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Ottobock verkauft seine Kunstoffsparte

Konzentration auf das Kerngeschäft Ottobock verkauft seine Kunstoffsparte

Die Otto Bock Holding GmbH & Co. KG verkauft ihr Kunststoffgeschäft an die Schweizer Unternehmensgruppe Conzzeta. Eine Vereinbarung haben beide Seiten am 20. Juli in Frankfurt am Main unterschrieben.

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Die Otto Bock Kunststoff wurde vor 64 Jahren von Dr. Max Näder als Start-up in Duderstadt gegründet.

Quelle: Marks

Duderstadt. Am Freitag gegen 14 Uhr verkündete der Geschäftsführer der Otto Bock Kunststoff, Jürgen Henze, vor versammelten Mitarbeitern in Duderstadt den Entscheid über den Verkauf. Dass dieser stattfinden würde, war bekannt. Hans-Georg Näder, Geschäftsführender Gesellschafter und Vorsitzender der Geschäftsführung der Otto Bock Holding GmbH & Co. KG, hatte bereits im Oktober 2016 angekündigt, Optionen für die Kunststoffsparte zu prüfen. Besonders gerne hörten die Mitarbeiter, dass Näder allen Mitarbeitern einen, wie er sagte „sommerlichen Gruß“ von 3000 Euro als Dankeschön für die gute Zusammenarbeit zusagte.

Otto Bock Kunststoff mit Sitz in Duderstadt erwirtschaftete im Jahr 2016 mit gut 430 Mitarbeitern rund 130 Millionen Euro Umsatz. Der Käufer Conzzeta ist Näder seit Jahren gut bekannt. Durch den Verkauf gehen auch das in Shanghai (China) angesiedelte Joint Venture von Ottobock und FoamPartner vollständig in den Besitz des Schweizer Unternehmens über. Bislang hatten beide Firmen 50 Prozent gehalten. Conzzeta übernimmt zudem die Produktionsstandorte Rochester Hills (USA) und Changzhou (China). Ausgenommen von der Transaktion sind dagegen die Geschäfte von Technogel und dem Start-up Matrazzo. Beide Firmen bleiben Bestandteil der Otto Bock Holding GmbH & Co. KG und werden strategisch weiterentwickelt. Die Otto Bock Kunststoff wurde vor 64 Jahren von Dr. Max Näder als Start-up in Duderstadt gegründet.

Zum Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Im derzeitigen positiven Umfeld für M&A (Zusammenschlüsse und Übernahmen, Merger & Acquisitions) kann man davon ausgehen, dass die Otto Bock Holding ihre Kaufpreisvorstellungen durchsetzen konnte. „Wir haben klare Vorstellungen, wie wir die Mittel aus dem Verkauf verwenden werden“, so Näder.

Mit dem Ausstieg aus der Kunststoffproduktion bestätigt der Duderstädter Unternehmer seinen Kurs, in Zukunft das Kerngeschäft der technischen Orthopädie zu stärken. „Unsere Strategie sieht ein noch schnelleres, nachhaltiges und profitables Wachstum vor“, betonte Näder. Erst im Juni hatte Ottobock eine langfristige Partnerschaft mit dem schwedischen Private Equity-Unternehmen EQT bekanntgegeben, die das Wachstum beflügeln soll. 

Zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten

Der Mischkonzern Conzzeta ist seit Längerem auf der Suche nach Akquisitionen und kennt sich mit Schaumstoff bestens aus. Die Tochter FoamPartner ist in diesem Geschäft seit Jahren tätig.  Michael Willome, CEO der Conzzeta Group, die mehr als 4.000 Mitarbeiter beschäftigt, kommentierte: „Die Transaktion ist ein weiterer Schritt zur Internationalisierung der Conzzeta Gruppe; die Verbreiterung der Präsenz in Asien und Nordamerika eröffnet zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten. Mit dem weitgehend komplementären Produktportfolio von Ottobock können wir den Umsatz von FoamPartner beinahe verdoppeln und so unsere Marktposition deutlich stärken.“

Das zu übernehmende Geschäft umfasst laut Angaben von Conzetta hochwertige Schaumstoffe, Schaumteile und Schaumsysteme für die Automobilindustrie zur Fahrzeuginnenverkleidung. Mit der Übernahme verbessere Conzzeta seinen Marktzugang für eigene Spezialitäten im Wachstumssegment Mobilität und werde zu einem führenden Anbieter von Polyurethan-basierten Schaumstoffen für moderne Mobilitätslösungen. Diese kommen in der Automobil-, Nutzfahrzeug- oder Luftfahrtindustrie zum Einsatz.

Für die Mitarbeiter der Kunststoffsparte in Duderstadt habe der Verkauf zunächst keine Auswirkungen. „Die Transaktion ist vom Produktportfolio sehr komplementär angelegt und wir verfolgen eine Wachstumsstrategie. Nach dem Closing der Transaktion, das wir im Verlauf des zweiten Halbjahres 2017 erwarten, folgt die detaillierte Integrationsplanung“, erläuterte Michael Staeheli, Sprecher der Conzetta Management AG mit Hauptsitz in Zürich. Dabei würde man sich auch zur gemeinsamen Produktionsinfrastruktur in Europa Gedanken machen, „schon deshalb, weil wir die Kapazitäten für das Wachstum sicherstellen müssen“, so Staeheli. Nach heutigem Kenntnisstand werde Duderstadt als wichtiger Standort für zwei Produktsegmente, „Mobiliy“ und „Living & Care“, erhalten bleiben.

„Wir sind froh mit Conzetta den idealen, langfristig orientierten Käufer gefunden zu haben und sind überzeugt, dass diese Verbindung auch im bestmöglichen Interesse der Mitarbeiter ist“, sagte dazu Näder. Conzetta sei ein verlässlicher Partner, der plane den Standort in Duderstadt auszubauen. „Grundsätzlich ist das eine gute Nachricht für Duderstadt und das Eichsfeld“, betonte Näder. Die „Kunststoff“ bleibe strategischer Lieferant für Ottobock. Als nächsten Schritt werde man Verkaufsoptionen der Firma Sycor prüfen. „Aber alles in Ruhe und gut vorbereitet“, so Näder.

Von Bernard Marks

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