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Regional „Junge von der Weser“ macht Schlager-Karriere
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20:05 30.12.2009
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Sechs Jahre war Schünemann alt, als ihm der Vater, ein Maschinist, das Spielen auf der Ziehharmonika beibrachte. Zwei Jahre später kaufte seine Mutter zwei Sinti-Jungen, die auf der Straße Gitarre gespielt hatten, kurzentschlossen das Instrument ab. Ihr gefiel die Musik. Erst sollte Schünemanns Schwester Gitarre lernen. Weil Jungs sie während des Unterrichts ärgerten, warf sie nach ein paar Wochen alles hin. So bekam Peter die Django-Reinhardt-Gitarre.

Der Zwölfjährige gründete in Stadtoldendorf, wohin die Familie mittlerweile gezogen war, mit Klassenkameraden eine Band. Die Jugendlichen traten in einer Kneipe auf, in der die Soldaten der nahen Kaserne ihre Freizeit verbrachten. Einer der Jungen lief mit der Mütze herum und sammelte Geld ein. Mit 15 Jahren hörte Schünemann dann das erste Mal die Göttinger Beatband „Blue Moons“. Ehrfurchtsvoll schaute er zu den Männern auf, die damals Anfang 20 waren. Sie hatten das Gymnasium besucht und sangen Englisch. Den jungen Fan, der ihr Poster überm Bett hängen hatte, nahmen sie nicht ernst.

Weiße Schirmmütze

Die Mutter drängte Schünemann nach der Schule, einen Beruf zu lernen. Polizist wollte er werden, wie der Vater seines Freundes. Die weiße Schirmmütze beeindruckte ihn. Die Mutter fand dann aber nur eine Lehrstelle zum Rechtsanwalts- und Notarfachangestellter.
Parallel zur Ausbildung gründete Schünemann mit Vater und Bruder eine Band und machte Tanzmusik. In verrauchten Kneipen spielten sie bis in die Morgenstunden. Gesundheitlich bekam ihm das nicht. Der Arzt riet: „Treiben Sie Sport!“ Schünemann entschied sich für Karate. Bald war er körperlich fit. Der Kampfsport machte ihn ruhig. „Es ist wie meditieren“, sagt er. Der Sport, da ist er sich sicher, hat ihm vorm Alkohol bewahrt. Viele Musiker, hat er beobachtet, greifen nach Auftritten zur Flasche, um sich zu beruhigen. Karate macht Schünemann bis heute. Der Schwarzgurt (3. Dan) unterrichtet sogar in einer eigenen Kampfsportschule, die er nebenher betreibt.

Dieter Bohlen bei „Hack“

Schünemann, der früh heiratete und Vater von zwei Kindern wurde, wechselte bald nach der Lehre in den Einzelhandel. Er ging zu Karstadt nach Göttingen, wo Hartwig Fischer, der spätere Bundestagsabgeordnete, die Sportabteilung leitete. Schünemann arbeitete für Karstadt in Hamburg und Celle. Dann wollte er zurück nach Göttingen und fing beim Musikhaus Hack an. Da kauften Musiker wie Dieter Bohlen, der damals in Göttingen Betriebswirtschaft studierte, Noten und Instrumente. Später studierte Schünemann am Konservatorium Musikpädagogik und eröffnete eine eigene Schule in Bollensen bei Uslar, die bis heute besteht.

In all den Jahren tingelte der Tanzmusiker mit Vater und Bruder durch die Region. Die drei mussten manches Mal Lehrgeld zahlen. In einem Göttinger Hotel, wo sie aufgetreten waren, wurde ihnen am Ende eine hohe Rechnung für Essen und Trinken präsentiert. Es war – anders als sonst – nicht frei gewesen. Im Harz bekamen sie für einen mehrtägigen Auftritt vom Veranstalter einen ungedeckten Scheck. Der Geschäftsmann war zahlungsunfähig.

Als Tanzmusiker war Schünemann bald bekannt, der Durchbruch blieb jedoch aus. „Du brauchst einen Hit“, erkannte er. Irgendetwas wie Freddy Quinns „Junge von Sankt Pauli“. Junge von Holzminden klang nicht überzeugend, „Junge von der Weser“ dagegen schon besser. Schünemann tüftelte an Weserland-Heimatliedern. So etwas gab es bisher nicht. Er war auf eine Marktlücke gestoßen. Im Tonstudio kam sein Song über den „alten Kapitän“ am besten an. 1989 erschien die Kassette. Volksbanken verkauften sie. Die Nachfrage war rege.

Vertrag mit Polydor

Schünemann sprach den Nörten-Hardenberger Produzenten Bernd Dietrich an, der ihm 1991 einen Vertrag bei Polydor vermittelte. Nun wurde er mit einem Mal auch im Radio gespielt. Michael Thürnau vom Sender NDR 1 legt ihn seither regelmäßig auf. Schünemann trat auf der Northeimer Waldbühne mit den Stars der Volksmusik auf. Rasch wurde ihm klar: „Das Radio reicht nicht. Du musst ins Fernsehen.“ Das schaffte er mehrfach. Um dort allerdings regelmäßig auftreten zu können, bräuchte er einen gut vernetzten Manager. Die Vertragsbedingungen sind hart, sagt er. Die Künstler müssten sich unterordnen. Der Erfolgsdruck laste schwer auf ihnen. Mancher überschätze die eigene Popularität, begehre auf und sei plötzlich ganz aus dem Rennen.

„Vielleicht ist es ganz gut so, wie es ist“, meint Schünemann. Weserdampfer füllt der „Junge“, der mit Ehefrau Marianne als Stewardess auftritt, locker. Eine Schirmmütze wie ein Polizist darf er auch tragen. 2010 will der Musiker seine Memoiren veröffentlichen.

Michael Caspar

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