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Regional Sicherheit finden in unsicheren Zeiten
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17:33 13.02.2019
Vortrag am 12. Februar vor dem Marketingclub Göttingen: Der Coach und Berater Bernd Fritz-Kolle warnt vor dem Resignieren in einer unüberschaubar werdenden Welt. Quelle: Ulrich Meinhard
Göttingen

„Unsere Welt ist viel bunter geworden. Und sie wird noch bunter.“ Mit diesen Worten beendete der Coach und Diplompsychologe Bernd Fritz-Kolle seinen Vortrag vor Mitgliedern und Gästen des Marketing Clubs Göttingen. Seine Ausführungen hatte er unter den Titel „Sicher (handeln) in unsicheren Zeiten gestellt“. Entsprechend diesem Motto stieg der Referent mit eher bedrohlich wirkenden Szenarios in seinen Vortrag ein.

Die Fülle an neuen Informationen verunsichere die Menschen, so Fritz-Kolle. Im Jahr 1950 sei noch ein Zeitraum von 50 Jahren zur Verdoppelung des menschlichen Wissens bestanden. Diese Zeitspanne sei 2010 bereits auf vier Jahre geschrumpft. Im nächsten Jahr dürften es dann noch 73 Tage sein, bis sich das gesamte Wissen erneut verdoppelt hat. „Alles wird komplexer – der Laie steigt oft nicht mehr durch. Ich jedenfalls habe es zum Teil aufgegeben“, gestand der Göttinger.

Resignation ist keine Option

Wenn die Menschheit nicht demoralisiert untergehen wolle, müsse sie sich dieser Dynamik stellen. Es mache keinen Sinn, den Kopf resigniert in den Sand zu stecken. Der Psychotherapeut hielt fest, dass das Gefühl von Verunsicherung bei Menschen die Sehnsucht nach einfachen Lösungen weckt.

Dagegen sei prinzipiell auch gar nichts einzuwenden. Die Kurve habe aber bereits der Physiker Albert Einstein gezogen, indem er sagte: „Mache die Dinge so einfach wie möglich, aber nicht einfacher.“ Es gebe keinen Feierabend mehr. In der Arbeitswelt stelle sich Verunsicherung sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer ähnlich dar. Zum Beispiel: „Es gibt für viele keinen Feierabend mehr, weil sie immer online erreichbar sind – eventuell bis zum Burn-out.

Den Wandel akzeptieren

Für Verunsicherung sorgen auch der Verlust des Überblicks, Stress durch Überlastung, widersprüchliche Informationen. Auswirkung von Verunsicherung sei Überhitzung: Es laufe auf Aktionismus heraus, bei dem es immer mehr Einsatz und immer weniger Ergebnis gebe. Fritz-Kolle: „Je größer das Unternehmen, umso mehr sind die Manager ab August damit beschäftigt Gründe dafür zu finden, warum die Ziele nicht erreicht worden sind.“

Diesen Herausforderungen könne nur dadurch begegnet werden, dass der Wandel akzeptiert wird. „Wir sollten offen sein für neue Ideen und technische Möglichkeiten. Das gilt auch für ältere Personen.“ Allen Chefs möchte Fritz-Kolle mit auf den Weg geben, dass sie für sich und ihre Beschäftigten Sicherheit durch Orientierung geben können. Unternehmen müssten Erziehungsdefizite bei jungen Menschen ausgleichen: „Wo soll es denn sonst laufen, wenn es nicht im Elternhaus und in der Schule passiert? Ansonsten läuft Erziehung in einer Gruppe, die wir nicht wollen können.“

Ausgeglichene Berichterstattung

Der Referent machte auf die von einem US-amerikanischen Offizier entwickelte Formel „VUCA“ aufmerksam. Auf Deutsch stehen diese vier Buchstaben für „Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit“. Diese Begriffe, so Fritz-Kolle, beinhalten Ziele und Aufgaben, die den Umgang mit Unsicherheit leichter machen. Er warnte vor dem Ignorieren von Problemen und der Flucht sowohl ins rein Private wie auch ins Virtuelle.

Der Leitsatz von Menschen sollte sein: „Egal was kommt – ich kann und werde handeln.“ Gerhard Sauer, Präsident des Marketing Clubs, beobachtet in den Medien eine spürbare Entwicklung zu einer ausgeglichenen Berichterstattung – weg von der rein schlechten Nachricht, hin zu Mut machenden Texten. „Das ist auch gut so“, betonte er.

Von Ulrich Meinhard

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