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Regional Real testet „Fair Cup“ mit Lebensmitteln
Nachrichten Wirtschaft Regional Real testet „Fair Cup“ mit Lebensmitteln
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14:12 21.08.2018
Präsentation des „Fair Cups“ im Real-Markt am Lutteranger mit Real-CEO Patrick Müller-Sarmiento (r.), dem früheren Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne, 2.v.r.), Projektleiterin Sibylle Meyer, den beiden Göttinger Real-Marktleitern Peter Kloss (3.v.l.) und Markus Sauer (2.v.l.) sowie Silvio Dreyer (l.), Geschäftsführer der Bäckerei Hermann. Quelle: Markus Riese
Göttingen

Das Göttinger Kaffeebecher-Projekt „Fair Cup“ ist am Dienstag in den beiden Göttinger Real-Märkten eingeführt worden. Die Becher sollen dort auch für Waren aus den Frischetheken genutzt werden.

Real-CEO Patrick Müller-Sarmiento. Quelle: Markus Riese

Zur Präsentation im Real-Markt am Lutteranger reiste Real-CEO Patrick Müller-Sarmiento extra an. „Das soll auch zeigen, wie wichtig uns solche Projekte sind“, betonte er. Ein „weiter so“ im Hinblick auf Verpackungsmüll und Umweltverschmutzung gehe einfach nicht mehr; deshalb setze sein Unternehmen inzwischen verstärkt auf Nachhaltigkeit. Initiativen wie der „Fair Cup“ würden da gut ins Konzept passen. Auch der Göttinger Bundestagsabgeordnete und frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne), der seinerzeit das Dosenpfand in Deutschland mit auf den Weg gebracht hatte, sagte zur Einführung der Becher ein paar Worte.

Nicht bunkern, sondern benutzen

Berufsschullehrerin Sibylle Meyer, Projektleiterin und Geschäftsführerin der Fair Cup UG, stellte klar, dass Kunden nicht mit falschen Erwartungen an die Sache herangehen sollten: „Sie kaufen den Becher nicht. Bunkern Sie die Becher also bitte nicht zu Hause. Sie müssen benutzt werden. Denn sie nutzen nur, wenn wir sie nutzen.“

Jürgen Trittin (Grüne). Quelle: Markus Riese

Bisher war der „Fair Cup“, der von Schülern der BBS II entwickelt worden war, in erster Linie ein Mehrweg-Kaffeebecher, der das „Coffee-to-go“-Phänomen aufnehmen und dabei die Themen Fair Trade und Nachhaltigkeit einbinden sollte. Im Raum Göttingen sind die Becher mittlerweile an etwa 100 Verkaufsstellen im Einsatz, darunter viele Bäckereien und Schulen. „Es könnten noch mehr sein“, formulierte Trittin einen Wunsch, gefolgt von einer Vision: „Es wäre doch schön, wenn ich irgendwann hier in Göttingen einen Kaffee in einem Fair Cup kaufen und das Pfand bei einem anderen Einzelhändler im Berliner Hauptbahnhof wieder zurückerhalten könnte.“ Perspektivisch ist genau das die Idee, die hinter dem „Fair Cup“ steckt – doch dafür müssten in der Tat deutlich mehr Unternehmen mitmachen.

Alternative Verpackung für Lebensmittel

Real will das Konzept nun erweitern: Kunden sollen demnach an der Frischetheke wie gehabt ihre gewünschte Ware bestellen, etwa Frischkäse. Alternativ zur gängigen Plastikbox können die Kunden ab sofort den „Fair Cup“ als Verpackung wählen. Die Ware werde dann wie gewohnt abgewogen, der Becher mit einem Aufkleber versiegelt. An der Kasse kann der Kunde die Ware inklusive Pfand (1 Euro für den Becher plus 50 Cent für den Deckel) bezahlen und den Becher mitnehmen. Ist dieser leer, kann er wie eine Einweg- oder Mehrwegflasche an den Pfandautomaten zurückgegeben werden. Die Automaten erkennen die „Fair Cups“ und schreiben 1,50 Euro auf dem Pfandbon gut. „Das funktioniert allerdings nur, wenn der Becher mit Deckel zurückgegeben wird“, betont Markus Sauer, Marktleiter der Real-Filiale im Göttinger „Kauf Park“. Wenn aber mal jemand kommt, der nur einen Becher dabei hat, sei das auch kein Problem: „Diesen kann man dann an der Info abgeben und bekommt dafür einen Euro Pfand zurück“, erläutert Peter Kloss, Marktleiter der Filiale am Lutteranger. Dies gelte in beiden Real-Märkten. Becher und Deckel können bis zu 500 Mal benutzt werden und sind vollständig recycelbar.

Pilotprojekt bekommt nötige Zeit

Zurückgegebene Becher lassen Kloss und Sauer regelmäßig von Dienstleister Myworx abholen und reinigen. Der gesamte Prozess sei mit dem zuständigen Veterinäramt abgestimmt, wie die Real-Verantwortlichen betonen. Auch intern seien viele Abteilungen in den Pilotversuch eingebunden – denn genau das sei das Projekt für Real. Erweist es sich als praktikabel und nehmen die Kunden es an, besteht die Chance, dass es überregional oder sogar deutschlandweit ausgerollt wird. Doch noch äußert sich Müller-Sarmiento diesbezüglich vorsichtig: „Wir testen in verschiedenen Märkten in Deutschland noch einige andere Ideen, zum Beispiel das Mitbringen eigener Tupperdosen“, erklärt er. Wünschen würde er sich, dass sich ein System wie das des „Fair Cup“ beim Kunden durchsetzt. „Dafür geben wir ihm auch die nötige Zeit“, stellt der Real-Chef in Aussicht.

Von Markus Riese

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