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„Kleinere Händler sind nicht mehr erwünscht“

Weender Straße „Kleinere Händler sind nicht mehr erwünscht“

In der Weender Straße siedeln sich immer mehr große Filialbetriebe an. Kleine, mittelständisch geführte Läden ziehen in die Peripherie. Was sind die Gründe? Welche Konsequenzen hat der Umzug? Wie beurteilen die betroffenen Einzelhändler den Wandel? Eine Umfrage.

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Zahlt in der Düsteren Straße für eine um zwei Drittel größere Fläche etwa dieselbe Miete: Big-Lebowski-Filialleiter Fabian Nölker.  

Quelle: CH

Göttingen. Dietmar Graf vom Arbeitskreis „Das besondere Geschäft in der Seitenstraße“ sieht die Entwicklung in der Weender Straße kritisch. „Unsere Städte bekommen ein immer uniformeres Gesicht“, sagt er. „Den Immobilien-Firmen ist es egal, wer in ihren Räumen sitzt. Hauptsache, die Miete stimmt.“ Mit Basel II hätten sich die Bankkonditionen für die Einzelhandelsgeschäfte verschlechtert. Für sie ist die 1a-Lage kaum zu finanzieren.

Geld in Werbung stecken

Auch Fabian Nölker (28), Filialleiter des Bekleidungsgeschäfts Big Lebowski, sagt: „Kleinere Händler sind dort gar nicht mehr so erwünscht. Größere Geschäfte und Firmen können ganz andere Mietverträge unterschreiben und jahrzehntelang vorausplanen. Das kann ein kleines Geschäft nicht.“ Big Lebowksi ist vor drei Jahren von der Weender Straße Nord in die Düstere Straße 15 gezogen. Um sich zu vergrößern, sagt der Filialleiter. Für die 800 Quadratmeter großen Räume bezahlt das Geschäft etwa denselben Mietpreis wie für die um zwei Drittel kleineren Räume in der Weender Straße. Aber Nölker weiß: „Wenn man nicht mehr im Zentrum ist, ist die Laufkundschaft geringer.“ Seit dem Umzug muss der Laden mehr Geld in Werbung stecken.

Eckart Kohl (55), Geschäftsführer der Buchhandlung Calvör, ist vor etwas über einem Jahr mit seinem Laden von der Weender Straße 58 an die Ecke Jüdenstraße / Theaterstraße gezogen. Der Vermieter hatte die Immobilie an die TLI Grundbesitz GmbH verkauft. Und die suchte sich andere Mieter: Kohls alter Laden ist heute Sitz einer S.-Oliver-Filiale. „Freiwillig wäre ich nicht aus dieser Lage gegangen“, hat Kohl damals gesagt.

Heute fühlt er sich nach eigenen Angaben wohl am neuen Standort. „Die Weender Straße ist doch mittlerweile zu einer Mode- und Handy-Meile verkommen“, schimpft er. Bei Thalia sehe man zu Ostern ja mehr Ostereier als Bücher. Er sei nun näher beim Kundenkreis, den er ansprechen wolle. „Die Leute, die das suchen, was wir anbieten, sind eher in der Theaterstraße unterwegs“, so Kohl. 

Branchenmix“ ungünstig

Vonseiten der Parfümerie Liebe ist ähnliches zu hören. Die Göttinger Filiale (in Celle und Hannover befinden sich zwei weitere) liegt heute schräg gegenüber von Calvör. Grund für den Umzug: Der „Branchenmix“ war für das Geschäft ungünstig. „Wir sind eine gehobene Branche und das Carré hat sich mehr und mehr auf große Filialisten gelegt“, sagt Prokuristin Karin Rauch von der Geschäftsstelle Hannover. „Wir haben damals dadurch verloren. Unsere Kunden-Klientel hat sich wegbewegt.“ Die geringere Miete am neuen Standort sei ein positiver Nebeneffekt gewesen. Verglichen mit Hannover habe die Weender Straße einen „immens hohen Mietspiegel“, so Rauch. Aber auch die Parfümerie in Göttingen muss heute mehr werben als früher.

René Krieger bezog mit seinem gleichnamigen Antiquariat die Räume in der Weender Straße 76 zur Zwischenmiete. „Anders war das gar nicht möglich“, sagt er. Durch die Miete auf Zeit habe er eine wichtige Chance nutzen können. „In der Weender Straße habe ich auf mich aufmerksam machen können“, sagt der 39-Jährige rückblickend. Seit 2011 führt er seinen Laden in der Kurzen Geismar Straße 17. Das war sein Wunsch-Standort, schon sieben Jahre vor dem Einzug. Unter anderem die großen Fenster und die Lage am Einfahrtsweg in die Innenstadt haben das Objekt für ihn attraktiv gemacht.

Weitere Geschäfte, die in den vergangenen Jahren von der Weender Straße in die Peripherie gezogen sind: Fleischmann GmbH Woman (heute Barfüßer Straße), nStore (Prinzenstraße), Wäscherei Budde (zog in das Nikolaiviertel) und Meinelt am Markt (Rote Straße). Graf stimmen solche Umzüge nachdenklich. Er sagt: „Je stärker Seitenstraßen zu attraktiven Frequenzzonen werden, desto größer ist die Gefahr, dass sich die Entwicklung auf der Weender Straße in den Nebenstraßen wiederholt.“

Von Telse Wenzel

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Jüdenstraße

Beide haben gesucht, ein „glücklicher Zufall“ hat Gabriele Hopf und Eckart Kohl zusammengeführt. Die Göttingerin fand einen Mieter für den Laden Jüdenstraße 23 (Ecke Theaterstraße), der Buchhändler einen neuen, bezahlbaren Standort für Calvör. Am Montag, 14. Februar, wurde die Buchhandlung eröffnet.

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