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14:59 22.10.2018
Der Online-Handel wächst seit Jahren zweistellig: Ein neuer Ausbildungsberuf soll nun die nötigen Fachkräfte liefern. Quelle: dpa
Göttingen

„Bereits zehn Prozent der Umsätze im Einzelhandel werden im Internet erwirtschaftet“, sagt Katharina Weinert, die beim Handelsverband Deutschland in Berlin die Abteilung Bildungspolitik und Berufsbildung leitet. Der Bereich wachse zweistellig. Die Digitalisierung bewirke einen tiefgreifenden Strukturwandel. Immer mehr stationäre Unternehmen würden zu Multichannel-Händlern. Es entständen neue Tätigkeitsfelder, Prozesse und Geschäftsmodelle.

„Online-Vertriebskanäle gewinnen auch in anderen Branchen an Bedeutung“, betont die Bildungsexpertin. Sie nennt Banken und Versicherungen, Handwerk und Industrie, den Ticketverkauf oder die bäuerliche Direktvermarktung.

Im Mai 2015 Konzept vorgelegt

„Wir haben die Initiative ergriffen und im Mai 2015 das Konzept für den neuen Ausbildungsberuf vorgelegt“, berichtet Weinert. Es seien dann Gespräche mit anderen Branchen, der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sowie den zuständigen Bundesministerien und der Kultusministerkonferenz geführt worden. Sachverständige hätten in der Folge innerhalb eines halben Jahres die nötigen Inhalte des neuen Berufs ausgearbeitet.

„Die Auszubildenden lernen, das Verhalten von Internetnutzern zu analysieren“, führt die Bildungsexpertin aus. Die jungen Menschen befassten sich mit der Auswahl von Vertriebskanälen und Bezahlsystemen, mit der Produktpräsentation im Netz und mit Online-Marketing. Sie erlernten das Anbahnen und Abwickeln von Verträgen. Hinzu käme der Erwerb juristischer Kenntnisse etwa im Datenschutz, im Wettbewerbs- und Urheberrecht.

„Die Ausbildung können Unternehmen anbieten, die bereits im Online-Handel tätig sind, über die nötige Ausstattung sowie geschultes Ausbildungspersonal verfügen“, sagt Weinert. Das kontrollierten die Industrie- und Handelskammern (IHK), die für die Prüfungen verantwortlich seien. Sie würden bei Bedarf helfen.

„Geeignet ist der Beruf für Absolventen aller Schulformen“, betont die Verbandsvertreterin. Beim Erwerb der kaufmännischen Fertigkeiten seien gute Mathenoten hilfreich. Wichtig seien zudem gute Deutsch- und Englisch-Kenntnisse. Die neue Ausbildung ziehe Jugendliche an, die gerne in Netz unterwegs seien und gute Berufsaussichten schätzten.

Betreiben eines Online-Shops ist aufwendig

„Die meisten Einzelhändler sind mit einer Seite im Internet präsent“, berichtet Alexander Grosse, der Vorsitzende des Einzelhandelsverbands Göttingen. Viele Kollegen nutzten soziale Netzwerke, um Kundenkontakte zu pflegen. Das Betreiben eines Online-Shops sei allerdings aufwendig und lasse sich nicht nebenher erledigen. Insbesondere kleine, inhabergeführte Läden scheuten daher davor zurück. Immerhin ließe sich bei manchen die Ware über die Internetseite in den Laden bestellen.

„Unter den vier Ausbildungsbetrieben in Stadt und Landkreis Göttingen sind keine Einzelhändler“, kommentiert Joachim Grube von der Göttinger IHK-Geschäftsstelle. Mehr will er aus Datenschutzgründen nicht verraten.

Der Berufsschulunterricht findet in Osterode statt. „Wir haben uns auch beworben, aber vom Landkreis keinen Zuschlag erhalten“, sagt Carsten Iseke, der bei den Berufsbildenden Schulen I in Göttingen die Abteilung Berufsschule leitet. Bei ihnen gebe es derzeit vier Klassen mit insgesamt rund 90 angehenden Einzelhandelskaufleuten. Er rechne, dass der neue Beruf steigende Resonanz finden werde. „Mehrere Betriebe können auch gemeinsam ausbilden“, wirbt Verbandsvertreterin Weinert.

Von Michael Caspar

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