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Rosdorfer Unternehmen testet Lebensmittel

Geruch, Geschmack und Aussehen Rosdorfer Unternehmen testet Lebensmittel

Wenn heute eine Nahrungsmittelfirma einen Espresso entwickelt oder einen Saft auf den Markt bringen will, wird das Produkt lange getestet. Es soll dem Kunden optisch gefallen, ihm ein gutes Gefühl geben, erklärt Möslein. Und es muss einzigartig schmecken, denn auf dem Markt gibt es schon unzählige Espresso-Sorten oder Orangensäfte. Deshalb sei es wichtig, dass ein Produkt so schmeckt, wie der Kunde es erwartet. Und das zu erfahren, gibt es Firmen wie das Institut für Sensorikforschung und Innovationsberatung, kurz Isi .

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Ohne Tageslicht, zwischen Trennwänden: Tageblatt-Mitarbeiterin Corinna Berghahn testet Espressi.

Quelle: Mischke

Ob der Kaffee in der Redaktion eben ein Fehler war? Ich kann ihn immer noch schmecken. Und das ist – wenn ich gleich Produkte auf ihren Geschmack testen soll – der Sache sicherlich nicht förderlich. Also schnell ein Kaugummi. Jetzt schmecke ich allerdings eine starke Pfefferminznote im Mund. Suboptimal.

„Möchten Sie einen Kaffee?“, fragt mich Robert Möslein, Geschäftsführer der Abteilung Sensorische Analyse bei der Isi GmbH. Auf keinen Fall, der verfälscht doch den Geschmack, entgegne ich und versuche, ein allwissendes Lächeln aufzusetzen. Möslein lacht und sagt: „Das ist heute egal: Sie testen gleich Espresso.“ Ich verschweige, dass ich meine Milch mit Kaffee trinke und jeder Espresso für mich nur nach dunkler, bitterer, heißer Brühe schmeckt.

Gleiche Bedingungen für alle

Wenn ein Raum die Bezeichnung Labor verdient, dann das Testlabor, in das ich jetzt geführt werde: Ein schmaler Schlauch mit sieben aneinander gereihten Plätzen und Trennwänden. So könnten die Testpersonen nicht voneinander beeinflusst werden, erklärt Projektleiterin Frauke Ulrich. Der Raum hat keine Fenster. Auch dies sei wichtig, da man so sicherstellen könne, dass an jedem Platz die gleichen Lichtverhältnisse herrschen. Zudem könne man die Luft absaugen und damit Gerüche neutralisieren – einheitliche Verhältnisse für alle Testpersonen.

Ich setze mich auf den Barhocker. Vor mir eine Drehtür, durch die mir Weißbrot und Wasser zugeschoben werden. „Beides neutralisiert den Geschmack“, sagt Ulrich. Über dem Platz hängt ein Computerbildschirm, der mich Schritt für Schritt anweist. „Bitte trinken Sie von dem Wasser und essen Sie etwas Weißbrot“, steht da. Das schaffe ich ohne Probleme. Dann kommt die erste Tasse Espresso. Eine dreistellige Nummer steht auf der Tasse. „Alle Produkte werden mit zufällig gewählten dreistelligen Nummern bezeichnet, damit die Testpersonen nicht die Marke erkennen. Dies könnte den Test verfälschen, weil sie vielleicht für eine bestimmte Zahlenkombination Sympathie oder Antipathie empfinden“, erklärt Ulrich. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Der Computer „sagt“, dass ich mir erst die „Crema“ auf dem Espresso angucken soll. Ob diese typisch italienisch aussieht, will er wissen. Keine Ahnung. Hellbraune Creme halt, denke ich und klicke auf „weiter“. Dann darf ich kosten. Es schmeckt so bitter. Schnell klick ich mich durch die Geschmacksbewertung und schätze den Espresso als „schmeckt schlechter als er aussieht“ ein.

Affinität zum Produkt

Der Computer fordert mich wieder dazu auf, Wasser zu trinken, Weißbrot zu essen. Dann muss ich auf einen Knopf drücken, der Espresso verschwindet durch die Drehtür, der nächste erscheint. Wieder gebe ich die dreistellige Nummer ein und der Test verläuft genau wie der voherige. Diesmal schaut die Crema meiner Meinung nach „besonders ansprechend“ aus.

Schmecken tut mir der Espresso wieder nicht. Auch der dritte ist mir zu bitter, wenn auch etwas weniger. Für einen ernsthaften Espressotest bin ich wirklich nicht geeignet. „Wenn wir wissen, dass Sie keine Affinität zu dem Produkt besitzen, würden Sie es auch nicht testen“, sagt Möslein. Normalerweise hätte ich also nicht hier gesessen. Bald testen 160 Testpersonen aus der ISI-Datenbank die Espressi.

Als nächstes nehme ich an einem Test teil, in dem eine Wertskala erstellt werden soll. Hierfür gibt es bei Isi Expertentester. „Von 200, die sich melden, taugen vielleicht 10 Prozent als Experten“, erzählt Möslein. Zur Zeit wird eine Gruppe auf Pfirsichgeschmack „geeicht“. Fünf Glasschüsseln stehen vor den 13 Experten und mir. Doch alles was ich schmecke ist süß, sauer, Apfel, Pfirsich, wässrig.

Aus dem Pfirsichhimmel

Ein bisschen schäme ich mich für meinen einfach strukturierten Gaumen. Und als wir über den Inhalt und die Herkunft der Breis aufgeklärt werden, falle ich aus allen Wolken: Die Aprikosen in einem der Pürees habe ich überhaupt nicht geschmeckt. Und Probe Nummer 857, die meines Erachtens direkt aus dem Pfirsichhimmel kam, war Dosenpfirsich. Da bin ich also nicht mal annähernd auf den Geschmack gekommen.

Von Corinna Berghahn

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