Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Licht soll taube Menschen wieder hörend machen
Nachrichten Wirtschaft Regional Licht soll taube Menschen wieder hörend machen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:38 11.03.2018
Das Start-up-Projekt „OptoGenTech“ wird in den kommenden Jahren mit 1,4 Mio. Euro gefördert wird. Das Ohr-Modell regiert auf alle Töne. Quelle: Hinzmann
Göttingen

„Die seit 2002 als Fachgebiet etablierte Optogenetik, die Zellen durch genetische Veränderung lichtempfindlich macht, eröffnet den Lebenswissenschaften ganz neue Perspektiven“, berichtet Tobias Moser vom Institut für Auditorische Neurowissenschaften der Universitätsmedizin Göttingen. Das Start-up baue auf Forschungen auf, die sein Göttinger Team an der Universitätsmedizin und am Deutschen Primatenzentrum in den vergangenen Jahren gemeinsam mit den Physikern Ulrich Schwarz (Chemnitz) und Patrick Ruther (Freiburg) durchgeführt habe.

„Wir arbeiten seit 2008 an einer optischen Version des Cochlea-Implantats“, berichtet Moser. Die bisher elektrisch gesteuerte Neuroprothese, die seit den 1970er-Jahren auf dem Markt sei, habe bisher einer halben Million fast tauber Menschen wieder das Hören ermöglicht. Allerdings hätten die Nutzer Schwierigkeiten, Melodien zu erkennen, und Probleme bei lauten Hintergrundgeräuschen. Das liege daran, dass die elektrische Reizung der Hörnerven nicht sehr frequenzscharf erfolge.

Prof. Tobias Moser (re.) stellt das Start-up-Projekt OptoGenTech vor, das vom Bund in den kommenden Jahren mit 1,5 Mio. Euro gefördert wird. Besprechung im Labor mit Alexander Dieter (li.). Quelle: CHH

„Durch die Verwendung von Licht ließe sich die Zahl der getrennt wahrnehmbaren Stimulationskanäle von derzeit meist weniger als zehn auf vermutlich 60 erhöhen“, führt Moser aus. Das Cochlea-Implantat sei dabei nur eine von vielen Anwendungsgebieten der Optogenetik. Optische Herz- und Hirnschrittmacher seien denkbar. Gelähmte Stimmbänder ließen sich optisch stimulieren. Bei Menschen, die unter chronischen Schmerzen litten, könnten Nervenzellen optisch daran gehindert werden, die Schmerzsignale zu übertragen.

„Was der Grundlagenforschung derzeit fehlt, sind implantierbare optische Vielkanal-Sonden mit der dazugehörigen Hard- und Software“, sagt Schwarz. Wichtige Schritte auf diesem Weg hätten Schwarz, Ruther und das Göttinger Team bereits gemacht. So sei die notwendige Ansteuerung im Projekt „OptoHear“ am Göttingen Campus mit Förderung durch den Europäischen Forschungsrat bereits weit entwickelt worden. Nun gelte es vor allem die Sonden zur Marktreife zu entwickeln. Dafür gebe es in den kommenden zwei Jahren Geld vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. In Versuchen an Nagetieren werde dann überprüft, inwieweit die Sonden in der Praxis funktionierten.

In zwei Jahren müssen Investoren überzeugt sein

„Das OptoGenTech-Projekt ist beim Photonik-Inkubator angesiedelt, der Firmengründungen aus dem akademischen Bereich heraus unterstützt“, berichtet Moser. Christian Goßler sei der technische Projektleiter. Für die kaufmännische Leitung des Start-ups hätten sie den Unternehmensberater Thomas Keller gewonnen. Nach der Firmengründung werde das Unternehmen seinen Sitz in Göttingen haben, vielleicht im Laser-Laboratorium Göttingen am Hans-Adolf-Krebs-Weg, wo auch der Photonik-Inkubator untergebracht sei.

„In zwei Jahren, wenn die Förderung ausläuft, müssen wir Investoren überzeugen können“, sagt Keller. Das neue Unternehmen wolle nämlich langfristig nicht nur Werkzeuge für die biomedizinische Grundlagenforschung liefern, sondern auch die Entwicklung von Medizinprodukten vorantreiben. Die Zulassungsverfahren seien jedoch sehr aufwendig, was die Kooperation mit Industriepartnern nahelege.

Von Michael Caspar

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Regional 85,1 Mio. Euro Jahresumsatz - Sycor weiter auf Wachstumskurs

Der Göttinger Digitalisierungsdienstleister Sycor hat seinen Wachstumskurs auch 2017 fortgesetzt. Wie das Unternehmen mitteilte wuchs es weltweit organisch um 100 Mitarbeiter. Mit nun mehr als 750 Angestellten steigerte Sycor seinen Jahresumsatz um knapp 20 Prozent auf 85,1 Millionen Euro.

14.02.2018
Regional Gefährdete Arbeitsplätze - Hoffen auf eine Strategieänderung

Bei der ABB Automation Products GmbH in Göttingen sind etwa 100 Stellen in der Produktion in Göttingen in Gefahr. Gemeinsam wollen die SPD-Granden Thomas Oppermann, Bernhard Reuter, Rolf-Georg Köhler und Gerd Hujahn den Stellenabbau verhindern.

14.02.2018

Der Club der Göttinger Wirtschaft setzt weiter auf seinen Vorstand. Bei der Jahreshauptversammlung im GDA Wohnstift wurde der bestehende Vorstand für die kommenden zwei Jahre im Amt bestätigt. Michael Mehle hat weiterhin den Vorsitz des Clubs.

14.02.2018