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Regional Göttinger Spediteure warnen vor höheren Kosten
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00:24 12.04.2018
Die LKW-Maut, hier ein Schild an der B 3 in Göttingen, beschäftigt die Transportunternehmer aus der Region. Quelle: Pförtner
Göttingen

Thomas Drochelmann, Bereichsleiter Innovation/Marketing bei der Göttinger Spedition Zufall, unterstreicht, dass es sich um staatliche Vorgaben handelt und damit um Kosten, „die wir nicht verschulden und verantworten“. Gleichwohl müssten die Kostensteigerungen „logischerweise“ an die „Verladerschaft“, also an den Kunden, weitergegeben werden. Drochelmann hofft aber, dass die Kundschaft Verständnis aufbringt.

Ein Göttinger Transportunternehmen, das mit Zufall kooperiert, ist die W. V. Heyn GmbH. „Das Problem ist vielschichtig zu sehen“, sagt Bernd Godorr, Gesellschafter und Geschäftsführer von Heyn. „Steigende Transportkosten schlagen sich auch in den Produktkosten nieder. Am Ende ist es eine Belastung, die jeder normale Verbraucher merkt.“

Als kleines Unternehmen mit 25 Lkw müsse Heyn die höhere Belastung natürlich weitergeben, und es seien bereits Verhandlungen mit den Kunden geführt worden. Ein anderer Gesichtspunkt: Für das Unternehmen entstehen auch Kosten, die nicht weitergegeben werden können. Zwar bemühe man sich, „den Anteil der nicht ausgelasteten Fahrten so klein, wie möglich, zu halten“, aber einige Fahrten fielen halt doch an, berichtet Godorr. Diese Leerfahrten blieben am Unternehmen hängen.

Godorr hofft, dass die zusätzlichen Gelder, die nun eingenommen werden, zweckgebunden verwendet werden. „Wir wissen schon lange, dass sich der Verkehr stark entwickelt, und langsam werden auch Brücken saniert.“ Aber nach wie vor gebe es zu wenige Lkw-Stellplätze auf Raststätten und seien Straßen in schlechtem Zustand.

Auch in Gieboldehausen ist die Begeisterung angesichts der neuen mautpflichtigen Straßen nicht groß: „Das bedeutet auf jeden Fall Mehrkosten“, sagt Christian Huke, Geschäftsführer bei der Spedition Sommer. Diese ist von der neuen Mautregelung besonders betroffen. „Wir haben hier schließlich die B27 vor der Haustür“, so Huke. Weil diese künftig mautpflichtig ist, rechnet er mit Mehrkosten in Höhe von mehreren 1000 Euro monatlich. Gespräche über höhere Kosten habe er mit den Kunden schon geführt – denn diese werden ihm zufolge wohl einen Anteil daran schultern müssen.

Andererseits sieht auch Huke, dass sein Gewerbe und vor allem seine Fahrer von höheren Mauteinnahmen profitieren können. Ähnlich wie sein Branchenverband hält er die Fernfahrer-Infrastruktur für ausbaufähig, besonders was die Zahl und Größe der Autohöfe anbelangt. „Wo soll ich denn Pause machen?“, fragten seine Fahrer häufig. „Es fehlen Plätze“, sagt Huke deshalb.

Entspannt blickt Karsten Schönmann, Disponent bei der Möbelspedition Haberland, auf die Ausdehnung der mautpflichtigen Trassen. „Das betrifft uns nicht wirklich“, sagt er. Denn als Möbelspedition habe Haberland weniger Sammelverkehr. Viel mehr fahre das Unternehmen meist morgens zum Kunden und abends zurück – die Ausgaben für die Maut seien zweitrangig. Außerdem gebe es in der Region Göttingen nicht so viele autobahnähnliche Bundesstraßen, für die die Ausweitung überhaupt gelte.

Kritik der Branchenverbände

Angesichts der Ausdehnung der Mautpflicht auf 40000 weitere Bundesstraßenkilometer warnen Branchenverbände vor den Mehrkosten. Die Maßnahme führe zu Mehrkosten von zwei Milliarden Euro jährlich, befürchten der Bundesverband Möbelspedition und Logistik (AMÖ), der Bundesverband Paket und Express Logistik (BIEK) und weitere. Die Verbände gehen davon aus, dass sich die durch die höheren Kosten verursachten höheren Mautpreise auch auf die Verbraucherpreise und damit auf die Konsumenten auswirken.

Zugleich betonen sie, dass die Ausweitung der Lkw-Maut eine Konsequenz der verursachergerechten Nutzerfinanzierung im Verkehrswesen. Deshalb fordern sie, dass die zusätzlichen Einnahmen auch zweckgebunden für den Erhalt von Straßen und Brücken eingesetzt werden.

Von Eduard Warda und Christoph Höland

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