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Regional Maschinelle Übersetzungen machen Dolmetschern das Leben schwer
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00:29 07.04.2018
Deutlich besser werdende Software für maschinelle Übersetzungen setzt der Dolmetscher-Branche zu. Quelle: Le Moal
Göttingen

Für „Unruhe“ unter Übersetzern, so Stumpp, sorge ein im vergangenen August freigeschalteter Onlinedienst für maschinelle Übertragungen in sieben Sprachen, DeepL Translator. Im Gegensatz zu herkömmlichen Programmen übersetze der Dienst, der auf einem künstlichen neuronalen Netzwerk basiere und von einer Kölner Firma angeboten werde, nicht Wort für Wort. Stattdessen gleiche er Wortgruppen und Sätze mit überprüften Übersetzungen seiner großen und weiter wachsenden Datenbank ab. Die so erzielten Ergebnisse seien „nicht perfekt“, aber doch „recht gut“.

„Damit wird sich wohl ein neuer Berufszweig etablieren“

„Damit wird sich wohl ein neuer Berufszweig etablieren, der maschinell übersetzte Texte noch einmal mit dem Original vergleicht und sprachlich glättet“, erwartet die Landesvorsitzende. Ganz ohne Übersetzer werde es auch in Zukunft nicht gehen, ist sie überzeugt. Sprache folge nie festen Regeln und ändere sich zudem ständig. Das bringe Computer an ihre Grenzen.

„Ein Computer versagt überall da, wo Kreativität gefragt ist“

„Zudem gibt es bei Sprachen oft erhebliche regionale Unterschiede, im Englischen etwa zwischen den USA oder Großbritannien“, betont Stumpp. „Im Arabischen ist das ähnlich“, ergänzt Samal Osman, ein promovierter Agrarwissenschaftler in Göttingen, der als Übersetzer und Dolmetscher für Arabisch und Kurdisch tätig ist. Als gebürtiger Iraker würde er zum Beispiel keine Texte aus dem algerischen Arabisch übersetzen. Und im Kurdischen gebe es drei, sehr unterschiedliche Dialekte: Kurmandschi, Sorani und Zaza.

„Ein Computer versagt zudem überall da, wo Kreativität gefragt ist“, erklärt die Göttingerin Annette Casasus, die vor kurzem die Biografie der französischen Chanson-Sängerin und Komponistin Barbara („Göttingen“) ins Deutsche übertragen hat. „Das gilt auch für kurze, schmissige Werbetexte“, meint die Landesvorsitzende Stumpp.

„Schwierig für den Computer wird es zudem dort, wo fachliches Verständnis gefragt ist, etwa bei der Übersetzung von Bedienungsanleitungen für Maschinen“, erklärt Georg Stölzer, der Chef der Göttinger Firma uebersetzungspartner.de. Selbst Profis täten sich mit Fachbegriffen nicht immer leicht, berichtet Nicole Gloth, Pressesprecherin beim Northeimer Verpackungshersteller Thimm. Ihr Unternehmen lasse daher alle Texte, die eine Agentur für sie übertrage, von Mitarbeitern noch einmal Korrektur lesen. Die „große Zahl“ mehrsprachiger Thimm-Mitarbeiter übersetze viele Texte auch selbst.

„Mit DeepL wächst der Preiskampf in der Branche“

Timo Lindemann, Pressesprecher des Göttinger Laborausstatters Sartorius, sagt: „Bei uns überträgt eine Muttersprachlerin aus der Abteilung Unternehmenskommunikation rechtlich relevante Texte ins Englische.“ Sie bediene sich dabei einer sogenannten CAT-Software, die nicht selbst übersetze, aber bei der Übersetzung helfe. Derzeit prüfe Sartorius, ob sich der englischsprachige Inhalt des firmeninternen Intranets maschinell in die Muttersprache von Mitarbeitern übersetzen lasse.

„Mit DeepL wächst der Preiskampf in der Branche“, sagt Landesvorsitzende Stumpp. Den gebe es allerdings „schon lange“. „Freizeitübersetzer“, die von ihren Einnahmen nicht leben müssten, verlangten Niedrigpreise. Übersetzer böten von anderen Ländern aus, etwa aus Bulgarien, ihre Dienstleistung zu deutlich geringeren Honoraren als deutsche Kollegen an. „Am Ende ist die Leistung, nicht der Preis entscheidend“, meint Stölzer. Seine Firma verlange etwas mehr Geld, dafür würden alle Texte aber von einem zweiten Übersetzer Korrektur gelesen.

Von Michael Caspar

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