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Regional „Schwarzer Bär“: Winterschlaf im Bärenpark
Nachrichten Wirtschaft Regional „Schwarzer Bär“: Winterschlaf im Bärenpark
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17:57 07.10.2011
Abtransport des Mondbären: Cordula und Ulrich Buhtz. Quelle: CR
Göttingen

Die Eheleute erwarten einen Transporter aus Worbis, der den verwaisten Mondbären abholen soll. Das ausgestopfte Prachtstück, das seit 1988 in der historischen Gaststätte als Wahrzeichen residiert, hat keinen Abnehmer in Göttingen gefunden. Nicht einmal die Studentenverbindungen, die einen Bären im Wappen tragen wie Holzminda und Lunaburgia, haben Platz für das Kuscheltier gefunden. Der Bärenpark Worbis gibt dem Schwergewicht, das auch der neue Inhaber nicht übernehmen wollte, Asyl.

Von Hermann Jürgens hat das Ehepaar Buhtz den asiatischen Schwarzbären bekommen. Der Scheren-Wirt aus Northeim ist auch „schuld“, dass der Hamburger Koch, Kellner und Betriebswirt Ulrich Buhtz nach Göttingen kam. Jürgens hatte vor 24 Jahren die Nachfolge von Viktor Kainrath als Pächter des Schwarzen Bären angetreten. Weil er selbst das Innungsgasthaus der Schneider „Zur Schere“ nicht verlassen wollte, holte er den Freund aus Hamburg. Mit Ehefrau Cordula (Man hatte sich im Hotel Atlantic kennengelernt) kam Buhtz am 4. September 1987 nach Göttingen, wurde Bärenwirt im Flaggschiff der Göttinger Brauhaus AG.

24 Jahre haben die Eheleute über der Gaststätte gewohnt, in der Gaststätte gelebt und gearbeitet. Jeden Tag. Vor zwölf Jahren haben sie ihren letzten Urlaub gemacht, erinnert sich Cordula Buhtz – in Dänemark, am Wasser. Ihre Töchter Martina (30) und Stephanie (32) seien im Bären groß geworden. „Manchmal hatte ich Sorge, dass die Mädchen das Abitur nicht schaffen“, erzählt sie. Ständig seien die Töchter mit im Einsatz gewesen.

Gestern nun haben die Bärenwirte die Schlüssel an den neuen Besitzer Helmut Turck übergeben, ab heute lebt das Ehepaar in der Nähe von Hannover. Von dort kommt Cordula Buhtz gebürtig, hat dort heute noch Verwandtschaft. „Es war eine schöne Aufgabe, das Haus zu führen“, zieht Ulrich Buhtz Bilanz, „aber auch hart“. Seit 1998 sind die Eheleute selbst Pächter der Gaststätte, für deren Erhalt der baulichen Substanz man immer habe kämpfen müssen. Ob bleiverglaste Fenster, Balken oder Böden, jede Reparatur oder Modernisierung habe viel Kraft der Pächter und Geld der Brauerei gekostet.

An schöne Zeiten erinnern sich die Wirtsleute, an den ersten Kontakt mit dem Bären und die Freude über ein Treppenhaus, „so schön wie bei den Großeltern“. Am ersten und letzten Tag trafen die Buhtz’ auf die legendäre Bärengemeinde, die keine Frauen im Schankraum duldete und die Bierpreise mitbestimmen durfte. „Lang ist das her.“ Am 15. Juli (der letzte Tag, an dem der Schwarze Bär geöffnet war) habe der Sprecher der Bärengemeinde eine Rede gehalten, Blumen und Geschenke überreicht.

Jetzt wollen die Eheleute erst einmal Abstand gewinnen, „sich innerlich abnabeln“, sagen sie. Ein Leben ganz ohne Gastronomie können sich beide nicht so recht vorstellen. Vielleicht ein kleines Hotel? Vielleicht auch in Göttingen? Zunächst jedoch gehen sie, wie die Bären, „in den Winterschlaf“.

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