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In jedem Smartphone steckt Hightech aus Göttingen

Laser-Technik von Coherent In jedem Smartphone steckt Hightech aus Göttingen

„Wer heute sein Smartphone in seinen Händen hält, der hat auch ein Stück Göttinger Qualität in der Hand”, sagt Richard Waldermann. Der Geschäftsführer von Coherent Göttingen legt mit seinem Excimerlaser herstellenden Unternehmen eine beeindruckende Entwicklung hin.

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Blick in die Fertigungsanlage der Coherent LaserSystems: Endmontage und Test eines Excimerlaser Linienstrahlsystems (TwinVyper/ Linebeam1000) im Reinraum in Göttingen.

Quelle: Ralf Koenig

Göttingen.  Wer eines der vier Coherent-Werke im Groner Industriegebiet betritt, muss auch sofort das eigene Smartphone zücken. Vorsorglich werden die Linsen abgeklebt und verplombt. Es herrscht absolutes Fotografie- und Video-Verbot. “Im Gegensatz zu anderen industriellen Hightech-Standorten ist das eine sehr kleine Einschränkung. In anderen Betrieben wird man komplett durchgescannt”, sagt Waldermann. Industriespionage sei ein großes Thema.

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Blick in die Produktionsstätte von Coherent in Göttingen

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 Der aktuelle Erfolg des Göttinger Coherent-Werkes basiere dabei auf einer Entscheidung aus dem Jahr 1992. Die Excimerlaser wurden um Strahlformungsoptik ergänzt. Fortan war es möglich, Laserstrahlen in lange, schmale Linien zu formen um damit Silizium in der Displayfertigung zu kristallisieren. „Heute ist dies das Standardverfahren für alle hochauflösenden Displays für mobile Anwendungen, sodass damit jedes dieser modernen Displays auf Systemen aus Göttingen gefertigt wird“, erklärt Rainer Pätzel, Director of Strategic Marketing.

Rasiermesserscharfe und gut einen Meter lange Lichtklinge

Die Laser kommen bei einem weiteren der etwa 150 Einzelschritte zur Produktion von Displays zum Einsatz. Eingesetzt als eine Art rasiermesserscharfe, gut einen Meter lange Lichtklinge, werden so die nur wenige Mikrometer dünnen Displays von einem Glasträger abgelöst.

Der Handy-Boom ist die Haupttriebfeder für den Erfolg des Göttinger Coherent-Standortes. Es werden immer mehr pixelstarke LCD und AMOLED-Displays nachgefragt. Das Wachstum prägt auch den Göttinger Westen: Vier Coherent-Werke stehen im Industriegebiet Grone. Zuletzt kam 2015 das aus der Insolvenzmasse der Steritex erworbene Areal Willi-Eichler-Straße 3 hinzu.

2018 Marke von 600 Mitarbeitern überschreiten

 „In 2018 werden wir in Göttingen die Marke von 600 Mitarbeitern überschreiten. Wir haben in den vergangenen zehn Jahren die Anzahl der Beschäftigten verdoppelt und die Produktionsfläche verfünffacht“, sagt Waldermann. Sorgen bereiten dem Diplom-Kaufmann allerdings der demografische Wandel und der Fachkräftemangel: „Aktuell haben wir 60 freie Stellen ausgeschrieben. Es ist nicht einfach, passenden Personal für die verschiedenen Bereiche zu finden.“

Coherent

Die US-amerikanische Firma Coherent Incorporated mit Sitz in Santa Clara wurde 1966 gegründet und ist einer der weltweit größten Hersteller von Lasern. Mit weltweit 2787 Mitarbeitern erwirtschaftete das von Eugene Watson gegründete Unternehmen 857 Millionen US-Dollar Umsatz (2016). Der Coherent-Standort in Göttingen geht zurück auf die Firma Lambda Physik, die 1971 von den beiden Göttinger Studenten der physikalischen Chemie Dirk Basting und Bernd Steyer gegründet worden war. Es war eine Ausgründung aus dem Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Lambda Physik befasste sich hauptsächlich mit Stickstofflasern, einer dem ­Excimerlaser verwandten Technik. 1977 baute und ­lieferte Lambda Physik dann die weltweit ersten kommerziellen Excimerlaser vom Typ EMG 500. 1981 verließ Bernd Steyer die Firma und der heutige Eigentümer Coherent stieg mit 80 Prozent bei Lambda Physik ein. 2004 übernahm das börsennotierte Unternehmen Lambda dann vollständig.

 Im ehemaligen Steritex-Gebäude sind dennoch inzwischen etwa 4000 Quadratmeter Reinräume entstanden. Dort werden die teilweise riesigen Produktionsstraßen montiert. Derzeit entsteht dort auf etwa 1200 Quadratmetern zudem ein Logistik-Bereich. „Diese großen Anlagen kosten etwa zwischen zehn und 20 Millionen US-Dollar. Unsere jährliche Produktion beläuft sich auf einen unteren zweistelligen Bereich. Zum Abtransport sind sechs Lkw nötig, auf die das Gesamtgewicht von etwa 60 Tonnen verteilt wird“, sagt Waldermann.

Mit schwächeren Lasern wird Fehlsichtigkeit korrigiert

 Neben den Excimerlaser-Anlagen für die Display-Herstellung hat Coherent ein weiteres Standbein. Mit Beginn der 1990er-Jahre wurde das Anwendungsspektrum um den Medizinbereich erweitert. Der Schwerpunkt liegt dabei damals wie heute auf der „LASIK Excimerlaser Technologie“. Mit diesen viel schwächeren Lasern wird Fehlsichtigkeit korrigiert. „In diesem Bereich liefern wir seit vielen Jahren konstante Stückzahlen im gehobenen dreistelligen Bereich“, so Waldermann.

 Wachstumschancen sieht Waldermann in der Display-Herstellung. „Flexible und faltbare Displays sind absolut im Kommen“, sagt er. Der Trend gehe weg von LCD hin zu OLED. Zudem scheint auch ein Zuwachs im Bereich der Fernsehdisplays möglich. Aktuell sei da die Konkurrenz im Vorteil, da bei der Herstellung nicht laserbasierte Technologie zum Einsatz kommen kann. „Je besser jedoch die Auflösung sein muss, desto besser ist unsere Position. Im Bereich der 8K-Auflösung sehen wir durchaus Chancen“, sagt Waldermann. Aktuell ist der Standard noch Full-HD, was zwei Millionen Pixel (2K) entspricht. „Die Bilder über die Olympischen Spiele 2020 in Tokio sollen jedoch schon in 8k-Qualität ausgestrahlt werden“, begründet Waldermann seinen Optimismus. Es scheint also nicht unwahrscheinlich zu sein, dass Coherent demnächst noch mehr Platz im Göttinger Westen benötigt.

Von Mark Bambey

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