Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Selbstständigen Handwerkern droht Renten-Lücke
Nachrichten Wirtschaft Regional Selbstständigen Handwerkern droht Renten-Lücke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:35 07.02.2018
Vielen Inhabern von kleineren Handwerksbetrieben und Soloselbstständigen droht eine Mini-Rente. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Vielen Inhabern von kleineren Handwerksbetrieben und Soloselbstständigen droht eine Mini-Rente. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (IFH). Ziele der Pflichtversicherung würden nicht mehr erreicht.

„Der goldene Boden des Handwerks verliert an Glanz, wenn man auf die Alterssicherung der Betriebsinhaber sieht“, so der Einstieg in die Studie von Klaus Müller und Anita Thonipara. Laut IFH-Zahlen bedeutet das: Mehr als 60 Prozent der Inhaber von Handwerksbetrieben erwarten eine gesetzliche Rente von weniger als 600 Euro. Nur jeder Achte hat Aussicht auf mehr als 1000 Euro. Drei Viertel der Inhaber von Handwerksbetrieben wenden mehr Geld für die private Altersvorsorge auf als für die gesetzliche Rentenversicherung.

Klares West-Ost-Gefälle

„Ich kann die Aussage der Studie aus der Praxis bestätigen. Wir wissen bereits von einigen Schicksalen vor Ort“, sagt Andreas Gliem. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen fügte an, dass dieses Problem immer stärker thematisiert werde.

Laut Studie bestünden nach wie vor deutliche Unterschiede zwischen Soloselbstständigen aus dem zulassungsfreien und dem 41 Gewerbe umfassenden zulassungspflichtigen Handwerk und auch zwischen kleinen und größeren Handwerksbetrieben. Außerdem zeichne sich ein klares West-Ost-Gefälle ab.

„Ein wichtiges Ergebnis dieser Studie ist“, betonen die Autoren, „dass die ursprünglichen Ziele der Handwerkerpflichtversicherung heute nicht mehr erreicht werden.“ Insbesondere infolge der Novellierung der Handwerksordnung von 2004 unterlägen inzwischen viele selbstständige Handwerker nicht mehr der Versicherungspflicht, obwohl sie zu den besonders Schutzbedürftigen zu rechnen seien. Dieser Kreis der Handwerker sei durch die Gesetzesänderung stark gewachsen.

Handwerksorganisation und Politik sind gefordert

Um die Situation zu verbessern, benennt die Untersuchung diverse Handlungsfelder sowohl in der Verantwortung der Handwerksorganisation als auch der Politik. Da allgemeine Informationsveranstaltungen und Beratungsangebote nur relativ schlecht angenommen würden, könnte die Altersvorsorge in der allgemeinen Betriebsberatung der Handwerkskammern thematisiert werden. Besondere Beachtung sollte dabei nach den Ergebnissen der Studie den Soloselbstständigen gelten. Ihnen gelinge es vielfach nicht, ausreichende Erträge zu erwirtschaften, mit der Folge, dass Altersvorsorge unterbleibe.

Auch die Politik könne laut der Studie zu einer Verbesserung der Altersvorsorge beitragen. Eine Versicherungspflicht für Selbstständige, so die Autoren, helfe Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden und Scheinselbstständigkeit abzubauen. Empfohlen wird auch: „die Versicherungspflicht an eine Anzahl von Entgeltpunkten zu binden statt wie seit 1960 die Pflichtversicherungszeit in Monaten zu berechnen.“ Bei entsprechender Zahl der Punkte würde eine gesetzliche Rente über Grundsicherungsniveau garantiert werden, die zur Sicherung eines angemessenen Lebensstandards durch private Vorsorge ergänzt werden müsse.

Von Mark Bambey

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

16 Unternehmen dürfen sich weiterhin für zwei Jahre als Top-Arbeitgeber Südniedersachsen (Topas) bezeichnen. Für ihr Engagement beim strategischen Arbeitgebermarketing sind sie am Dienstag von der Südniedersachsenstiftung und der IHK Hannover zertifiziert worden.

06.02.2018

Digitalisierung und Fachkräftemangel sind aktuell beherrschenden Themen in der Wirtschaft. Immer wichtiger wird daher der Aspekt berufliche Qualifizierung, betont die Agentur für Arbeit Göttingen.

06.02.2018

Rückenprobleme, Depressionen und Erkältungen haben 2017 zu den häufigsten Gründen für Krankschreibungen gehört. Das geht aus den Jahresberichten niedersächsischer Krankenkassen hervor. In anderen Punkten, etwa bei der Zahl der Fehltage, weichen die Berichte voneinander ab.

05.02.2018