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Regional Sono Motors stellt Sion in Göttingen vor
Nachrichten Wirtschaft Regional Sono Motors stellt Sion in Göttingen vor
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00:21 29.09.2018
Testfahrten mit dem Elektroauto Sion auf dem Parkplatz am Jahnstadion. Quelle: Hinzmann
München/Göttingen

Nicht erst seit Dieselskandal und Klimawandel-Debatte betonen Experten, dass die Zukunft auf der Straße dem Elektroauto gehört. Noch aber steckt die Entwicklung in den Kinderschuhen. Die Fahrzeuge sind relativ teuer, die Reichweiten überschaubar, die Infrastruktur ausbaufähig. Und in dieser Startphase stellt das Münchner Startup-Unternehmen Sono Motors ein Auto mit einem Preis von 16000 Euro und einer Reichweite von 250 Kilometern auf die Straße. Diese erhöht sich laut Hersteller um weitere 30 Kilometer durch die auf dem Auto verbauten Solar-Panels.

Sion-Präsentation in Göttingen

Die beiden schwarzen Prototypen des Sion glänzen am Dienstagmittag auf dem Parkplatz vor dem Jahnstadion in der Sonne. Umringt von zahlreichen Interessierten und einer Gruppe freundlicher junger Menschen. Das Sono Motors-Team tourt mittlerweile im zweiten Jahr durch Deutschland und das benachbarte Ausland. Zunächst boten sie in zahlreichen Großstädten Probefahrten an, mittlerweile gehe man auch in die Fläche, erklärt Tour-Manager Max Flicker. Egal, wo sie mit ihrem Elektroauto Station machen, hätten sich 80 bis 90 Interessierte bereits per Internet angemeldet. Spontan kämen dann täglich noch etwa 100 Besucher dazu.

Bastelversuche in der heimischen Garage

Um ihre ersten Bastelversuche in der heimischen Garage zu finanzieren, verkauften Christians und Hahn Smoothies auf Großveranstaltungen. Später versuchten sie für ihr Auto 150 000 Euro über Crowdfunding einzusammeln – tatsächlich wurden es 800 000. Als 2016 das Unternehmen gegründet wurde, hatte man sich zum Ziel gesetzt, ab 5000 Vorbestellungen in die Serienfertigung zu gehen. Mittlerweile liegen 7683 Reservierungen vor – einige mit 500 Euro gesichert, andere schon voll bezahlt. In der zweiten Hälfte 2019 soll die Produktion beginnen und erste Autos vom Band laufen.

Warum zieht dieses relativ unscheinbare Fahrzeug mit dem 80 KW starken Elektromotor und der Spitzengeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern so großes Interesse auf sich? Flicker nennt zwei Hauptargumente, die nach Ansicht vieler Interessenten für den Sion sprechen: Da wäre zunächst der Preis, der zwischen zehn- bis zwanzigtausend Euro unter dem der Mitbewerber liegt. Erreicht wird der durch die Verwendung von lizenzfreien Bauteilen von Zulieferern. Außerdem wird auf jegliche Produktvariationen verzichtet.

Batterie nicht im Preis enthalten

Ein weiterer Grund für den niedrigen Kaufpreis: Die Lithium-Ionen-Batterie ist nicht einkalkuliert. Ein Elektroauto ohne Batterie. Erklärung des Herstellers: Man habe den Preis für das Fahrzeug fixiert, mit den Kosten für das Herzstück wolle man sich am jeweiligen Marktpreis orientieren. Momentan muss der Kunde 4000 Euro zusätzlich ausgeben, monatliche Ratenzahlung sei möglich. Langfristig könnte dieser Kostenfaktor geringer ausfallen.

Aber nicht nur der Preis auch die Philosophie hinter dem Auto überzeuge viele Interessenten, sagt Flicker. Die Firmengründer, neben Christians und Hahn ist das ihre damalige WG-Mitbewohnerin und Designstudentin Navina Pernsteiner, haben ein gemeinsames Ziel vor Augen: Sie wollen etwas dagegen tun, dass mehr als 60 Prozent des wertvollen Rohstoffs Öl für unsere Mobilität verbrannt wird. Mit dem ersten serienmäßigen Elektroauto, das zumindest teilweise seine Batterie durch die Sonne aufladen kann, will man „einen möglichst kleinen ökologischen Footprint“ hinterlassen, so erklärt es Flicker.

Bidirektionales Laden

Die Sono-Philosophie wird auch an anderen Stellen sichtbar. Eine recycelbare Kunststoffkarosserie oder die Technologie des bidirektionalen Ladens, die den Sion zum Stromlieferanten macht. Die Community, wie Sono Motors seine Kunden nennt, hat Einfluss auf die Entwicklung des Fahrzeugs. So wurde nicht nur die schwarze Farbe festgelegt, sondern auch eine Anhängerkupplung installiert. Ein Feature, das in den Niederlanden besonders gut angekommen sei, erzählt Flicker mit einem Augenzwinkern. Es ist aber ein anderes Ausstattungsmerkmal, das dem Sion in der Öffentlichkeit eine gewisse Aufmerksamkeit beschert hat – auch in Göttingen.

„Ist das der Wagen mit dem Moos?“ fragt eine junge Frau bei der Besichtigung am Jahnstadion. Tatsächlich ist im Sion ein spezielles Moos in das Armaturenbrett integriert, das laut Hersteller 20 Prozent des Feinstaubs aus der Luft filtert. Es verbessert angeblich die klimatischen Bedingungen im Auto und lässt sich verschiedenfarbig beleuchten. „Die Rückmeldungen sind extrem positiv“, bilanziert Flicker. Den Göttingern hat der zweitägige Auftritt des Sion gefallen.

Von Markus Scharf

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