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Regional Neujahrsempfang der Sparkassen in der Göttinger Stadthalle
Nachrichten Wirtschaft Regional Neujahrsempfang der Sparkassen in der Göttinger Stadthalle
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00:17 18.01.2013
Sparkassen-Vorstände mit Ehefrauen: Jörg und Sabine Sebode, Anneth und André Schüller, Rainer und Maria Hald (von links). Quelle: Heller
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Göttingen

Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Göttingen malte ein Bild von Europa – „märchenhaft und unbezahlbar“.

In Anlehnung an die Brüder Grimm, deren Märchen schon seit 200 Jahren um die Welt gehen, erzählte Hald ein „Europa-Märchen“. Darin ging es um Staaten in Europa, die über ihre Verhältnisse lebten oder Wunderwelten kreierten, die sie von Pump und Hoffnungen abhängig machten. Mit List und Tücke hätten sie sich in die Eurozone geschmuggelt. Die Strafe ereilte die Sünder-Länder in Form der Schuldenkrise, als die Finanzmärkte das Vertrauen in ihre Scheinvermögenswerte und die sie finanzierenden Großbanken verloren hatten.

In ihrer Not, so Erzähler Rainer Hald, wandten sich die Krisenländer und Pleitebanken an ihre wohlhabenden Freunde in der EU, die ihnen auch zur Hilfe eilten. Als Gegenleistung forderten diese nun ihrerseits drakonische Maßnahmen, die zwar schmerzhaft, aber im Grunde nur zu ihrem eigenen Besten waren. Doch viele Krisenländer und viele Pleitebanken wollten gar nicht hören, hätten vielfach die ihnen auferlegten Pflichten versäumt und sich nicht oder zu wenig gebessert, so der Erzähler weiter.

„Nun ist die Geduld der gutmütigen Helfer vielerorts erschöpft, die Staatengemeinschaft und ihre treuen Bürger sind enttäuscht und wollen die größten Schuldner in eine ungewisse Selbstständigkeit auf den finsteren Märkten entlassen.

Neujahrsempfang der Sparkasse  in der Göttinger Stadthalle.

„Eine moralische Erzählung“, so Hald, die leicht zu vermitteln sei, denn ihre Zutaten seien jedem bekannt: Schuld, Sühne, Treue, Vertrauen, Hoffnung. Wie in Grimms Märchen würden auf drastische Weise einfache Lebensweisheiten vermittelt: Unrecht Gut gedeiht nicht. Jeder ist seines Glückes Schmied. Dem Tüchtigen gehört die Welt. Spar in der Zeit, so hast du in der Not.

Soweit das Märchen. In der ökonomischen Wirklichkeit heute gehe es weniger um Gut und Böse, sondern vielmehr um Gewinn und Verlust, räumte Hald ein und stellte klar: „Immer mehr Staaten in Europa rutschen in die Krise.“ Erst Griechenland, dann Portugal, Irland, Spanien, Italien. „Wenn nun auch Frankreich in eine Rezession abrutscht, wird es gefährlich“, so die Befürchtung des Bankers.

Die Bilanzsumme der Europäischen Zentralbank sei durch unlimitierte Käufe von Staatsanleihen inzwischen auf mehr als 40 Prozent der Wirtschaftsleistung Europas angewachsen. Vor drei Jahren, so Hald, waren es noch 15 Prozent. Die Probleme Europas seien durch unzählige Krisengipfel und Rettungsversuche bislang nur verschoben oder gelindert, aber nicht gelöst worden.

50 Prozent der Deutschen hätten das Vertrauen in den Euro verloren. Jeder zweite Unternehmer sei der Ansicht, dass nicht alle Euroländer die Gemeinschaftswährung behalten sollten. Ein „ernstzunehmendes Signal“ für Hald. „Auch ich glaube nicht an das Märchen, dass von heute auf morgen alles gut wird.“ Das Märchen, dass jeder Sparer das Geld von jeder Bank in Europa zurückbekommt, werde platzen. Halds Versprechen abschließend: „Die Sparkasse Göttingen bindet Ihnen kein Märchen auf – früher nicht, heute nicht und auch nicht in Zukunft.“

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