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15:00 10.07.2018
Logistikpark soll sich „vom Acker machen“: Mehr als 100 Bürger haben am Montag gegen das in Neu-Eichenberg geplante Sondergebiet protestiert. Quelle: Caspar
Hebenshausen

Gegen das in Neu-Eichenberg geplante Logistikgebiet haben am Montag gut 100 Bürger demonstriert. Die Gemeindevertretung unterbrach nach gut drei Stunden ihre Sitzung und vertagte sich.

Brechend voll war die Gaststätte Waldmann, in der die Gemeindevertretung über den Abwägungsbeschluss zur Änderung des Bebauungsplanes beriet. Dutzende Demonstranten sowie weitere Bürger drängten sich im Gastraum. Eine Faltwand zum Saal nebenan musste geöffnet werden. Viele standen. Andere ließen sich auf dem Fußboden nieder.

Bebauungsplan von 2009 soll geändert werden

Ein gut 80 Hektar großes Sondergebiet Logistik zwischen den Ortsteilen Hebenshausen und Eichenberg-Bahnhof hat die 1800-Einwohner-Gemeinde 2002 auf den Weg gebracht. Seit 2009 liegt ein rechtskräftiger Bebauungsplan fest. Er soll nun an die Bedürfnisse des neuen Investors angepasst werden. Die Dietz AG, ein Bensheimer Projektentwickler, hat das Gebiet im Juni von der Hessischen Landgesellschaft gekauft.

Die gegen die Änderungen eingebrachten Einwände von Privatpersonen und Trägern öffentlicher Belange hat Christoph Henke vom gleichnamigen Ingenieurbüro abgewogen. „Die Grundsatzentscheidung für das Projekt ist bereits 2009 gefallen“, betonte Henke. Die etwa vom Bauernverband geäußerte Kritik, das „hochwertiges Ackerland“ mit einer Bodenwertzahl von mehr als 80 versiegelt werde, laufe daher ins Leere.

Hebenshäuser Bach wird renaturiert

Während der Sitzung meldeten sich fast ausschließlich die grüne Gemeindevertreterinnen Bettina Biehler und Joanna Marienhagen zu Wort. Die „großzügigen Grünflächen“ der bisherigen Planung sollten nun fortfallen, kritisierte Biehler. Dafür werde der Hebenshäuser Bach renaturiert, hielt Henke dagegen. Das werte das Gelände „erheblich“ auf.

Auf Protest der Grünen stößt, dass der bisher zum Ortsteil Hebenshausen hin geplante Lärmschutzwall nicht gebaut werden soll. So ein Wall helfe nur, wenn die Schallquelle sich direkt hinter ihm befinde, gab Henke zu bedenken. Die Hallen ständen aber so weit entfernt, dass die Schallwellen sich über den Wall hinweg ausbreiten würden. Deshalb schlage er vor, dass die Firmen weniger Lärm machen dürften, als ihnen die Planung bisher erlaube.

Kein Kreisel, keine Ampel

Unverständnis äußerte Biehler, dass es noch keine Planung zur Anbindung des Geländes an die Bundesstraße 27 gebe. Die Planung werde nachgereicht, erklärte Henke. Sicher sei, dass es keinen Kreisel – und zunächst auch keine Ampel – geben werde. Die Grünen forderten ein Konzept für den öffentlichen Personen-Nahverkehr ein, damit die von Henke geschätzten 2000 Arbeitnehmer nicht alle mit dem Auto zur Arbeit fahren müssen. Die Gemeindevertretung verwies den grünen Antrag, zu dem der SPD-Fraktionsvorsitzende Sven Schreivogel seine Zustimmung signalisierte, in den Ausschuss.

Keine Lichtreklame soll an den Gebäuden erlaubt sein, beschloss die Gemeindevertretung. Henke hatte angeregt, sie auf bis zu fünf Quadratmeter pro Firma zu begrenzen und ihre Ausrichtung nur Richtung Bundesstraße zu erlauben. Das ging aber nicht nur den Grünen, sondern auch SPD und CDU zu weit. Bedenken, ob die Neu-Eichenberger Feuerwehr den neuen Anforderungen gewachsen sei, äußerte Biehlert. Die Kreisfeuerwehr habe keine Einwände, hielt Henke dagegen. Nach Einschätzung der Grünen ist die Trinkwasserversorgung des Sondergebiets nicht gesichert. Der Wasserverband Leine-Süd arbeite an einer Lösung, sagte Henke.

Solaranlagen auf den Hallendächern

Zustimmend zur Kenntnis nahm die grüne Fraktionsvorsitzende Biehler, dass die Hallendächer zu 50 Prozent mit Solaranlagen ausgestattet seien sollen. Die Sitzung wird am Mittwoch, 11. Juli, um 19 Uhr in der Hebenshäuser Gaststätte Waldmann fortgesetzt.

Von Michael Caspar

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