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„Wir brauchen weniger starre Regeln“

DEHOGA „Wir brauchen weniger starre Regeln“

Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Guido Zöllick, sprach am Montag an der Delegiertenversammlung des Dehoga-Niedersachsen im Hotel Freizeit In. Im Interview fordert er eine wöchentliche Höchstarbeitszeit für das Hotel- und Gastgewerbe. Kritik übte er an der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

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Dehoga-Präsident Guido Zöllick zu Gast an der Delegiertenversammlung des Dehoga-Niedersachsen im Hotel Freizeit in.

Quelle: Marks

Göttingen. Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Guido Zöllick, sprach am Montag an der Delegiertenversammlung des Dehoga-Niedersachsen im Hotel Freizeit In. Im Interview fordert er eine wöchentliche Höchstarbeitszeit für das Hotel- und Gastgewerbe. Kritik übte er an der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Wie ist die derzeitige Lage für das Hotel- und Gaststättengewerbe?

Guido Zöllick: Viele Hotels und Restaurants in Deutschland freuen sich über mehr Gäste. Wir steuern auf den achten Übernachtungsrekord in Folge zu. In unser Land kommen immer mehr ausländische Besucher. Das betrifft vor allem die Großstädte. Auch die einheimische Bevölkerung gibt wieder mehr Geld in der Gastronomie aus. Daher sind die Umsätze in den letzen Jahren stetig gestiegen. Die Konjunktur ist stabil und die Beschäftigung nimmt zu.

Wie sieht es bei den Beschäftigten derzeit aus?

Wir verzeichnen einen Zuwachs bei den Mitarbeitern. Derzeit sind 1,9 Millionen Menschen im Gastgewerbe beschäftigt. Allein in den letzten zehn Jahren hat das Gastgewerbe 290000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen und gehört mit 54000 Auszubildenden immer noch zu den größten Ausbildern des Landes.

Kein Grund zu klagen, sollte man also meinen?

Bedingt, zwar steigen die Umsätze und die Zahl der Beschäftigten, das kann man leider von den Ergebnisse leider nicht sagen. Umsatzplus heißt nicht automatisch Gewinn.

Wo drückt der Schuh derzeit am meisten?

Wir brauchen weniger starre Regeln. Die tägliche Höchstarbeitszeit im geltenden Arbeitszeitgesetz von regelmäßig acht, im Ausnahmefall maximal zehn Stunden ist nach unserer Auffassung nicht mehr zeitgemäß. Die Gesetzgebung dazu ist mehr als in die Jahre gekommen. Mit einer Wochenarbeitszeit könnten die Einsatzzeiten flexibel auf die Woche verteilt werden, ohne die Gesamtarbeitszeit zu verlängern.

Warum?

Die Arbeitswelt hat sich verändert. Wir müssen dann arbeiten können, wenn Arbeit da ist. Selbst bei bester Planung muss im Gastgewerbe oft kurzfristig reagiert werden, um Gästewünsche zu befriedigen. Das aber ist unsere Aufgabe. Sei es an einer Hochzeit, bei der die Stimmung ab 1 Uhr Nachts erst richtig gut ist oder wenn sich ein Reisebus verspätet und die Gäste zu Abend essen wollen - wir können dann nicht einfach den Laden zumachen.

Was ist mit Gesundheitsschutz, Jugendarbeitsschutz und Mindestruhezeiten der Arbeitnehmer?

Das alles wollen wir nicht antasten. Es geht uns nicht um mehr Arbeit, sondern um eine bessere Verteilung auf die Woche. Eine begrenzte Wochenarbeitszeit auf maximal 48 Stunden würde für das Hotel- und Gastgewerbe mehr Flexibilität schaffen, um zu Spitzenzeiten auf den Bedarf reagieren zu können. Eine tägliche Arbeitszeit von 13 Stunden soll dabei keineswegs Alltag werden, aber möglich sein. Der Dehoga beruft sich bei dieser Forderung auch auf Europa. Die europäische Arbeitszeitrichtlinie sieht die wöchentliche Arbeitszeit als Maßstab vor.

Warum tut sich das Gastgewerbe damit so schwer?

Das tun wir nicht. Fast jede Branche kennt heute die Situation, dass Arbeit dann erledigt werden muss, wenn es Arbeit gibt. Im Zuge der Einführung des Mindestlohns müssen wir aber alles genauestens dokumentieren. Zudem wird das permanent kontrolliert. Wenn das in anderen Branchen auch so wäre, würde man schnell merken, dass da jemand mehr als zehn Stunden gearbeitet hat. Nicht nur wir benötigen deshalb dringend eine Anpassung des Arbeitszeitgesetzes an die Lebenswirklichkeit.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisiert solche Ausweitungen von Arbeitszeiten.

Jedem sollte seine Verantwortung bewusst sein, die er für unsere Branche und für die Mitarbeiter hat. Auch die Gewerkschaft NGG. Die Gewerkschaft kritisiert oft Einzelbeispiele in breiter Öffentlichkeit, die nicht das reale Bild unserer Branche widergeben. Wir sind selbstverständlich dialogbereit. Aber generalisierende Pausschalangriffe der NGG, wie sie wiederholt öffentlich vorgetragen wurden, kann ich nicht akzeptieren.

Trotzdem, wie gehen Sie mit dieser Kritik um?

Es hilft ja nichts, dauernd Schuldzuweisungen zu betreiben. Das schadet der Branche. Deshalb wünsche ich mir einen konstruktiven Austausch zwischen dem Dehoga und der NGG. Wir müssen gemeinsam schauen, dass wir die Zukunft unserer Branche sichern und weiterentwickeln.

Sie fordern zudem die Reduzierung der Mehrwertsteuer für Speisen in Restaurants?

Ja, derzeit müssen wir auf alle Speisen 19 Prozent Mehrwertsteuer abführen. In vielen anderen Bereichen wie im Einzelhandel oder Imbissen werden Speisen nur mit sieben Prozent versteuert. Das ist eine klare Ungerechtigkeit, die wird behoben sehen wollen. Deshalb fordern wir gleiche Steuern für Essen – unabhängig von der Art der Zubereitung und des Verzehrortes.

Delegierte tagen im Freizeit In

Rund 250 Delegierte aus Niedersachsen diskutieren vom 15. bis 17. Oktober über Branchenthemen im Göttinger Hotel Freizeit In. Themen der Tagung sind unter anderem die Dehoga-Forderung zur Wochenarbeitszeit, Mehrwertsteuerreduzierung auf alle Speisen, die Gebühren für Lebensmittelkontrolle in Niedersachsen, Bettensteuer und die Probleme beim Berufsnachwuchs. Am Dienstag stehen Wahlen an. Nach 15 Jahren Amtszeit wird Niedersachsens Dehoga-Präsident Herrmann Kröger verabschiedet und ein Nachfolger gewählt.

Zur Person: Guido Zöllik (47) ist seit 2008 Mitglied im Präsidium des Dehoga Bundesverbandes e.V., seit 2012 stellvertretender Präsident. Seit 2016 amtiert der Rostocker als Präsident des Dehoga.

Von Bernard Marks

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