreis Göttingen 32 Busse und 50 Kleintransporter im Einsatz. Auch in Hildesheim transportiert Rizor Personen in 56 Bussen und neun Kleintransportern. Rizor transportiert allein täglich rund 1000 Schüler sowie über 300 Behinderte für die Göttinger Werkstätten. Alle Auftraggeber bekräftigten laut Otto, dass sie mit den Leistungen des Unternehmens sehr zufrieden seien. Mit Rizor hätten zum Beispiel die Göttinger Werkstätten sehr gute Erfahrungen gemacht, betonte Holger Gerken, Leiter der Göttinger Werkstätten. Auch Ulrich Lottmann, Sprecher vom Landkreis Göttingen, bestätigt, dass eine Insolvenz des Busunternehmens Rizor nicht unerhebliche Auswirkungen auf den Schulbetrieb mit sich bringen würde. Betroffen seien die Schülersonderbeförderung im Bereich Duderstadt und für das Schulzentrum Geismar in Göttingen sowie die Schülerbeförderung im Raum Osterode.

Die Rizor Gruppe hat ihren Hauptsitz in Hildesheim. Sitz der Geschäftsleitung ist in Nesselröden, Ortsteil der Stadt Duderstadt. Rund 10 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet die Rizor-Gruppe pro Jahr. Im Jahr 2016 hatte sich Otto, der seit 1992 in dem von seinem Vater gegründeten Unternehmen tätig ist und seit dem Jahr 2000 die Leitung inne hat, entschieden, neben dem traditionellen Busbetrieb zwei weitere Bereiche zu gründen. Otto startete mit der Akademie, einer Fahrschule für Busse, und dem Handel mit Omnibussen. „Wir mussten in diese Sparten viel Geld investieren“, erklärt Otto weiter. Bei dieser Anschubfinanzierung sei es unerwartet zu Zahlungsschwierigkeiten gekommen.

„Die Zahlungsschwierigkeiten waren nicht abzusehen“, betont Otto. Entsprechend überrascht von der Ankündigung der Insolvenz reagierten viele Mitarbeiter. „Alle haben im Anschluss an diese Nachricht trotzdem ihre Arbeit weitergemacht“, erzählt Otto dankbar. Dies sei für ihn ein Zeichen für den guten Zusammenhalt in der Firma.

Im Zuge des eingeleiteten Verfahrens wird nun eine Restrukturierung der Gesamtunternehmen angestrebt. „Wir sind dabei, eine neue Finanzierungsform zu finden“, erläutert Otto. Investoren sind gesucht. „Das Interesse dafür ist vorhanden“, sagt Otto.

Doch die Uhr tickt. Bis Ende Oktober hat Otto noch Zeit, eine neue Finanzierung auf die Beine zu stellen. Bis dahin werden die Löhne und Gehälter der 185 Mitarbeiter und alle Dienstleistungen der Gruppe uneingeschränkt fortgesetzt werden.

„Das Geschäftsmodell stimmt“, so Otto. Denn zwischen den drei Sparten der Gruppe ließen sich erhebliche Synergien nutzen. Sie seien deshalb sehr zuversichtlich, für die Gesellschaften und auch Mitarbeiter der Gruppe eine zukunftsträchtige Lösung zu finden, erklärten der Geschäftsführer Otto und die vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Gerrit Hölzle und Timm Gessner aus der Kanzlei Görg.

Von Bernard Marks

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