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Regional Rückgang bei Insolvenzen
Nachrichten Wirtschaft Regional Rückgang bei Insolvenzen
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00:22 28.09.2018
Prominente Insolvenz des Jahres: Die Produktion der Barteröder Suppen ist inzwischen eingestellt worden. Quelle: Hinzmann
Göttingen

„Die Zahl der Insolvenzen, die seit fünf, sechs Jahren rückläufig ist, geht 2018 noch einmal deutlich herunter“, berichtet Schmerbach, der seit mehr als 25 Jahren mit dem Thema befasst ist. Dass heute ein Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern seine Verbindlichkeiten nicht mehr begleichen könne, sei „selten“ geworden. Größere Fälle seien in diesem Jahr etwa die Zahlungsunfähigkeit einer Bäckereikette sowie des Suppenunternehmen Athalevo Foods, ehemals Barteröder Feinkost.

Restschuldbefreiung

„Über die Gründe des erneuten Rückgangs rätsele ich selbst“, sagt Schmerbach. Grundsätzlich profitierten die Unternehmen seit Jahren von der guten Konjunktur und den günstigen Zinsen. Selbst Firmen mit strukturellen Problemen hielten sich am Markt. Angesichts der großen Nachfrage nach Handwerksleistungen habe jeder Unternehmer in diesem Bereich, der „nicht ganz unfähig“ sei, volle Auftragsbücher. Und werde das Geld doch einmal knapp, so bekämen Firmen vergleichsweise leicht günstige Überbrückungskredite.

„Insolvenzen haben wir vor allem bei Kleinunternehmen, etwa bei Gaststätten oder Ein-Mann-Betrieben“, berichtet Schmerbach. Da eröffne das Amtsgericht das Verfahren allerdings oft auch nur deshalb, weil der Unternehmer eine Restschuldbefreiung wolle. Die Verfahrenskosten würden ihm dann gestundet. Wenn sich die Konjunktur allerdings irgendwann einmal eintrüben und die Zinsen wieder anziehen würden, werde die Zahl der Insolvenzen in die Höhe schnellen.

Insolvenzplan

„Einen Anstieg haben wir seit 2014 bei Firmen, die einen Insolvenzplan vorlegen“, berichtet Schmerbach. Seit 2012 könnten sich Unternehmen, die in Zahlungsschwierigkeiten gerieten, mit ihren Hauptgläubigern auf einen teilweisen Verzicht von Forderungen einigen. Die Gläubiger gingen darauf häufig ein, weil sie im Falle einer Insolvenz oft noch weniger Geld bekämen.

Sachwalter und Insolvenzverwalter

„Sinnvoll ist es immer, wenn ein Unternehmer frühzeitig auf das Gericht zukommt“, betont der Richter. Dann könne er in den drei Monaten, in denen Insolvenzgeld gezahlt werde, lohnfrei arbeiten und das Steuer noch einmal herumreißen. Wenn das Gericht einer vorläufigen Eigenverwaltung zustimme, bleibe der Geschäftsführer sogar im Amt. Er müsse sich dann vom vorläufigen Sachwalter lediglich kontrollieren lassen. Mit einem vorläufigen Insolvenzverwalter habe er dagegen im Team zu arbeiten.

Niedersächsisches Landesamt für Statistik

In Niedersachsen gab es im ersten Halbjahr bei der Zahl der Unternehmensinsolvenzen einen Rückgang von 9,2 Prozent, teilt das Landesamt für Statistik in Hannover mit. 843 Firmen beantragten demnach eine Insolvenzeröffnung. Im Vorjahres waren es in diesem Zeitraum 928 Fälle. Die 843 zahlungsunfähigen Unternehmen beschäftigten bei Antragstellung 10 633 Arbeitnehmer. Die voraussichtlichen Forderungen gegenüber den betroffenen Unternehmen summierten sich auf rund eine Milliarde Euro. „Wir erstellen unsere Statistik erst zum Jahresende“, sagt der Göttinger Richter Schmerbach.

Insolvenz, Konkurs, Bakrott

Bei einer Insolvenz kann ein Schuldner seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber Gläubigern nicht erfüllen. Juristen unterscheiden dabei die akute Zahlungsunfähigkeit (mangelnde Liquidität) von der drohenden Zahlungsunfähigkeit, die sich aufgrund einer Überschuldung abzeichnet, aber sich nicht immer eindeutig feststellen lässt.

In Deutschland war vor der Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999 der Begriff Konkurs üblich. Umgangssprachlich wird auch von Pleite oder Bankrott gesprochen. Das Wort Bankrott kommt aus dem Italienischen und bedeutet „zerschlagener Tisch“. Während der Renaissance wurde Geldwechslern, die ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkamen, der Wechseltisch zerbrochen. Juristisch gesehen ist Bankrott heute eine Straftat im Zusammenhang mit einer Insolvenz. Ein Bankrott liegt zum Beispiel vor, wenn ein Schuldner Vermögensteile, die zur Insolvenzmasse gehören würden, heimlich beiseite schafft oder wenn er in den Handelsbüchern,die er führen muss, die Übersicht über seinen Vermögensstand erschwert. mic

Von Michael Caspar

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