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Regional Versorgungsassistentin schafft in Hardegsen mehr Freiraum
Nachrichten Wirtschaft Regional Versorgungsassistentin schafft in Hardegsen mehr Freiraum
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00:26 18.06.2015
Antje Gottschall mißt bei Ilse Herting den Blutdruck. Quelle: Lawrenz
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Hardegsen

Antje Gottschall packt ihren blauen Verah-Koffer, mit ihm geht sie auf Hausbesuchstour. Ihr Weg führt die Nichtärztliche Praxisassistentin zu Ilse Herting, nur eine Straße weiter. Im Alter von 84 Jahren ist die Frau aber nicht mehr gut zu Fuß. Um ihr den an sich kurzen Weg in die Praxis zu ersparen, kommt die Praxis zu ihr. Gottschall macht sich ein Bild davon, wie es um ihr Befinden bestellt ist. Herting erzählt und klagt über trockenen Husten. Das will Verah Gottschall mit Hausarzt Knöpfel besprechen.

 

Der Wunsch, dem Hausärztemangel mit besser qualifiziertem Praxis-Personal zu begegnen und dem Hausarzt mehr Freiraum zu verschaffen, habe sie dazu bewegt, die Idee auszuprobieren, erklärt Knöpfel. Als „Großversorger auf dem Land“ solle der Hausarzt Zeit für die Patienten haben. Mit der Verah seien Hausbesuche nun öfter möglich.

 

Nach einer Schulung über insgesamt 200 Stunden zu acht verschiedenen Themenmodulen und einem Praktikum bei einem Netzwerkpartner wie Krankenhaus, Pflegeheim oder Apotheke muss die Fachkraft eine Hausarbeit einreichen und eine mündliche Prüfung ablegen. Die Kosten für die Ausbildung beziffert Knöpfel mit etwa 2500 bis zu 3000 Euro.

 

Der Einsatz lohne sich, meint Gottschall und empfindet die Zusatzqualifikation als persönliche Bereicherung. Auch finanziell zahlt die Fortbildung sich aus. Weil Gottschall Knöpfel als Verah zur Hand geht, wird die Angestellte besser bezahlt. Und die Praxis kann Hausbesuche durch eine Verah besser abrechnen als den Einsatz von Helferinnen, die eine solche Ausbildung nicht durchlaufen haben. In Niedersachsen gibt es für ärztlich verordnete Hilfeleistungen durch Nichtärztliche Praxisassistenten eine höhere Kostenpauschale. Die Gruppe der Patienten, für die diese Leistung erbracht werden kann, ist allerdings eng definiert: Die Betreuten müssen unter chronischen und/oder schwerwiegenden Erkrankungen leiden und älter sein als 65 Jahre.

 

Insbesondere bei der Versorgung von solchen Patienten ist der Einsatz einer Verah laut Knöpfel sehr hilfreich. Die Verah könne ihm die dort nötigen, regelmäßigen Krankenbesuche abnehmen. Verah Gottschall kann beispielsweise Blutdruck oder Blutzucker kontrollieren und den Ernährungszustand genauso wie die Einnahme von Medikamenten überwachen. Mit dem Patienten überlegt sie, ob weitere Hilfsmittel erforderlich sind, um ihm das Leben zu erleichtern. Selbst von Gottschalls Hausarbeitsthema zum Wundmanagement profitiere die Praxis, sagt Knöpfel. Die Fachangestellte sei dort die Wund-Spezialistin.

 

In dem Betrieb mit sechs Medizinischen Fachangestellten und einer Auszubildenden hat sich das Konzept Verah bewährt. Deshalb durchläuft Tanja Pleßmann jetzt die Ausbildung zur zweiten Verah für die Praxisgemeinschaft.

 

Von Ute Lawrenz

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