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Meisterpflicht gefordert

Forderung des Handwerks Meisterpflicht gefordert

Seit Änderung der Handwerksordnung zum Januar 2004 hat sich laut Fliesenleger-Innung die Zahl der bei den Handwerkskammern registrierten Fliesenlegerbetriebe versechsfacht. Die Qualität der handwerklichen Leistungen habe seitdem aber mindestens im selben Umfang abgenommen.

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Fliesenleger Marco Meinhardt (vorn) und Dirk Riemann arbeiten an den Fliesen im Freibad Duderstadt.

Quelle: Richter

Göttingen. Obermeister Bernhard Daniel fordert vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen die Wiedereinführung der Meisterpflicht im Fliesenlegerhandwerk. Seit Änderung der Handwerksordnung zum Januar 2004 habe sich die Zahl der bei den Handwerkskammern registrierten Fliesenlegerbetriebe rund versechsfacht. Die Qualität der handwerklichen Leistungen habe seiner Einschätzung nach seitdem aber mindestens im selben Umfang abgenommen.

Mit der seinerzeitigen Änderung der Handwerksordnung seien viele ehemalige meisterpflichtige Berufe, so auch der des Fliesenlegers, aus der Anlage A der Handwerksordnung herausgenommen worden. Dies hatte zur Folge, dass ab diesem Zeitpunkt jeder Ungelernte einen Anspruch darauf erhielt, das Fliesenlegerhandwerk auszuüben zu dürfen, gleich, ob er es konnte oder nicht. Der Effekt, den sich der Gesetzgeber seinerzeit erhofft habe, sei indes nicht eingetreten. Es seien weder mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse entstanden, noch hätte man dadurch die Ausbildung im Fliesenlegerhandwerk gestärkt. Das Gegenteil sei der Fall. Sogenannte Soloselbstständigkeiten hätten demgegenüber explosionsartig zugenommen, viele davon als „Kümmerexistenzen“.

„Wir erwarten von den politischen Verantwortlichen das klare Bekenntnis, dass es ein großer Fehler war, die Voraussetzungen für den Zugang zum Beruf des Fliesenlegers in 2004 geändert zu haben“. Es sei nicht zu spät, diese Entscheidung zu revidieren, wenngleich auch viele Kollegen dem erheblich zugenommenen Wettbewerbsdruck nicht hätten standhalten können und zwischenzeitlich aufgegeben hätten.

Auch Stefan Pietsch von der Handwerksammer Hildesheim-Südniedersachsen bestätigt: „Fast 59000 Fliesenlegerbetriebe wurden zwischen 2004 und 2015 neu gegründet.“ Zuvor existierten bundesweit 12400 Fliesenlegerbetriebe. Unter den Neugründungen sind viele Ein-Mann-Unternehmen. Darunter auch viele Selbstständige ohne spezielle Qualifikation für das fliesenlegende Gewerbe. Nach 2004 sank die Überlebensrate einiger Betriebe drastisch: Fünf Jahre nach der Gründung waren sechs von zehn der zulassungsfreien Unternehmen wieder verschwunden.

„Seit der Aufhebung der Meisterpflicht im Jahr 2004 hat sich das Fliesenleger-Handwerk dramatische entwickelt“, sagt Kreishandwerksmeister Christian Frölich. Schon wenige Jahre nach der Novellierung konnten sich die Politiker auf die Schultern klopfen, da durch die vielen Einzelunternehmer und Soloselbständigen schienbar so viele neue Arbeitsplätze entstanden sind. „Dass diese Maßnahme so nach hinten losgegangen ist, hat keiner erkannt“, so Frölich. Kaum jemand wollte anschließend mehr den Meister im Bereich Fliesenleger machen, was zur Folge hatte, dass die Ausbildungszahlen in der Branche ebenfalls stark zurückgingen. Zudem hatten die zahlreich entstandenen Firmen aufgrund der schlechten Ausführungsqualität und nicht marktgerechter Preise eine kurzfristige Lebensdauer. „Die Aufträge waren allerdings für die seriösen Firmen weg“, sagt Frölich. Kunden hätten dadurch schlechte Erfahrungen mit diesem traditionellen Gewerk gemacht. „Die Einzigen die von der Novellierung profitiert haben waren die Gutachter.“

„Die Forderung nach der Wiedereinführung der Meisterpflicht ist daher gerechtfertigt. Ich befürchte nur, dass diese über gewisse Verordnungen aus Europa anschließend ausgehebelt werden kann“, so Frölich.

Von Bernard Marks

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