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Regional Gut 200 Warnstreik-Teilnehmer vor der Uni-Medizin
Nachrichten Wirtschaft Regional Gut 200 Warnstreik-Teilnehmer vor der Uni-Medizin
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19:03 26.09.2018
Warnstreik am Klinikum in Göttingen Quelle: Hinzmann
Göttingen

Ein Großteil der Streikenden sind Frauen. Die Teilnehmer üben sonst unter dem Dach der Klinikservice GmbH eine Vielzahl von Jobs aus. Sie sorgen dabei nicht nur für Hygiene in den Operationssälen, den Behandlungszimmern und den Bettenhäusern, sondern sie kümmern sich auch um die Sauberkeit vieler weiterer Universitätsgebäude, wie zum Beispiel den Zentralcampus und den Blauen Turm. Andere sind zum Beispiel im Patienten-Transport und in der Wäscherei tätig. Gemeinsam fordern sie eine gerechtere Bezahlung.

Mit Plakaten, Bannern und Spruchbändern machen die Warnstreik-Teilnehmer auf ihre Forderungen aufmerksam. „Faire Löhne jetzt“. „Solidarität für alle“. „Prekäre Löhne? Wegputzen“. Viele Teilnehmer tragen wasserfeste Westen im Plastiktüten-Look auf denen der Verdi-Aufruf „Weil es um mehr geht!“ steht. Viele schwenken Fahnen der Gewerkschaft. Mit Trillerpfeifen machen sie zusätzlich auf sich aufmerksam. Nach einer kurzen Ansprache und dem Verlesen von Forderungen setzt sich der Tross um 8.20 Uhr in Bewegung.

Halbstündiger Stopp auf dem Uni-Campus

Durch die Stadt schlängeln sich die solidarischen Servicekräfte von der Robert-Koch-Straße über den Uni-Campus vor dem zentralen Hörsaalgebäude der Georg-August-Universität bis zum Wilhelmsplatz. Auf dem Campus legt der Tross gegen 9 Uhr einen knapp halbstündigen Stopp ein. Es gibt erneut Reden, ehe der Protestzug sich wieder auf den Weg macht und durch die Fußgängerzone zum Wilhelmsplatz marschiert. In der engen Straßenschlucht schrillen die Trillerpfeifen besonders laut und auch die lautstarke Forderung „Gleiche Arbeit, gleicher Lohn“ hallt lange nach.

Warnstreik der UMG-Klinikservice GmbH (KSG) für faire Löhne.

Um 10.15 Uhr erreichen die Warnstreik-Teilnehmer den Wilhelmsplatz. „Wir haben die Ankunft deutlich früher erwartet“, sagt Thomas Richter. Der Pressesprecher der Uni Göttingen führt eine Delegation Warnstreik-Teilnehmern in der Aula der Georgia Augusta. Hier werden sie von Uni-Präsidentin Prof. Ulrike Beisiegel empfangen, um ihr eine Petition zu überreichen.

Petition an Uni-Präsidentin Prof. Ulrike Beisiegel übergeben

Vor der Aula gibt es erneut Solidaritätsbekundungen. Das Supportbündnis Tarifvertrag betont in einer kurzen Ansprache, dass erst die Arbeit der Klinikservice-Beschäftigten eine Atmosphäre ermögliche, in der gute Lehre und Forschung möglich seien. „Während die Universität sich um die Exzellenzstrategie bewirbt und die UMG mit Milliardenbeträgen saniert wird, bleiben die Kolleginnen und Kollegen auf der Strecke“, schallt es aus dem Megafon, und die Menge stimmt lautstark zu. Bereits im Vorfeld hatte sich auch die Wohnrauminitative Göttingen solidarisiert. Einige Wohnheime haben deshalb Transparente gemalt und sie aus ihren Fenstern gehängt. „Es ist schon eine Farce - während sich die Uni derzeit für die Exzellenzinitiative bewirbt, zahlt sie ihren Reinigungskräften Hungerlöhne. Exzellenz in Sachen Ausbeutung? Wir jedenfalls finden das eine Sauerei und möchten deshalb den Arbeitskampf unterstützen“, teilte die Initiative mit.

Der Kundgebung angeschlossen hat sich auch der Göttinger Ratsherr Edgar Schu, dessen Kreisverband „Die Linke“ sich ebenfalls bereist im Vorfeld solidarisch gezeigt hatte. „Ich finde es bemerkenswert, dass sich so viele Beschäftigte dem Warnstreik angeschlossen haben. Stark sind auch die Aussagen vieler Kollegen. Die Zersplitterung der Belegschaften in immer mehr kleinere GmbHs ist schädlich und muss aufgehalten werden. Dieser Arbeitskampf setzt dafür ein starkes Zeichen“, betont Schu.

Nächste Verhandlungstermin am 16. Oktober

Um 10.30 Uhr setzt sich das Teilnehmerfeld wieder in Bewegung. Ziel war die Verdi-Geschäftsstelle Region Süd-Ost-Niedersachsen an der Groner-Tor-Straße. Hier löste sich die Kundgebung mit Ende der vereinbarten Warnstreikzeit um 11 Uhr auf.

Jetzt haben beide Konfliktparteien gut drei Wochen Zeit, bis sie sich wiedersehen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für Dienstag, 16. Oktober, angesetzt.

Von Mark Bambey

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