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Regional „Jede Akte hat ein Gesicht“
Nachrichten Wirtschaft Regional „Jede Akte hat ein Gesicht“
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00:17 19.12.2016
Hintere Reihe v.l.: Marcel Riethig (Kreisrat Göttingen), Gerd Goldmann (Niedersächsischer Landkreistag), Ralf Geerdes (Jobcenter Ammerland). Hintere Reihe v.l.: Kerstin Wendt (Jobcenter Landkreis Verden), Sabine Ostendorf (Jobcenter Landkreis Osnabrück), Michael Motzek (Grafschaft Bentheim). Quelle: Grünewald
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Göttingen

Die Entscheidung, vor elf Jahren zur Optionskommune zu werden, habe sich für den Landkreis auf jeden Fall als sinnvolle Entscheidung erwiesen, so Landrat Bernhard Reuter (SPD). Damals habe der Landkreis Osterode eine deutlich höhere Arbeitslosigkeit gehabt als der benachbarte und sehr gut vergleichbare Landkreis Goslar. Osterode wurde Optionskommune, Goslar nicht, das Verhältnis bei der Arbeitslosigkeit habe sich heute umgekehrt.
Erfolgsfaktor für die bessere Arbeitsvermittlung von Langzeitarbeitslosen in den Optionskommunen sei die Kenntnis der regionalen Wirtschaft, der zahlreichen örtlichen Netzwerke und der Umstand, dass flexibel auf den jeweiligen Arbeitsmarkt abgestimmte Strukturen entstehen konnten. Aber auch, dass hier „jede Akte ein Gesicht“ habe, so Gerd Goldmann, Referent beim Niedersächsischen Landkreistag. Denn die Vermittler kennen ihre zu Betreuenden lange und gut.
So gebe es beispielsweise Familien, in denen mehrere Generationen Unterstützungsleistungen empfangen, beschreibt Ralf Geerdes vom Jobcenter Ammerland. Wenn dann zum Beispiel einem arbeitslosen Jugendlichen eine hundertprozentige Sperrung als Sanktion drohe, dann betreffe das nicht ihn, sondern die gesamte Familie und das könne etwa eine langfristige Aufbauarbeit gefährden. Daher sei es gut, die entsprechend zuständigen Stellen in der Verwaltung in Gesprächsweite zu haben, um solche Maßnahmen abzustimmen.
Da man so auch schon gute Erfahrungen bei der Vermittlung von Migranten gesammelt habe, sieht Sabine Ostendorf vom Jobcenter im Landkreis Osnabrück auch zuversichtlich dem kommenden Jahr entgegen. Denn dann werden im größeren Umfang Flüchtlinge in die Zuständigkeit der Jobcenter fallen. Reuter ist sich sicher, dass die Optionskommunen dann noch besser in ihrer Vermittlungstätigkeit abschneiden werden als die über die Arbeitsagentur betreuten Landkreise.
Weil sie die Jobcenter als Erfolgsmodell betrachten, auch wenn es mit intensiven Kontrollen seitens des Bundes einhergeht, wünschen sich die Optionskommunen vom Bund noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten. „Als Kommune sind wir von der Wiege bis zur Bahre zuständig. Nur die Ausbildungsvermittlung und -förderung, in der gar nicht so viele Menschen sind, aber gerade die Jungen, die wir erreichen wollen, haben wir nicht. Diese Zuständigkeit hätte ich aber gerne“, so Kreisrat Marcel Riethig (SPD).
Stattdessen gebe es durchaus Probleme mit der Bundesarbeitsagentur in der Nürnberger Zentrale  sowie den Regionaldirektionen, die in den Optionskommunen eine Konkurrenz sehen. Vor Ort allerdings sei die Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur allerdings sehr gut, so Riethig.

Wo kommt das Jobcenter her?

2005 wurde im Zuge der groß angelegten Arbeitsmarktreform von Peter Hartz auch das System der sozialen Absicherung verändert: Aus Arbeitslosengeld, der sich anschließenden Arbeitslosenhilfe und der Sozialhilfe wurde Arbeitslosengeld und die Leistungen für Langzeitarbeitslose „Hartz 4“. Langzeitarbeitslose werden über Jobcenter betreut, gemeinsame Einrichtungen von Kommunen und Arbeitsagentur.
Gleichzeitig schuf der Bund für damals 69 Kommunen aber die Möglichkeit, die Betreuung des Bereichs Hartz 4 in Eigenregie zu übernehmen. Dies sind die sogenannten Optionskommunen. Inzwischen dürfen bundesweit maximal 110 Kommunen Optionskommune sein. Durch die Landkreisfusion Göttingens mit Osterode – beides Optionskommunen – ist ein Platz freigeworden. In den Optionskommunen wird die Qualifizierung, Betreuung und Vermittlung von Langzeitarbeitslosen über die Jobcenter organisiert.

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