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Regional Die „Risikoaversion“ der Deutschen
Nachrichten Wirtschaft Regional Die „Risikoaversion“ der Deutschen
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00:20 28.10.2017
Prof. Joachim Ahrens Quelle: r
Göttingen

Am 31. Oktober ist Weltspartag. Sparen, ist das in Zeiten von niedrigen Zinsen überhaupt noch sinnvoll? Und wenn ja, wie sparen die Deutschen? Joachim Ahrens, Professor für Internationale Wirtschaft und Vizepräsident für Studium und Internationales an der PFH Private Hochschule Göttingen hat Antworten darauf:

Sparen in Zeiten des Niedrigzinses, wie lange dauert diese Phase wohl noch an?

Wir haben in der Tat ein historisch niedriges Niveau bei den Zinsen erreicht - und das hält sich schon seit einigen Jahren. Voraussichtlich wird das auch noch ein paar Jahre so bleiben. Auch wenn sich in den USA ein möglicher Wandel andeutet, die Europäische Zentralbank EZB hat noch keinen für den Ausstieg aus dieser Phase nötigen Zinsschritt geplant.

Lohnt sich Sparen dennoch?

Die privaten Haushalte in Deutschland verfügen über bedeutende Ersparnisse. Zu beachten ist, dass diese auch beispielsweise Ansprüche an Versicherungen und Wertpapiere beinhaltet. Generell gilt, dass die reale Gesamtrendite in den vergangenen Jahren gar nicht so stark gesunken ist.

Was ist denn diese reale Rendite?

Die setzt sich auch aus den nominalen Zinsen, der Inflationsrate, Bewertungseffekten und Dividenden zusammen. Zwar sind die Nominalzinsen extrem niedrig, die Inflationsrate war bis vor kurzem aber auch nahe null. Inzwischen beträgt sie 1,8 Prozent und drückt die Renditen nach unten. Berücksichtigt man aber auch Dividenden und Bewertungseffekte, stellt man fest, dass die reale Rendite seit den 90er-Jahren tatsächlich nur wenig gesunken ist. Die niedrigen Zinsen haben zudem offenbar wenig Einfluss auf das Sparverhalten, die Deutschen sparen fröhlich weiter.

Sind wir nicht die Weltmeister im Sparen?

Beim Pro-Kopf-Geldvermögen liegt Deutschland mit knapp 50 000 Euro im Mittelfeld, in den USA, der Schweiz und Großbritannien liegt es deutlich höher. Die Deutschen haben eine ausgeprägte Risikoaversion. Etwa 21 Prozent des Geldes lag 2015 als Bargeld oder auf dem regulären Konto vor, 18 Prozent als Termingeld oder auf Sparbüchern, nur 7 Prozent stecken in Aktien, 10 in Fonds und 38 in Versicherungen. Der Anteil der Aktien hat sich in den vergangen 30 Jahren übrigens nur wenig verändert, der der Fonds ist allerdings gestiegen.

Woher kommt diese Risikoaversion?

Eine Studie hat gezeigt, dass das Anlageverhalten viel mehr von der sozialen Bezugsgruppe als etwa vom Bildungsgrad abhängt. Viele ältere Deutsche oder deren Eltern haben Teile ihres Vermögens verloren – in den 20-er-Jahren, 1948 oder die DDR-Bürger nach dem Fall der Mauer. So etwas prägt das Sparverhalten - und das wird auf die nächste Generation vererbt.

Wieviel sparen wir eigentlich?

Die so genannte Sparquote ist bei uns traditionell recht hoch. Je höher das Einkommen, desto mehr können die Menschen in der Regel davon sparen. Bundesweit legen die Bürger knapp 10 Prozent ihres verfügbaren Einkommens zurück. Anfang der 90-er-Jahre waren es 12,7 Prozent. Üblicherweise wird in Krisenzeiten mehr gespart. Zur Zeit ist das Konsumklima gut, die Leute sparen und geben dennoch Geld für Anschaffungen aus.

Und worauf sparen die Deutschen?

Knapp 60 Prozent sorgen durch Sparen für das Alter vor, 54 Prozent sparen auf größere Anschaffungen - beispielsweise auch für eine Immobilie. 27 Prozent der Deutschen nutzen Sparen als reine Kapitalanlage. Manche Leute geben ihr Geld aber gerne sofort aus, was nicht selten in der Privatinsolvenz mündet. Ein grundlegendes Wirtschaftswissen sollte daher in den Schulen vermittelt werden.

Wie spart der Profi?

Das müssen Sie einen Banker fragen. Der Volkswirt sieht Alternativen zum Sparbuch beispielsweise in Fonds und Versicherungen. Jeder sollte versuchen zu sparen, für die Zukunft und nicht nur für Konsumgüter. Diversifizierte Anlagen, also geteilte, sind zu empfehlen - ein Mix aus Bankeinlagen, Aktien, Fonds, Versicherungen, Anleihen und private Immobilien. An der Börse spekulieren sollten man nur mit Geld, das man nicht wirklich braucht.

Von Britta Bielefeld

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