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Scharner-Wolff begeistert bei PFH-Vortrag

Vortragsreihe „PFH meets“ Scharner-Wolff begeistert bei PFH-Vortrag

Sie gehört zu den Top-Managerinnen Deutschlands, und sie hat Göttinger Wurzeln: Petra Scharner-Wolff. Der PFH Private Hochschule Göttingen ist es gelungen, die Finanzvorständin der Otto Group für die Reihe „PFH meets“ zu gewinnen.

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Petra Scharner-Wolff mit Prof. Hubert Schüle (PFH,Wirtschaftsinformatik und E-Business), der den Vortrag initiiert hat.

Quelle: r

Göttingen. Scharner-Wolff berichtete dabei über weitaus mehr als über ihr Referat „Gefunden bei Otto.de – Erfolgreiche Digitalisierungsstrategien im Wettbewerb mit Amazon, Zalando und Co.“. Die zweifache Mutter sprach vor knapp 100 Zuhörern auch offen über ihren Karriereweg: Davon, dass ohne die Hilfe der Großeltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kaum machbar gewesen wäre. Sie erzählte ebenso von Konkurrenzdenken unter Manager-Kollegen wie die erhaltene Förderung ihres ehemaligen Vorgesetzten. Und sie betonte den besondern Vorteil von Frauen als Führungskräfte: „Wir treffen im Kern ebenso harte Entscheidungen wie unsere männlichen Kollegen. Wir verpacken sie allerdings weicher.“ Den zahlreich anwesenden PFH-Studenten gab sie in der abschließenden Fragerunde Tipps für die Karriereplanung.

19 Jahre Otto

Seit 19 Jahren ist Scharner-Wolff bei Otto. Nach verschiedenen Manager-Positionen ist sie seit Juni 2015 Mitglied des Konzern-Vorstands der Otto Group und verantwortlich für Finanzen, Controlling und Personal. In einem informativen Multimedia-Vortrag skizzierte die Managerin, wie es dem lange Zeit strauchelnden Konzern gelungen ist, sich gegen aggressive Konkurrenz zu behaupten. Sie skizzierte auch deutlich die enorme Aufgabe, das traditionelle Familien-Unternehmen mit seinen mittlerweile mehr als 50.000 Mitarbeitern fit für den digitalen Wettbewerb zu machen. Dies sei ein laufender Prozess, dessen Ende nicht absehbar scheint. Sowohl Geschäftsprozesse als auch Kundenwünsche änderten sich aktuell in einer nie dagewesenen Dynamik.

Scharner-Wolff betonte, dass Digitalisierung für sie viel mehr ist, als ein paar Veränderungen in der Arbeitswelt. „Ja, Digitalisierung ist ein Hype-Thema und viele können es vielleicht auch schon gar nicht mehr hören. Doch wir befinden uns in einem gewaltigen gesellschaftspolitischen Umwälzungsprozess. Und dieser bietet ebensoviele Chancen wie Gefahren“, betonte Scharner-Wolff.

Mutige Entscheidungen auch bei neuen Technologien

Damit die Transformation in Unternehmen gelinge, bedürfe es der richtigen Transformationsgeschwindigkeit. Dabei gelte es ebenso auf die Kunden, wie auf die Mitarbeiter zu achten. „Wir müssen dabei dem Kunden immer ein wenig voraus sein, doch der Abstand darf nicht zu groß werden“, so Scharner-Wolff. Einst machte Otto 80 Prozent seines Umsatzes mit dem guten alten „Otto-Katalog“ heute seien es noch etwa 2 Prozent. 90 Prozent des Umsatzes werde online erwirtschaftet. Scharner-Wolff skizzierte auch die verschiedenen Bereiche, in denen die Otto Group mittlerweile tätig ist. Dabei gelte es immer wieder, mutige Entscheidungen zu treffen, auch was den Einsatz neuer Technologien betreffe. Ebenso gehöre aber auch das Scheitern dazu.

Um Veränderungen in den Betrieben auch vornehmen zu können, bedürfe es vor allem der richtigen Ansprache an die Mitarbeiter. Besonders die Mitarbeiterführung habe sich ändern müssen. „Mit unseren gewohnten Hierarchien und der Weitergabe von Informationen an die nächst untere Ebene waren wir einfach zu langsam. Wenn wir das miteinander arbeiten nicht ändern, sind wir nicht zukunftsfähig“, so Scharner-Wolff. Es habe einer weitaus größeren Transparenz bedurft, um Mitarbeiter mitzunehmen.

„Ein kleines coming home“

„Es war schon etwas ganz Besonderes, hier in Göttingen sprechen zu dürfen. Es war ein kleines coming home. Erstmals hielt ich einen öffentlichen Vortrag, bei dem auch meine Eltern im Publikum saßen. Da war ich schon etwas nervöser als gewöhnlich“, resümierte Scharner-Wolff nach 120 ebenso informativen wie unterhaltsamen Minuten. Von Papa Gerhard, Ex-Chef der Göttinger Sparkasse, und Mama Giesela gab es schließlich ein Sonderlob: „Wir sind unglaublich stolz. Auch diesen Vortrag heute Abend hat Petra bravourös gemeistert.“

Um vielleicht eine ähnlich steile Karriere hinzulegen, wie sie selbst, hatte die 1971 geborene Scharner-Wolff schließlich ein paar Tipps. Sehr gutes Englisch sei obligatorisch, denn selbst der deutsche Konzern Otto überlege, Englisch als Firmensprache festzulegen. Am Herzen liegen der Personal-Chefin allerdings auch die sogenannten Soft Skills und das Thema lebenslanges Lernen. „Kommunikation, Empathie, strukturiert arbeiten können, Informationen filtern und priorisieren. Das ist mindestens ebenso wichtig wie die klassische Lehre. Und bleiben Sie neugierig und gierig. Als ich als Studentin im Hörsaal saß, gab es das Internet nur oben am Max-Planck-Institut. Dabei fühle ich mich noch gar nicht so alt. Denken Sie sich doch nur einmal aus, was es Neues gibt, wenn Sie hier in 25 Jahren einen Vortrag halten“, sagte Scharner-Wolff und verabschiedete sich unter lang anhaltendem Applaus.

Von Mark Bambey

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